Wenn Betreuung Urlaub macht

Vorarlberg / 27.06.2014 • 21:48 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Nur vier von 246 Kindergärten im Land haben im Sommer durchgehend geöffnet. Foto: vn/Steurer
Nur vier von 246 Kindergärten im Land haben im Sommer durchgehend geöffnet. Foto: vn/Steurer

Ländle-Kindergärten haben längste Sommerpausen – Angebot „bedarfsgerecht“.

Schwarzach. Die Ferienzeit ist für berufstätige Eltern in Vorarlberg besonders herausfordernd. Denn kein anderes Bundesland hat so viele Schließtage bei Kindergärten, wie aus gestern veröffentlichten Daten der Statistik Austria hervorgeht. An durchschnittlich 38,4 Ferientagen sind die Kindergarten-Türen geschlossen. Damit ist Vorarlberg negativer Spitzenreiter. Der Österreichschnitt liegt bei 16,2 Tagen, und zumindest jeder dritte Kindergarten hat im Sommer durchgehend geöffnet. Davon ist Vorarlberg weit entfernt. Nur vier der 246 Kindergärten kommen ohne Schließtage aus.

Vorarlberg tritt, was das Betreuungsangebot im Sommer betrifft, seit Jahren auf der Stelle. Auch das zeigen die jüngsten Zahlen der Statistik Austria. Während die Schließtage in allen anderen Bundesländern in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgegangen sind, blieben sie in Vorarlberg unverändert.

Die für Kindergärten zuständige Landesrätin Bernadette Mennel will dennoch keine Engpässe in der Betreuung erkennen. Sie spricht gegenüber den VN von einem „bedarfsgerechten Angebot“. So seien die Gemeinden verpflichtet, den Bedarf der Wohnbevölkerung zu erheben. „Wenn es einen gibt, muss dieser natürlich auch gedeckt werden.“ So gebe es in vielen Gemeinden zumindest einen Kindergarten mit wenigen Schließtagen. Auch andere Einrichtungen oder Tagesmütter würden Betreuungsaufgaben übernehmen, sagt Mennel.

Zu diesen Einrichtungen zählen etwa Kleinkinderbetreuungen. Sie dürfen per Gesetz maximal fünf Wochen im Jahr geschlossen halten. Der Haken: Nur 43 der 96 Gemeinden im Land haben eine Kleinkinderbetreuung. Und dort, wo es nur Spielgruppen gibt, fällt im Sommer die Betreuung ebenfalls aus.

Situation weiter verschärft

Ein großer VN-Datenreport von Anfang Woche hat aufgezeigt, dass jede vierte Gemeinde im Land ohne eigene Kleinkinderbetreuung ist. In der Ferienzeit verschärft sich die Situation weiter.

In der Landesregierung ist Landesrätin Greti Schmid für die Kleinkinderbetreuung zuständig. Man arbeite intensiv daran, dass Eltern, die es brauchen, in allen Regionen des Landes in vertretbarer Entfernung leistbare Betreuung zur Verfügung haben, sagt Schmid. Nicht in jeder Gemeinde sei der Bedarf groß genug. Deshalb setze man auf Tagesmütter und Gemeindekooperationen, die vom Land gefördert werden.

„Wenn zwei oder mehr Gemeinden eine Kooperation eingehen, gibt es vom Land eine sogenannte Anschubfinanzierung“, erklärt die Landesrätin. Dabei werden in den ersten drei Jahren zwischen 65 und 75 Prozent der Personalkosten übernommen. Das Angebot kommt an, wie eine Vielzahl an Kooperationsbeispielen in den einzelnen Talschaften des Landes zeigen. „Nur noch einige wenige Kleingemeinden haben keine Kooperationen“, sagt Schmid. Hier kämen eben Tagesmütter zum Einsatz.

Projekte in Umsetzung

In der Vorwoche beschlossene zusätzliche Mittel des Bundes sollen die Betreuungssituation weiter verbessern. In Summe werden bis 2017 rund 15 Millionen Euro aus Wien erwartet. Allein heuer werden in Vorarlberg 200 Betreuungsplätze für zumindest 400 Kleinkinder geschaffen, verrät Schmid. Und auch für 2015 sind neue Einrichtungen geplant.

35 Prozent der Bundesmittel können laut Vereinbarung für die Betreuung von älteren Kindern (drei bis sechs Jahre) eingesetzt werden, etwa für die Verbesserung der Öffnungszeiten. Das scheint dringend notwendig zu sein, wenn man die hohe Zahl an Schließtagen in der Ferienzeit bedenkt.

Wenn der Bedarf da ist, muss er auch gedeckt werden.

LR Bernadette Mennel
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