Die „Buch am Bach“ holt jeden ab

Vorarlberg / 25.06.2014 • 18:49 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Am Stand der Selektissima können Jugendliche bereits jetzt schon Bücher auswählen, die ab Anfang Dezember online zur Bewertung stehen. An die 1000 Empfehlungen liegen inzwischen in der Box. Foto: Lisa Mathis
Am Stand der Selektissima können Jugendliche bereits jetzt schon Bücher auswählen, die ab Anfang Dezember online zur Bewertung stehen. An die 1000 Empfehlungen liegen inzwischen in der Box. Foto: Lisa Mathis

Autoren treffen Leser: Was Kontakte in Augenhöhe so alles bewirken können.

Götzis. Wie die Tante, die man schon deshalb lieben muss, weil sie immer verlässlich Süßigkeiten aus den Untiefen ihrer Manteltasche kramt, steht Margit Schwanzer mit leicht verklärtem Blick inmitten eines Kinderrudels, und 20 Hände langen gleichzeitig in ihren geflochtenen Korb. Preise beim Österreichischen Buchklub gibt es hier. Preise für all jene, die auf ihrem Fragebogen das nötige Wissen über die „Buch am Bach“ nachweisen konnten.

Auch der zehnjährige Tim Kornes aus Dornbirn langt zu. Er hat ein Buch gewonnen. Aber unter 500 Seiten tut er’s nicht. „Im Moment verschlinge ich gerade Harry Potter“, erzählt der angehende Dornbirner Mittelschüler. Die dicke Schwarte unterm Arm dürfte gerade mal bis Schulschluss reichen.

Mit Autoren im Café

Die 15 Autoren und Erzählerinnen der VN-Kinder- und Jugendbuchmesse 2014 treffen auf ein interessiertes Publikum. Und sie genießen es. Entweder im ganz großen Rahmen vor bis zu 80 Zuhörern. Oder sehr privat, wie eben Christoph Wortberg. Der 50-jährige Kölner Autor hat sich mit den Altacher Mittelschülerinnen Lea, Sarah und Gizem ins Café Kult zurückgezogen. Sie plaudern übers Schreiben.

„Findet Ihr den Schluss meines Romans Easy denn glaubwürdig?“ Das ist keineswegs rhetorisch gemeint. Wortberg, der eben am Drehbuch für einen Tatort arbeitet, erzählt freimütig von späten Einsichten und was man so alles anders machen würde, wenn man das Buch gebunden in Händen hält. Später gesellt sich Oliver Pautsch (48) dazu. Der nordrhein-westfälische Schriftsteller und Drehbuchautor hat noch zehn Minuten Zeit bis zu seinem nächsten Einsatz. Die verbringt er gerne mit den Jugendlichen. Die Schülerinnen sind hin und weg. Auf der „Buch am Bach“ ist offenkundig Augenhöhe angesagt. Kinder spüren, dass sie ernst genommen werden. Wenn Schultheatercoach Markus Riedmann sich schüttelt und die Hände in die Höhe reißt, dann tut ihm das sein eben erst eingetroffenes 25-köpfiges Ensemble unverzüglich gleich. Wenn Lesekoordinator Kurt Benedikt auf der Aktionsbühne selber in die Rolle des Löwen aus Äsops Fabel schlüpft, dann feuert Lisa Sendlhofer wenig später mit demselben Text in 8,91 Sekunden einen hinreißenden Schnellleserekord ins Foyer. Vorbilder zählen. Wie im richtigen Leben.

Neuland betreten

Dabei haben längst nicht alle Besucher Bücher zu Hause rumstehen. Das kann man sehen. Manchen verlorenen Blicken sieht man an, dass diese Kinder auf ungewohntem Terrain unsichere erste Schritte tun. Aber dafür sind Menschen wie der oberösterreichische Autor und Buchhändler Erich Weidinger oder die Geschichtenerzählerin Katharina Ritter ja da: um die Kinder abzuholen.

Die gebürtige Andelsbucherin Ritter sammelt seit 15 Jahren Erfahrung darin. Hierzulande, aber auch über das Goethe-Institut in fernen Ländern. „Im Herbst geht’s nach Aserbaidschan und Georgien und nach Kiew, wenn es klappt.“ Dort tut sie dasselbe, was sie als Kind im Bregenzerwald bei der „Nachtstubat“ oder „z’Alp“ getan hat. Das, was die Kinder hier auf der „Buch am Bach“ so fasziniert. Was nie aus der Mode kommt, weil die Welt sonst seltsam fahl und hinfällig erscheinen würde: Sie erzählt Geschichten.

Sabine Mathies, Marlies Maier-Zumtobel, Juliane Knill und ihr Team tun das auch. Auf entzückende Weise. Im Schlössle haben die Studentinnen der BAKIP und ein Student Leseabenteuer für die Allerjüngsten vorbereitet. „Kinder lieben lesen“ wird da im Handumdrehen zur Gewissheit. Da wird gesungen, gespielt und vorgelesen. Im Schattentheater geht in diesem Augenblick ein chinesisches Märchen zu Ende. Es klingt aus in einer zarten Flötenmelodie. Dann wird es still. Und Kinder träumen.

Der Mittwoch gehörte auf der „Buch am Bach“ den Jüngsten: Da wurde Theater gespielt, gemalt und – natürlich – vorgelesen. Fotos: VN/Hofmeister, Mathis, Matt
Der Mittwoch gehörte auf der „Buch am Bach“ den Jüngsten: Da wurde Theater gespielt, gemalt und – natürlich – vorgelesen. Fotos: VN/Hofmeister, Mathis, Matt
Der Mittwoch gehörte auf der „Buch am Bach“ den Jüngsten: Da wurde Theater gespielt, gemalt und - natürlich - vorgelesen. Fotos: VN/Hofmeister, Mathis, Matt
Der Mittwoch gehörte auf der „Buch am Bach“ den Jüngsten: Da wurde Theater gespielt, gemalt und – natürlich – vorgelesen. Fotos: VN/Hofmeister, Mathis, Matt

Buch am Bach

Die VN laden zur Kinder- und Jugendbuchmesse

vom 24. bis 26. Juni 2014,
der Eintritt ist frei

» Ort: Kulturbühne AMBACH in Götzis und zahlreiche umliegende Gebäude

» Zeit: täglich von 9 bis 17 Uhr

» Programm: Lesungen, Theater und Workshops, Verkaufsmesse mit 3500 Büchern, 40 Verlage stellen Neuerscheinungen vor

Autoren vor Ort:

Silvie Angel, Karin Ammerer, Inge Fiedler, Alice Gabathuler, Irmgard Kramer, Erika Kronabitter, Brigitte Lebioda, Beatrix Mannel, Oliver Pautsch, Katharina Ritter, Stephan Sigg, Michael Stavaric, Christine Troy, Erich Weidinger, Christoph Wortberg

Sponsoren:

Diese Partner tragen die „Buch am Bach“ mit: illwerke vkw, Arbeiterkammer, Wirtschaftskammer, Katholische Kirche, Vorarlberger Landesregierung und Gemeindeverband, ZM3 Immobiliengesellschaft m.b.H., Haberkorn GmbH, Bachmann electronic GmbH, Scheyer Verpackungstechnik GmbH

» Internet: vorarlbergernachrichten.at/buchambach/

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