„Billy Billig“ war Ehepaar immer noch viel zu teuer

Vorarlberg / 31.07.2014 • 22:02 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Missverständnis oder Diebstahl? 42-Jährige soll Koffer und Taschen an Kasse vorbeigeschleust haben.

Bregenz. (VN-gs) „Ich dachte, meine Frau hätte bezahlt. Und meine Frau dachte, ich hätte bezahlt.“ So lautete die Argumentation des 46-jährigen Serben, mit der er den Vorwurf des versuchten Diebstahls zu entkräften suchte. Denn so lautete die Anklage am Bezirksgericht Bregenz. Beschuldigte: Der Serbe und seine 42-jährige rumänische Ehefrau. In trauter Zweisamkeit hatten sie einst einen „Billy Billig“-Markt im Vorarlberger Unterland aufgesucht.

Der Gatte bezahlte an der Kasse ein T-Shirt und Süßigkeiten im Wert von zwölf Euro. Unterdessen soll sich seine Frau vorbeigeschlichen haben. Mit Koffern und Taschen in der Hand. Gesamtwert: Etwas mehr als 200 Euro. Die Kassiererin beobachtete das, alarmierte den Chef. Und dann, draußen auf dem Parkplatz, kam es zum Eklat.

„Bloß keine Polizei!“

„Der Chef war so aggressiv“, erinnerte sich der Beschuldigte. Obwohl er ihn über das „Missverständnis“ aufklären wollte, habe er die Polizei angerufen. „Ich sagte ihm hundert Mal, bloß keine Polizei! Ich würde das zahlen und dann fertig.“

Es nutzte nichts. Erst Anzeige, dann Verhandlung am Bezirksgericht. Auch die beschuldigte Ehefrau beteuerte vehement: „Ich dachte, dass mein Mann die Koffer und Taschen an der Kasse bezahlte, während ich schon mal hinausging. Ich habe nicht genau darauf geachtet. Es war so viel los in dem Laden und draußen auch.“ Die Frau hat übrigens bereits eine Vorstrafe wegen Diebstahls auf dem Kerbholz.

„Macht keinen Sinn“

Mit argwöhnischer Miene lauschte Richter Christian Röthlin diesen Aussagen. „Das hört sich alles doch sehr dubios an und macht nicht wirklich Sinn“, stellte er fest. Zudem hatte das Ehepaar den Parkplatz unverzüglich mit dem Auto verlassen, und das beinahe fluchtartig noch vor dem Eintreffen der Polizei. Das vermeintliche „Diebsgut“ – die Koffer und Taschen – ließen sie allerdings notgedrungen zurück.

Um zu einem endgültigen Urteil zu kommen und mehr Licht in die Sache zu bringen, beantragte Bezirksanwalt Stefan Willi die Ladung von mehreren Zeugen, unter anderem die Kassiererin. Diesem Antrag stimmte der Richter zu. Die Verhandlung wurde deshalb auf unbestimmte Zeit vertagt.