Zwischen Gefängnis und Leben in Freiheit

Vorarlberg / 30.06.2014 • 20:44 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Jürgen H.’s Anwalt versteht Umgang der Justiz mit seinem Schützling nicht.

Salzburg. (VN-hk) Klaus Grubhofer (67) ist als Mann und Anwalt bekannt, der den Konsens sucht. So trat er auch stets im Testamentsprozess auf. Seinen Mandanten, den Hauptbeschuldigten Jürgen H. (50) überredete er, sich seine Schuldenlast von der Seele zu reden und ein volles Geständnis abzulegen. Das tat der ehemalige Geschäftsstellenleiter des Bezirksgerichts Dornbirn auch. Er bekannte sich zu seinen Verbrechen und fasste sieben Jahre unbedingt aus.

Rein und raus

Doch was ihm in seinem Wechseldasein zwischen Gefängnis und Freiheit offenbar passierte, stößt auch auf harte Kritik des Dornbirner Anwalts-Routiniers. „Jürgen wollte die Haft gleich einmal nach der erstrichterlichen Entscheidung hinter sich bringen und auch ohne rechtskräftiges Urteil schon einsitzen. Er rückte deshalb so bald wie möglich in die Justizanstalt Feldkirch ein. Das war im Juni des Vorjahres. Es hieß, er könne dort auch bleiben, bis sein Urteil klassifiziert sei. Doch dann wurde er plötzlich und überraschend in die Haftanstalt Karlau nach Graz überstellt“, berichtet Klaus Grubhofer. Die Überstellung in die Steiermark erfolgte noch im ­August.

Wasser vorenthalten

Es ist genau diese Überstellung, welche vor allem Jürgen H. nicht vergisst. „Es ging mir da nicht gut“, sagt er nur knapp, während ihm sein Anwalt nahelegt, nichts mehr zu sagen, damit man es sich mit der Justiz nicht verscherzt. Auf der Fahrt in die Steiermark soll Jürgen H. vergessen haben, Wasser mitzunehmen. Es war ein heißer Tag und der Transport dauerte zwölf Stunden. Die den Transport begleitenden Justizbeamten sollen dabei Jürgen H. die Versorgung mit Wasser verweigert haben. Die Folge: In seinem ohnehin angeschlagenen gesundheitlichen Zustand bekam Jürgen H. eine schwere Harnwegsinfektion. „Im Oktober nach dem OGH-Urteil wurde ich schließlich plötzlich aus dem Gefängnis entlassen.“

Mit Betreuerin

Die offensichtliche Misshandlung anprangern möchte Jürgen H. nicht. Von der Justiz erhofft er sich schließlich Milde. In Salzburg braucht er vorrangig Stehvermögen. Wie zu Beginn des ersten Prozesses hat der verurteilte Testamentsfälscher auch dieses Mal eine psychologische Betreuerin mit. Ebenso ist Klaus Grubhofer dieser Tage in Salzburg nicht nur sein rechtlicher Beistand.

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