Herr über süße Früchtchen

Vorarlberg / 06.08.2014 • 19:03 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ferialpraktikant Benny in action. Fotos: VN/Paulitsch
Ferialpraktikant Benny in action. Fotos: VN/Paulitsch

Robert Sonnweber ist zuständig für tonnenweise Ländle-Heidelbeeren.

Lauterach. (VN-sas) Mit einem hohen Gehalt an Vitamin A, C, E, Kalium und Magnesium sind Heidelbeeren wahrlich ein „blaues Wunder“. Mit eben diesem beschäftigt sich Robert Sonnweber seit 2013 intensiv: Seitdem ist der 47-Jährige nämlich in einem knapp zwei Hektar großen Feld im Lauteracher Ried „der Pfleger vom Dienst“, wie er sich selbst bezeichnet. Bis die süßen Früchtchen den Abnehmern übergeben werden, ist er für sämtliche Abläufe verantwortlich.

Zu dem Arrangement ist der Pädagoge, der hauptberuflich an der Berufsschule Bregenz kaufmännische Fächer unterrichtet, per Zufall gekommen: „Ursprünglich wollte ich mit meinem guten Freund Dietmar Sohm, dessen Mutter Herlinde Inhaberin des Unternehmens Rheintal Beeren ist, Wassermelonen anpflanzen“, erzählt er. „Da die Idee jedoch nicht aufging und sich zur selben Zeit der langjährige Mitarbeiter der Rheintal Beeren in die Pension verabschiedete, kam der Vorschlag, dass ich mich um die Heidelbeeren kümmern soll“, fasst der Bregenzer seine „Beeren-Anfänge“ kurz zusammen. Gefragt, getan. „Die Arbeit im Ried ist ein schöner Ausgleich zur Tätigkeit in der Schule. Ich genieße die Ruhe hier draußen um sechs Uhr morgens, bevor meine erste Unterrichtsstunde anfängt, in vollen Zügen“, so der Pädagoge, und er erzählt von Begegnungen mit Rehen, Feldhasen und Störchen. Jetzt, in den Sommerferien, kann sich der 47-Jährige ganz seiner beerigen Leidenschaft widmen.

Routiniert führt er uns durch die Felder mit österreichischen und niederländischen Beeren, reißt während des Gesprächs immer wieder Unkraut aus und prüft gemeinsam mit Freundin Beate und dem Ferialpraktikanten Benny die Netzvorrichtung. Doch so souverän war der Pädagoge freilich nicht von Beginn an. „Ich musste alles von der Pike auf lernen. Habe mich eingelesen, mir weiteres Wissen über die Landwirtschaftskammer angeeignet und mir vom Beerenbeauftragten des Schweizer Kantons Thurgau unter anderem zeigen lassen, wie man richtig schneidet.“

Kranke Sträucher wurden mit Phosphor behandelt, ein Bewässerungssystem wurde installiert, sämtliches Unkraut mit Hilfe der gesamten Familie beseitigt. „Ab kommendem Jahr werden wir komplett auf Bio umstellen“, sagt er. „Die Pflanzen brauchen ja eigentlich nichts außer regelmäßig Regen und vor allem viel Sonnenschein“, weiß der 47-Jährige. Vier Bienenvölker bestäuben seit Kurzem zudem die Beeren – „dadurch werden sie größer“ –, im kommenden Jahr sollen es 20 Bienenvölker sein.

15 Tonnen Beeren

Wenngleich die Erntesaison kurz ist – geerntet wird von Anfang Juli bis Mitte August – „werden wir heuer 15 Tonnen zusammenbekommen“, schätzt Sonnweber. Für das Pflücken sind 20 Mitarbeiter verantwortlich, die so gut wie jeden Tag von 7 bis 18 Uhr im Einsatz sind. Alle drei Stunden werden die Früchte abtransportiert und in ein Kühllager nach Dornbirn gebracht. Von dort aus machen sie sich auf die Reise in Vorarlbergs und Österreichs Supermärkte. Hauptabnehmer ist der Rewe-Konzern. Sonnweber genießt die Beeren am liebsten direkt vom Strauch weg – und daheim erhitzt in einem Schuss Cointreau oder mit Naturjogurt.

Reportage im Heidelbeerfeld im Lauteracher Riad mit Robert Sonnweber
Reportage im Heidelbeerfeld im Lauteracher Riad mit Robert Sonnweber
Wahre Vitaminbomben und kalorienarm: Heidelbeeren.
Wahre Vitaminbomben und kalorienarm: Heidelbeeren.
Auch Sonnwebers Freundin Beate ist regelmäßig im Einsatz.
Auch Sonnwebers Freundin Beate ist regelmäßig im Einsatz.
Robert Sonnweber sieht seine Arbeit im Lauteracher Ried als schönen Ausgleich zum Schulalltag.
Robert Sonnweber sieht seine Arbeit im Lauteracher Ried als schönen Ausgleich zum Schulalltag.

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