„Die Kater danach sind immer so schrecklich“

Vorarlberg / 01.08.2014 • 22:25 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Anwältin Olivia Lerch: „Angeklagte ist ein Sonderfall.“  Foto: VN/HB
Anwältin Olivia Lerch: „Angeklagte ist ein Sonderfall.“ Foto: VN/HB

Gefängnisstrafe für 42-Jährige, die im Vollrausch zuschlägt. Besonders bei Polizeibeamten.

Feldkirch. (VN-gs) Nett und adrett. So möchte man die Erscheinung der Dame aus dem Vereinigten Königreich auf den ersten Blick beurteilen. Doch ihre Vorgeschichte sieht anders aus. Fünf Vorstrafen, jedesmal wegen Körperverletzung, belasten die 42-jährige Frau. Einmal mehr stand sie deshalb gestern vor Gericht.

„Vergehen des Widerstands gegen die Staatsgewalt“ hieß die Anklage. Ein Delikt, das die Beschuldigte seit Jahren wie ein Schatten verfolgt. Immer wieder waren es Polizeibeamte, die ihr aggressives Potenzial zu spüren bekamen. Und immer wieder war es der Alkohol, der dieses Potenzial ausufern ließ. Der Aufenthalt in einer Anstalt für entwöhnungsbedürftige Rechtsbrecher kam der Frau nicht zugute. Sie wurde wieder rückfällig.

Im jüngsten Fall wehrte sie sich mit zwei Faustschlägen gegen die Festnahme. Und das auch noch garniert mit gefährlichen Drohungen gegen die Beamten. Sechs Monate bedingte, also noch offene Freiheitsstrafe hingen schon damals wie ein Damoklesschwert über ihrem Haupt. Aber es war der Alkohol, der sie dieses Bewusstsein verlieren ließ. „Wieviel haben Sie damals getrunken?“, lautete die Frage von Richter Richard Gschwenter. „Viel . . .“, kam als Antwort. Ihr Alkoholspiegel wies zur Tatzeit zwischen 2,8 und 3 Promille auf. Wodka und Whisky. „Es ist für mich wie ein Betäubungsmittel, wenn ich mich nicht gut fühle“, sagte die dreifache Mutter. Sie wünscht, damit aufhören zu können. „Am liebsten würde ich nicht mehr trinken. Die Kater danach sind immer so schrecklich.“

Schreckliche Folgen drohen der Frau allerdings auch seitens der Justiz. Darauf machte sie der Richter vehement aufmerksam. Verteidigerin Olivia Lerch bat um eine letzte Chance. „Das einzig Sinnvolle in diesem Sonderfall ist eine Entwöhnungstherapie“, meinte die Anwältin bezüglich ihrer Klientin, die unter anderem unter medizinisch verbrieften posttraumatischen Belastungsstörungen leidet.

Richter Gschwenter engte den verfügbaren Strafrahmen erschöpfend ein, doch: „Der Krug geht zum Brunnen, bis er bricht. Einmal ist der Ofen aus.“ Trotz allem sozialen Verständnis kam er um eine Freiheitsstrafe nicht umhin. Vierzehn Monate Gefängnis. Davon immerhin elf noch bedingt, wieder auf Bewährung. Dafür muss sich die Verurteilte einer Entwöhnungstherapie unterziehen. Sie erbat Bedenkzeit.

Der Krug geht zum Brunnen, bis er bricht. Einmal ist der Ofen aus.

Richard Gschwenter