Verwirrspiel um Sperrgebiet

Vorarlberg / 06.08.2014 • 21:54 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Verwirrspiel um Sperrgebiet

Madrisa ist „noch frei“, dennoch wurden Kletterer angehalten und zurückgeschickt.

Gargellen. (VN-mm) Bergfreunde können aufatmen: Die Madrisa in Gargellen ist entgegen anderslautenden Aussagen kein behördlich verordnetes Schutzgebiet und eine Besteigung des 2770 Meter hohen Gipfels daher auch weiterhin vom Schafberg aus möglich. Am Samstag waren zwei Berggeher von einem Naturwächter sowie einem Jagdschutzorgan angehalten und zurückgeschickt worden. Begründung: Das Gebiet sei jetzt den dort vorkommenden seltenen Tier- und Pflanzenarten vorbehalten. Tatsächlich handelte es sich dabei um eine Falschinformation, wie Herbert Erhart von der Umweltschutzabteilung des Landes und Hubert Malin, Betriebsleiter des Standes Montafon, auf VN-Anfrage bestätigten. Jagdliches Sperrgebiet sind nur die in der Nähe gelegenen Ritzenspitzen. Auch für das Vergaldental werden Ruhezonen vorbereitet.

Wenig begangen

Die Gargellener Madrisa bildet mit ihren drei Erhebungen eine imposante Erscheinung. Im Winter ist sie bei Skitourengehern beliebt. Im Sommer wird der Berg aufgrund des eher unwirtlichen Zustiegs über eine steile Schotterhalde jedoch wenig begangen. Aber auch jene, die das Abenteuer wagen, können sich auf Wegefreiheit berufen. „Für die Madrisa gibt es keinerlei Einschränkungen“, stellt Herbert Erhart klar. Solche seien auch nie zur Debatte gestanden. Für Hubert Malin hat der kuriose Fall insofern eine bedauerliche Komponente, weil er Jäger und Naturwächter, die seriös arbeiten würden, in ein schlechtes Licht rücke.

Er betont außerdem, dass die Einrichtung von Ruhe- oder Schutzzonen sowohl mit Behörden wie auch Vertretern des Alpenvereins abgeklärt werde. „Nach einem Beschluss erhalten die alpinen Organisationen die erforderlichen Auskünfte“, sagt Malin. Weiters informieren Hinweisschilder bei den Seilbahnstationen oder direkt vor Ort über solche Verordnungen. Das ist laut Herbert Erhart zum Beispiel im Bereich der Ritzenspitzen geschehen.

Langjährige Diskussion

Im Gegensatz zur Madrisa hält Hubert Malin die im Vergaldental geplanten Schutzzonen für durchaus sinnvoll, zumal sich das Rotwild dort in sehr steilem und damit höchst absturzträchtigem Gelände bewegen muss. Die Störung unter anderem durch Paragleiter kostet zahlreiche Tieren alljährlich das Leben. Die Schutzzonen sollen, so es zu einer Realisierung kommt, dann aber nicht nur für Wanderer, sondern auch für die Jagd gelten.

Die Diskussion um die Festlegung von Ruhepolen im Vergaldental läuft bereits seit mehr als zehn Jahren. Beschlüsse gibt es laut dem Bürgermeister von St. Gallenkirch, Ewald Tschanhenz, aber noch keine. Schwierigkeiten bereitet in diesem Zusammenhang offenbar vor allem die Vereinbarkeit von Schutz- und Skitourengebiet. Denn das Vergaldental ist bekannt für seine attraktiven Skiberge. Entsprechend stark wird es von Skitourengehern frequentiert. Wie Herbert Erhart von der Umweltschutzabteilung dazu erklärt, laufen die Bemühungen darauf hinaus, Skitourengeher auf die markierten Wege zu leiten.