„Diese Ansage halte ich für zynisch“

Vorarlberg / 26.06.2014 • 22:04 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Bürgermeister-Interview, Karl Hehle
Bürgermeister-Interview, Karl Hehle

Parteipolitik im Rathaus, Gehalt und Projekte: Gemeindechef Hehle bezieht Stellung.

Hörbranz. Vor Beschlüssen im Rathaus Partner suchen. In diesem Punkt dürfte der Hörbranzer Gemeindechef Karl Hehle, der seit knapp zehn Jahren im Amt ist, inzwischen bereits Routinier sein. Hehles Volkspartei hält nämlich seit den Gemeindewahlen vor fünf Jahren „nur“ mehr zwölf der insgesamt 27 Sitze im Gemeindeparlament. Zweitstärkste politische Kraft sind die Freiheitlichen mit sieben Volksvertretern, gefolgt vom BZÖ sowie den Grünen mit je drei Sitzen. Die Sozialdemokraten sind mit zwei Mandataren im Rathaus vertreten.

Volksabstimmung im Raum

Derzeit sorgt der Verkauf eines Grundstücks der Gemeinde an die VOGEWOSI für heftige Debatten in Hörbranz. Die Freiheitlichen wollen darüber das Volk abstimmen lassen. Zuvor müssen sie allerdings noch bis Ende August die dafür nötigen Unterschriften sammeln.

Herr Bürgermeister, zunächst Persönliches: Was gefällt Ihnen an Ihrem Bürgermeisterjob am besten, und was soll Ihnen später einmal nachgesagt werden?

Hehle: Ich beginne bei der zweiten Frage: Ich hoffe, dass man mir einmal nichts Schlechtes nachsagen wird. Am Job als Bürgermeister gefällt mir am besten, dass man in dieser Funktion viel mit Menschen zu tun hat und gestalten kann. Persönlich reizt mich darüber hinaus auch das ordentliche Stück Verantwortung, das man in diesem Amt zu tragen hat.

Das Image der Politiker droht immer schlechter zu werden. Was kann die Berufsgruppe Ihrer Meinung nach gegen diesen Trend tun?

Hehle: Solide Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen ist gefragt und meiner Meinung nach besonders wichtig, um derartigen Trends begegnen zu können. Den Frust der Menschen spüre ich auch in Hörbranz, derzeit sind es aber überwiegend bundespolitische Themen, die dafür sorgen.

Zur Rathauspolitik: Ihre Volkspartei besitzt seit 2010 nicht mehr die absolute Mehrheit. Gestaltet sich die Suche nach Partnern für Beschlüsse schwierig, oder gibt es eine Fraktion, mit der Sie oft einer Meinung sind?

Hehle: Die Suche nach Partnern gestaltet sich eigentlich nicht schwierig. Es gilt, Kompromisse zu suchen und sich zusammenzuraufen. Präferenzen für eine bestimmte Rathauspartei habe ich nicht. Im Rückblick sind bislang eigentlich alle Entscheidungen mit 90-prozentiger Mehrheit beschlossen worden.

Der Verwaltungsgerichtshof hat im Sinne der Anrainer, die dagegen gekämpft haben, einen Baubescheid für das Haus der Zukunft aufgehoben.
Hatten Sie zu spät das Gespräch mit den Betroffenen gesucht?

Hehle: Das Thema ist eigentlich erledigt. Es stimmt ganz einfach nicht, dass zu wenig informiert wurde. Ich hatte die Anrainer sogar noch vor der Gemeindevertretung von diesen Plänen in Kenntnis gesetzt. Es wurden zahlreiche Gespräche geführt, und wir sind zu keinem Zeitpunkt gegen die Anrainer vorgegangen, wie dies immer wieder dargestellt wird. Tatsache ist, dass wir einen Baubescheid ausgestellt hatten, der beeinsprucht und vom Gerichtshof aufgehoben wurde. Und zwar mit der Begründung, dass unter anderem auch Kinderlärm gesundheitsschädlich sein soll. Wir hätten im Bauverfahren nachweisen müssen, dass Kinderlärm der Gesundheit nicht schadet. Für mich ist das Wort Kinderlärm an sich schon ein Wahnsinn. Es wäre schlussendlich nichts anderes übrig geblieben, als das Verfahren noch einmal von vorne zu beginnen. Dies machte aus unserer Sicht keinen Sinn mehr. Das Haus der Zukunft, in dem neben der Kleinkinderbetreuung auch der Musikverein hätte Platz finden sollen, ist vom Tisch. Jetzt wird das Ganze an zwei unterschiedlichen Standorten verwirklicht.

Die Hörbranzer Freiheitlichen wollen eine Volksabstimmung zum Thema Grundstücksverkauf durch die Gemeinde an die VOGEWOSI. Die Blauen behaupten, der Verkaufspreis sei zu niedrig. Kommt der günstige Preis den Mietern zugute?

Hehle: Natürlich kommt der Preis den Mietern zugute, sonst hätte das Ganze keinen Sinn. Ich halte die Argumentation der Freiheitlichen für zynisch. Faktum ist, dass eine 70 Quadratmeter große Wohnung um rund 20 Euro pro Monat billiger wird. Man kann zwar, so wie der Kollege von den Blauen, erklären, dass dies nur dem Kauf von vier Schachteln Zigaretten entspricht. Wenn man diese Vergünstigung hochrechnet, so sind dies 240 Euro pro Jahr. Für Jungfamilien, die heutzutage großteils viele Anschaffungen zuerst einmal über Darlehen finanzieren müssen, bedeuten 240 Euro im Jahr eine willkommene Erleichterung. Der Vorwurf, wonach wir Familiensilber veräußern, stimmt nicht. Wir investieren so gesehen ins Familiensilber. In Hörbranz befinden sich immerhin zwischen 70 und 90 Familien auf der Suche nach einer Wohnung.

Sind Sie mit Ihrem Monatsgehalt als einstiger Unternehmer und jetziger Bürgermeister zufrieden, und wie viel bleibt Ihnen netto?

Hehle: Ich verdiene derzeit 4215 Euro netto pro Monat und bin zufrieden.

Werden Sie bei den nächsten Gemeinderatswahlen abermals an den Start gehen?

Hehle: Ja, ich werde abermals zur Verfügung stehen.

Bürgermeister-Interview, Karl Hehle
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„Für mich ist das Wort Kinderlärm an sich schon ein Wahnsinn“: Bürgermeister Karl Hehle im VN-Gespräch.
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„Der Grundverkauf an die VOGEWOSI entlastet künftig auch Jungfamilien als Mieter“: Bürgermeister Hehle.  mk
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Kurz gesagt

Absolute Mehrheit: Klarer Auftrag der Bevölkerung

Freunderlwirtschaft: Mit mir nicht

Lebensglück: Die Freude des Augenblicks

Politikverdrossenheit: Schlecht für die Demokratie

Parteifreund: Freundschaft ist unabhängig von der Parteizugehörigkeit

Freizeit: Selten, darum sehr wertvoll

Erstwähler: Gestalten ihre Zukunft

Lebensqualität: Hier im Ländle wohnen und leben zu dürfen

Netzwerke: Wichtig zu pflegen

Lebensabend: Noch einigermaßen weit entfernt

Zahlen zu Hörbranz

» Einwohnerzahl: 6340

» Gemeindefläche: 8,75 km2

» Jahresbudget:13,8 Millionen Euro

» Pro-Kopf-Verschuldung: 150 Euro (inkl. GIG und Leasing)

» Gewerbebetriebe: 344

» Beschäftigte: 2063

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