„Mein absolutes Wunschressort als Landesrat wäre der Wohnbaubereich“

Vorarlberg / 01.08.2014 • 18:09 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Hat sein ganz persönliches Lebensmotto gleich auf seiner Terrasse „verewigt“: Vorarlbergs SP-Landeschef Michael Ritsch. Fotos: MK
Hat sein ganz persönliches Lebensmotto gleich auf seiner Terrasse „verewigt“: Vorarlbergs SP-Landeschef Michael Ritsch. Fotos: MK

Stärker vertreten im Landtag: Das will die SP mit Michael Ritsch nach der Wahl sein.

Bregenz. Dabei will Ritsch als Landespartei- und Klubchef „realistisch bleiben“ und legt sich eine vergleichsweise niedrige Latte: sein erklärtes Wunschziel ist nämlich der Zugewinn eines vierten Mandates im Landtag. Damit müssten bei der Wahl am 21. September 14 Prozent der Vorarlberger bei den Sozialdemokraten ihr Kreuzchen machen. Gleichzeitig macht der frisch vermählte Bregenzer kein Geheimnis daraus, dass er mit einer Regierungsbeteiligung im Landhaus liebäugelt.

Historischer Tiefstand 2009

Dass Ritsch seinen Blick nach vorne richtet und nur ungern an die Wahl 2009 erinnert werden will, ist verständlich. Damals wurden die Roten hierzulande von lediglich knapp zehn Prozent der Vorarlberger gewählt. Ritsch verlor damals drei von sechs Mandaten und fuhr damit das historisch schlechteste Ergebnis ein.

Herr Ritsch, warum sollen diesmal mehr Vorarlberger die Sozialdemokraten wählen?

Ritsch: Ich bin der Überzeugung, dass wir die einzige Partei sind, die in den wesentlichen Themen, nämlich leistbares Wohnen, kostenfreie Kinderbetreuung und bei der Entlastung des Faktors Arbeit, eine klare Position vertreten. Deshalb wäre es gut, wenn die Sozialdemokratie in diesem Land stärker werden würde. Im Übrigen haben wir beim Thema Kinderbetreuung überraschenderweise ein Alleinstellungsmerkmal. Einfach war es für uns Sozialdemokraten in diesem Land allerdings noch nie.

Ihre Partei hat sich ganz groß den Begriff gerechteres Ländle auf die Fahnen geheftet. Was läuft in Vorarlberg schief?

Ritsch: Dabei handelt es sich um einen Überbegriff. In diesem Land sind bis zu 60.000 Menschen von Armut betroffen. Ich erlebe persönlich, dass viele Bürger, denen es in den letzten zehn Jahren gut gegangen ist, mit ihrem Einkommen finanziell nicht mehr über die Runden kommen. Vor allem im Bereich der Wohnungsmieten sind die Kosten explodiert. Darüber hinaus haben wir in Vorarlberg die höchsten Lebenshaltungskosten.

Warum sind Sie so sehr davon überzeugt, dass die absolute Mehrheit der Volkspartei im Herbst Geschichte ist?

Ritsch: Ich bin gar nicht so überzeugt davon, dass sie Geschichte wird. Ich teile die Meinung jener, die behaupten, dass es die Volkspartei immer noch geschafft hat, in den letzten Wochen vor der Wahl mit Euromillionen und ihren 92 von 96 Bürgermeistern ihre Funktionäre und ihr Klientel zu mobilisieren. Wobei ich den historischen Tag gerne erleben würde, dass die Schwarzen erstmals in der Geschichte die Absolute verlieren.

Auch wenn dies gemäß Umfragen als eher unrealistisch gilt: wären Sie zum Mitregieren bereit und hätte ein Landesrat Ritsch ein Wunschressort?

Ritsch: Mein Wunschressort wäre Wohnbau kombiniert mit Sozialem. Ich würde aber auch nur den Wohnbau nehmen. Dort herrscht in diesem Land ganz viel Nachholbedarf. Ich trete bekanntlich dafür ein, dass 25 Prozent aller Neubauwohnungen gemeinnützig sein sollten. Dies vor allem deshalb, weil viel Steuergeld über Förderungen in den Wohnbau fließt.

Kennen Sie Neos-Gründer Matthias Strolz persönlich und was halten Sie persönlich von der neuen politischen Kraft?

Ritsch: Ja, ich kenne Strolz, er hat mich im Büro besucht und mit mir ein kurzes Gespräch geführt. Dabei hat es mich überrascht, dass er noch kleiner gewachsen ist als ich. Im Gegenzug waren wir zum ,Kennenlern-Frühstück‘ zu den Neos geladen. Man muss aber schon eines sagen: Es ist zwar nett, eine pinke Farbe zu tragen und einem Zeitgeist Rechnung zu tragen. Hinter der Politik der Neos steht aber eine eiskalte neoliberale Politik. Sie wollen beispielsweise das Arbeitszeitgesetz abschaffen, die Gewerkschaft schwächen und die Arbeiterkammer aushöhlen oder das Wasser privatisieren. Eine solche Geisteshaltung teile ich nicht. Der Wähler sollte mehr auf die Inhalte der Parteien achten und nicht nur wegen einer pinken Farbe oder blauen Augen seine Entscheidung am Stimmzettel treffen.

Würden Sie persönlich Konsequenzen ziehen, sollte die Vorarlberger SP die Klubstärke im Landtag verlieren?

Ritsch: An einen solchen Fall denke ich gar nicht. Ich bin im Hinblick auf die Landtagswahl bestens motiviert und ein extrem guter Wahlkämpfer.

Stellen Sie beim Thema Steuerentlastung immer noch die Große Koalition in Frage?

Ritsch: Ja. Ich habe Kanzler Werner Faymann während der Festspiele eines deutlich gemacht: Wenn es ihm wichtig ist, dass die SP in Österreich weiterhin Handschlagqualität besitzt, dann muss er gegenüber der VP und Vizekanzler Michael Spindelegger die Zähne zeigen. 2015 muss eine Entlastung kommen. Das Problem ist Spindeleggers VP. Und gerade diese wird von LH Markus Wallner oft unterstützt, das muss man den Menschen auch sagen.

Im VN-Gespräch: „Inhalt, statt Pink oder blaue Augen wählen.“
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Hat sein ganz persönliches Lebensmotto gleich auf seiner Terrasse verewigt: Vorarlbergs SP-Landeschef Michael Ritsch. Fotos: MK
Hat sein ganz persönliches Lebensmotto gleich auf seiner Terrasse verewigt: Vorarlbergs SP-Landeschef Michael Ritsch. Fotos: MK

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