“Ich will nicht Macht demonstrieren”

Vorarlberg / 29.06.2014 • 19:49 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
"Ich will nicht Macht demonstrieren"
“Bei uns kriegt der Bürger Fördergeld für Solaranlagen direkt ausbezahlt und nicht über die Ökostrombörse”: Bürgermeister Flatz im VN-Gespräch.

„Pattstellung“ im Rathaus, Gehalt und Pläne: Bürgermeister Manfred Flatz im Gespräch.

Schwarzach. (VN) Mit „ausgewogenen Verhältnissen“ kann Manfred Flatz als Gemeindechef in Schwarzach agieren. Die unter seinem Namen firmierende VP-Wählerinitiative eroberte nämlich bei den letzten Gemeindewahlen zwölf Sitze. Die zweiten zwölf Sitze teilen sich  (noch) die Unabhängige Wählergemeinschaft Liste Horst Fertschnig (UWG) mit neun, die Grünen mit zwei sowie die SPÖ und Parteifreien mit einem Mandat.

Vereinigung im Frühherbst

Noch deshalb, weil es zu einer Vereinigung kommen wird. Kräfte bündeln, Themen statt Ideologien und das Wohl der Gemeinschaft lauten die erklärten Ziele, die sich die Listen Flatz und UWG dabei auf die Fahnen geschrieben haben. Die Liste wird auf den Namen „Für Schwarzach“ getauft. Die Grünen, die ebenso wie eine SPÖ-Mandatarin unter das Dach der neuen Liste geladen worden waren, bleiben ihrer Oppositionsrolle im Rathaus treu.

Herr Bürgermeister, hat es Momente gegeben, in denen Sie bereits einmal bereut haben, das Amt des Bürgermeisters übernommen zu haben?

Flatz: Nein, bisher gab es keine solchen Momente. Ich wusste zwar nach meiner Wahl zum Bürgermeister vor vier Jahren nicht so genau, was auf mich zukommen wird. Natürlich gibt es immer wieder ein Auf und Ab, aber das ist in jedem Beruf der Fall. Aber bereut habe ich den Schritt noch in keiner Sekunde.

Hatten Sie als Kind einen Traumberuf und was hat Sie motiviert, das Amt des Gemeindechefs von Schwarzach zu übernehmen?

Flatz: Als Kind wollte ich Automechaniker werden. Meine Eltern vertraten allerdings die Meinung, dass ich eher in Richtung Sozialberuf gehen sollte. Schlussendlich bin ich Lehrer geworden. Dass ich in der Folge Bürgermeister wurde, war ein für mich nicht vorhersehbarer Prozess. Ich war nämlich bis zur letzten Sekunde mit Leib und Seele Lehrer. Es waren vor allem die Möglichkeiten der Gestaltung in der Gemeinde, die mich gereizt haben, nach zwei Jahrzehnten im Rathaus das Amt des Bürgermeisters zu übernehmen.

Stichwort Gemeindepolitik: Sind Sie enttäuscht darüber, dass die Grünen und die SP Nein gesagt haben und es nicht zu jener Einheitsliste in Schwarzach kommen wird, die Sie eigentlich wollten?

Flatz: Enttäuscht kann man nicht sagen, ich nehme das Nein zur Kenntnis. Ich habe seit meinem Eintritt in die Gemeindepolitik die Meinung vertreten, dass in einer Kommune eine Einheitsliste richtig wäre. Im Rathaus geht es um die Sache und nicht um parteipolitische Ideologien. Darüber hinaus habe ich seit jeher betont, dass ich mich weder von der Bundes- noch von der Landespolitik beeinflussen lasse. Und dieser Vorsatz lässt sich mit einer Einheitsliste einfacher einhalten.

Da drängt sich freilich eine Frage auf: Sind Sie oder bleiben Sie dennoch Mitglied der Volkspartei?

Flatz: Ich möchte es lieber so formulieren: Ich bin Mitglied der Vorarlberger Volkspartei.

Die Rathaus-Opposition kommt im Gemeindeblatt nicht vor und soll dort keine Inserate schalten dürfen. Wollen Sie damit Macht demonstrieren?

Flatz: Nein, dabei geht es nicht um Machtdemonstration. Ich bin der Meinung, dass unsere „Schwarzach Post“ eine Informationsbroschüre für die Bürger ist und keine Broschüre für irgendwelche Propagandaberichte und parteipolitische Stellungnahmen. Das gilt auch für Inserate von Rathausfraktionen.

Schwarzach ist e5-Gemeinde und trat aus der Ökostrombörse aus. Wollen Sie Ihr eigenes Süppchen kochen?

Flatz: Wir sind ausgetreten, weil wir der Meinung sind, dass wir das Geld besser direkt an die Bürger weitergeben und nicht über einen Verein, der Verwaltungsabgaben einhebt. Aufgrund dieser Abgaben bekommen wir nämlich nicht jene hundert Prozent, die wir einzahlen, wieder retour. Schwarzach ist eine der Gemeinden, die Förderungen für Solaranlagen ausbezahlt. Bei uns bekommt der Bürger das Geld direkt. Wir sind e5-Gemeinde und werden dies auch weiterhin bleiben.

Warum hat sich Schwarzach von Verkehrsberuhigungsplänen wie der „Hofsteigader“ verabschiedet?

Flatz: Wir haben uns in keiner Weise verabschiedet. Es werden beispielsweise Radwegeverbesserungen umgesetzt. Große Projekte, die beispielsweise Wolfurt derzeit durchführt, können wir uns derzeit allerdings aus budgetären Gründen nicht leisten.

Sind Sie mit Ihrem Einkommen zufrieden und wie viele Euros bleiben Ihnen monatlich netto?

Flatz: Mir bleiben rund 3800 Euro netto pro Monat und ich bin mit meinem Bezug zufrieden.

Werden Sie bei der Gemeindewahl 2015 abermals antreten?

Flatz: Ja, ich werde abermals kandidieren.

Ich wollte als Kind Automechaniker werden.

Bürgermeister-Interview, Manfred Flatz
Bürgermeister-Interview, Manfred Flatz
Bürgermeister-Interview, Manfred Flatz
Bürgermeister-Interview, Manfred Flatz
Bürgermeister-Interview, Manfred Flatz
Bürgermeister-Interview, Manfred Flatz
Bürgermeister-Interview, Manfred Flatz
Bürgermeister-Interview, Manfred Flatz
Bürgermeister-Interview, Manfred Flatz
Bürgermeister-Interview, Manfred Flatz
Bürgermeister-Interview, Manfred Flatz
Bürgermeister-Interview, Manfred Flatz
Bürgermeister-Interview, Manfred Flatz
Bürgermeister-Interview, Manfred Flatz
Bürgermeister-Interview, Manfred Flatz
Bürgermeister-Interview, Manfred Flatz

Kurz gesagt . . .

Absolute Mehrheit: Ist nicht unbedingt notwendig

Freunderlwirtschaft: Lehne ich grundsätzlich ab

Lebensglück: Familie
Politikverdrossenheit: Ist für mich erklärbar

Parteifreund: Es gibt Parteifreunde
Freizeit: Versuche ich mir mehr zu ermöglichen

Erstwähler: Sehr wichtig
Lebensqualität: Ebenso die Familie

Netzwerke: Werden leider Gottes benötigt
Lebensabend: Hoffe ich meinen Vorstellungen entsprechend gestalten zu können

Zahlen zu Schwarzach

» Einwohnerzahl: 4062

» Gemeindefläche: 4,91 km²

» Jahresbudget: 8,7 Millionen Euro

» Pro-Kopf-Verschuldung:
2407 Euro (inkl. GIG und Leasing)

» Betriebe: 284

» Beschäftigte: 2112

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