Starke Sehnsucht nach einer neuen „Bibel“

Vorarlberg / 05.08.2014 • 20:32 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Albert Hofer und die 13 Adressbücher, die seit 1921 in Lustenau aufgelegt wurden.   Foto: VN/Stiplovsek
Albert Hofer und die 13 Adressbücher, die seit 1921 in Lustenau aufgelegt wurden.  Foto: VN/Stiplovsek

Eine Lustenauer Institution könnte wiederauferstehen: das Adressbuch.

Lustenau. (VN-hk) Es war kurz nach der Herausgabe des letzten Lustenauer Adressbuches 2002. Eine Lustenauer Bürgerin besiegte die fast 100-jährige Tradition. Und hatte dabei das Recht auf ihrer Seite: Die Freigabe persönlicher Daten für den Inhalt des Adressbuches durfte der Herausgeber nicht mehr einfach von der Gemeinde besorgen. Auch ließ es das Gesetz nicht zu, dass diejenigen, die im Buch nicht erwähnt werden wollten, von sich aus den Autoren das mitteilen sollten. Es ist das Einverständnis jedes Einzelnen für die Veröffentlichung seines Namens und seiner Adresse einzuholen, formulierte es der Gesetzgeber unmissverständlich. Dies bedeutete das Ende des Adressbuches nach 13 Auflagen. Oder doch nicht?

Sammler melden sich

Albert Hofer (57), Herausgeber der letzten fünf „Lustenauer Bibeln“, wie das Adressbuch liebevoll genannt wird, hatte aufgegeben. „Wie willst du das machen? Das Einverständnis von allen 22.000 Lustenauern einholen? Unmöglich.“ Die Wende zur Hoffnung auf eine Neuauflage kam nach etlichen Begegnungen mit Lustenauer Bürgern. „Da war zuerst jene mit Rudi König, der das Fotobuch über Lustenauer Originale herausbrachte. Der hat mich forsch aufgefordert, einen neuen Versuch zu starten. Er würde selber in mehreren Straßen Unterschriften sammeln gehen“, erinnert sich Hofer schmunzelnd. Und als er diese Anekdote dann in anderen geselligen Runden erzählte, sei ihm eine Welle der Solidarität mit dem Unterschriftensammler entgegengeschlagen. „Und alle bekundeten mir ihre Bereitschaft, selber ganze Straßenzüge für das lückenlose Einholen von Unterschriften zu übernehmen. Ich war wirklich überwältigt“, berichtet der Landtagsabgeordnete.

„Ich mach mit“

„Das Adressbuch ist wie eine Bibel, es gehört in jeden Haushalt“, ist auch Kultur-Gemeinderat Daniel Steinhofer (36) überzeugt. Und legt nach: „Ich gehe auch sammeln, sollte das Projekt ins Leben gerufen werden.“ 90 Prozent Zustimmung der mündigen Bürger zum Projekt würde es brauchen, sind Hofer und Steinhofer überzeugt. „Ich mache auch mit“, sagt Sandra Hämmerle (40). „Weil es dieses für Lustenau einzigartige Buch einfach wert ist. Woher kommst du? Wem gehörst du? Das sind doch die Fragen, die sich Lustenauer seit Jahrzehnten stellen. Das Adressbuch liefert die Antworten.“ Auch Tanja Hofer (38) macht aus ihrer Begeisterung für das Lustenauer Buch aller Bücher keinen Hehl. „Ich will, dass es das Adressbuch wieder gibt. Es gehört zur fixen Einrichtung eines jeden Haushalts.“

180 Straßen

Bestätigen kann das allemal Lustenaus Bürgermeister Kurt Fischer (51). „Man kann sich ja gar nicht vorstellen, wie wichtig das Adressbuch vor allem bei älteren Lustenauern ist. Wenn ich sie anlässlich von hohen Geburtstagen besuche, liegt es überall griffbereit. Und so oft wird es auch tatsächlich gebraucht. Sollte es eine Initiative geben, welche für eine Neuauflage die Daten auf legale Art und Weise besorgt, würde ich diese nur begrüßen.“

Sollte das Projekt tatsächlich in Angriff genommen werden, wartet auf die Unterschriftensammler eine Mammut-Aufgabe. Sie müssten 180 Straßen durchkämmen, um an die Unterschriften zu kommen. Im Oktober möchte Albert Hofer das Adressbuch neu im Rahmen einer Bürgerbeteiligungsprojekts den Lustenauern schmackhaft machen.