Der Fall Isele als Vorstufe zum Mutschler-Krimi

Vorarlberg / 17.07.2014 • 21:05 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Anwalt Dieter Klien vertrat gemeinsam mit Kornelia Ratz die Erben im Fälscherfall Isele.   Foto: VOL.AT  
Anwalt Dieter Klien vertrat gemeinsam mit Kornelia Ratz die Erben im Fälscherfall Isele.  Foto: VOL.AT  

Schenkungsvertrag als Stein des Anstoßes. Warum gab es keine Erbrechtsklage?

Salzburg.  Für die Anklage besteht kein Zweifel: Das gefälschte Testament der Anna Isele mit einem Vermögenswert von über 1,2 Millionen Euro war für die Beschuldigte Kornelia Ratz eine Art Vorleistung fürs Mutschler-Erbe. Dieses hätte bekanntlich zur Gänze an Mutter und Tante der suspendierten Richterin gehen sollen. Im Jahr 2003 fühlten sich die 18 Gesetzeserben (Nichten und Neffen) der Anna Isele nach Auftauchen eines Testaments vor den Kopf gestoßen. Als Alleinerbin wurde die allen völlig unbekannte Hohen­emserin Edeltraud Amann bedacht; mittels eines Testaments, das alle Kriterien des bekannten Fälschungsmusters enthielt: Alleinstehende, vermögende Person als Erblasser, Beistrichfehler in der ersten Text-Zeile, bereits verstorbene Testamentszeugen, die stereotype Formulierung des Inhalts. Statt eine Erbrechtsklage einzubringen, bediente man sich einer Vertragskonstruktion mit der Bezeichnung „Schenkung auf den Todesfall“. Damit hätten die Erben nach dem Tod der alten und dementen Edeltraud Amann in den Besitz der Isele-Verlassenschaft kommen sollen.

Anwalt Dieter Klien (54), der damals den Großteil der Gesetzeserben vertrat, nahm dazu gestern im Zeugenstand Stellung. Die große Frage dabei: Warum wurde dieser Vertrag über die Schenkung auf den Todesfall gezimmert und nicht die bereits vorbereitete Erbrechtsklage eingebracht? Dazu Klien: „Die Initiative kam von Kornelia Ratz. Sie meinte, eine Erbrechtsklage sei zu riskant und von den Kosten her nicht kalkulierbar. Ich habe mich dann diesem Vorschlag angeschlossen“, gab der Hohenemser Anwalt, der schon in der Erstverhandlung zu diesem Fall befragt wurde, an.

Bemerkenswert: Noch wenige Tage vorher war man sich bei den Erben über eine Erbschaftsklage einig. „Ich war damals bereits überzeugt, dass das Testament gefälscht ist“, sagte Klien.

Er habe sich mit diesen Bedenken auch an die Außerstreitabteilung des BG Dornbirn gewandt. Dort traf er ausgerechnet auf Kurt T., den Leiter der Abteilung. Der habe ihm mitgeteilt, dass mit dem Testament alles in Ordnung sei.

Schenkung genehmigt

Er würde heute anders handeln, räumte Klien gestern ein. Die Schenkung auf den Todesfall wurde schließlich auch vom damaligen Pflegschaftsrichter Egon Schmid genehmigt. Die Version der Anklage in Bezug auf Kornelia Ratz‘ Engagenemt für diese Konstruktion: Die Isele-Fälschung bleibt unentdeckt, dafür geht später das gesamte Mutschler-Erbe an ihre Mutter und an ihre Tante.

Ich würde heute in einer solchen Sache anders handeln.

Dieter Klien