Mit Niedrigzinsen zu eigenen vier Wänden

Vorarlberg / 25.06.2014 • 21:58 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
group of coins and house of white background
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Noch nie war die Hausfinanzierung so günstig – aber das kann sich auch wieder ändern.

Schwarzach. Vorarlberg ist das Land der „Häuslebauer“. Eigentum steht traditionell höher im Kurs als Miete. Und daran dürfte sich auch so schnell nichts ändern. Die aktuellen Niedrigzinsen machen die Hausfinanzierung günstiger denn je. Karin Hinteregger, Leiterin der Konsumentenberatung der Arbeiterkammer und Walter Wakonigg, Leiter Wohncenter der Raiffeisenlandesbank kennen die Antworten auf die zehn wichtigsten Fragen zur Hausfinanzierung.

Kann angesichts von Niedrigzinsen auch ohne Eigenmittel der Traum von den eigenen vier Wänden verwirklicht werden?

„Eigenmittel sind grundsätzlich Teil des Fundaments zur Erfüllung des Wohntraums“, sagt Walter Wakonigg.

Allerdings brauche es nicht zwingend große Barmittel. Es könne auch ein vorhandenes Grundstück oder ein persönliches Vorsorgeprodukt herangezogen werden. „Aber zumindest die Nebenkosten und ein kleiner Teil des Kaufpreises sollten mit Eigenmitteln bezahlt werden können“, erklärt der Experte.

„Jeden Einzelfall gesondert betrachten“, ist indes für Konsumentenberaterin Karin Hinteregger entscheidend. Grundsätzlich gelte: je höher die Eigenmittel, umso niedriger die Kreditsumme und umso überschaubarer das Risiko.

Wie viel Geld sollte monatlich zur Verfügung stehen, um die Kreditraten bedienen zu können?

Für Bankexperte Walter Wakonigg gibt es langjährige Erfahrungswerte, die von nicht mehr als 40 Prozent des Haushaltseinkommens für die Finanzierung des Wohntraums und der Betriebskosten ausgehen. Die derzeit niedrigen Zinsen machen das Wohnen im Eigentum scheinbar oft günstiger als eine Mietvariante. „Es werden jedoch auch wieder Zeiten höherer Zinsen kommen“, gibt Wakonigg zu bedenken. „Deshalb sollte man die Rückzahlungsrate besser gleich mit höheren Zinsen errechnen und ein finanzielles Poster schaffen.“

Arbeiterkammer-Konsumentenberaterin Karin Hinteregger weist zudem auf die lange Vertragsdauer hin. Der Wegfall eines Einkommens durch Familienplanung oder Verringerung durch den Wegfall von Überstunden müssen ebenfalls berücksichtigt werden.

Worauf muss bei den Gesprächen mit den Banken geachtet werden?

Neben der Hausbank sollten auch weitere Angebote eingeholt werden. „Vergleichen lohnt sich“, so Karin Hinteregger. Zudem sollten verschiedene Varianten mit unterschiedlich hohen Laufzeiten durchgerechnet werden.

Gibt es bei den Angeboten Verhandlungsspielraum?

AK-Expertin Karin Hinteregger rät, bei jedem einzelnen Punkt zu verhandeln. Auch Zinssatz sei nicht gleich Zinssatz. So müsse etwa der Aufschlag auf den vereinbarten Referenzzinssatz (z.B.: EURIBOR) beachtet werden. Und auch Nebenkosten seien oft Verhandlungssache.

Wie können verschiedene Kreditangebote miteinander verglichen werden?

„Es gibt einen Anspruch auf ein Informationsformular. Darin ist auch der effektive Jahreszinssatz und der Gesamtbetrag ausgewiesen. Damit werden Angebote leichter vergleichbar“, so Hinteregger.

Mit welchen Nebenkosten muss bei der Finanzierung gerechnet werden?

Bearbeitungsgebühren und Kosten für verlangte Sicherheiten summieren sich.

„Auch hier lohnt sich ein Vergleich“, so Karin Hinteregger. Auch beim Wechsel oder bei Änderungen von Sicherheiten können laut Arbeiterkammer Gebühren anfallen.

Welche zusätzlichen Kosten können bei der Anschaffung eines Hauses
oder einer Wohnung entstehen?

Zu den Zusatzkosten zählen die Grunderwerbsteuer (3,5 Prozent des Kaufpreises), Eintragung des Eigentumsrechts (1,1 Prozent), Vertragskosten (ca. 1,5 Prozent) und eventuell auch Maklerkosten (3,6 Prozent).

Über welche Bonitäten muss man verfügen, um an einen Kredit zu kommen?

Für Walter Wakonigg ist das regelmäßige Einkommen das Fundament einer jeden Finanzierung. Angesparte Eigenmittel und Sicherheiten (etwa Eintragung eines Pfandrechts) würden die Bonitätsnote weiter verstärken, so der Experte.

Wie lange sollte die Laufzeit eines Kredits sein?

Das sei von Fall zu Fall unterschiedlich, so Walter Wakonigg. „Normale Kreditlaufzeiten betragen etwa 30 Jahre.“ Grundsätzlich sei aber der Pensionsantritt der Zeitpunkt, an dem die meisten keine Schulden mehr haben möchten.

Kann man aus einem Kreditvertrag aussteigen und den offenen Betrag vorzeitig zurückzahlen?

„Bei Hypothekarkrediten sind Vorfälligkeitsentschädigungen ein Thema“, warnt AK-Konsumentenberaterin Hinteregger. Sie rät, diese von vornherein wegzuverhandeln.

Zinssatz: 2 Prozent (aktuelle Situation)

Kreditbetrag Laufzeit in Jahren mtl. Rückzahlung Summe der Rückzahlungen

200.000 € 20 1.014,08 € 243.378,17 €

200.000 € 30 741,68 € 267.003,99 €

250.000 € 20 1.267,59 € 304.222,72 €

250.000 € 30 927,10 € 333.754,98 €

300.000 € 20 1.521,11 € 365.067,26 €

300.000 € 30 1.112,52 € 400.505,98 €

Zinssatz: 4 Prozent (langfristig wahrscheinlicher)

Kreditbetrag Laufzeit in Jahren mtl. Rückzahlung Summe der Rückzahlungen

200.000 € 20 1.216,38 € 291.932,07 €

200.000 € 30 959,57 € 345.481,59 €

250.000 € 20 1.520,48 € 364.915,09 €

250.000 € 30 1.199,59 € 431.851,99 €

300.000 € 20 1.824,58 € 437.898,11 €

300.000 € 30 1.439,51 € 518.222,38 €

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