Jedes fünfte Ferkel im Land leidet Höllenqualen

Vorarlberg / 07.08.2014 • 19:37 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
VN-Recherchen zeigen: Mehr als 1000 Ferkel wurden im Vorjahr in Vorarlberg ohne Betäubung von Landwirten kastriert. Foto: vn/Hartinger
VN-Recherchen zeigen: Mehr als 1000 Ferkel wurden im Vorjahr in Vorarlberg ohne Betäubung von Landwirten kastriert. Foto: vn/Hartinger

Trotz Landesförderung: Gut 1000 Ferkel wurden im Vorjahr ohne Betäubung kastriert.

Schwarzach. „Dieser Eingriff tut den Tieren höllisch weh“, sagt Vorarlbergs Tierschutzombudsmann Pius Fink. „Erst wird die Haut am Hodensack geöffnet, der Hoden mit dem Samenstrang vorgelagert und dann abgequetscht“, beschreibt der Tierarzt die Tortur. Und weil das Gesetz den Eingriff bei Ferkeln bis zu einem Alter von sieben Tagen ohne Betäubung erlaubt, findet er in Österreich auch millionenfach statt.

„Nach den Operationsqualen leiden die Tiere an postoperativen Schmerzen“, verdeutlicht Fink, der im Vorjahr einen Antrag im Tierschutzrat eingebracht hat. Das Ziel: ein Verbot von Ferkelkastrationen ohne Betäubung. Das Anliegen wird jetzt in einer Arbeitsgruppe behandelt. Bis im Gesundheitsministerium entschieden wird, geht das Tierleid weiter.

Notwendig ist die Kastration, weil ein Teil der Eber durch Sexualhormone zu Stinkern wird. Und das lässt den Sonntagsbraten eben nicht besser schmecken.

Gute Betäubungsquote

In Vorarlberg hat die Politik längst reagiert. Die Betäubungskosten werden Schweinezüchtern ersetzt. Für knapp 5000 Eingriffe wurden im Vorjahr Förderungen ausbezahlt. „Wir wollen damit möglichst viele Eingriffe mit Betäubung bei männlichen Ferkeln erreichen“, sagt der zuständige Landesrat Erich Schwärzler. Bei vielen Landwirten ist Schwärzler mit seiner Initiative auf offene Ohren gestoßen. Aber längst nicht bei allen, wie von den VN recherchierte Zahlen zeigen. Demnach wurde 2013 fast jedes fünfte männliche Ferkel im Land ohne Schmerz­ausschaltung kastriert. „Erst wenn wir 100 Prozent erreicht haben, lehne ich mich beruhigt zurück“, so Tierschutzombudsmann Fink. Der Landesregierung stellt der Tierarzt ein gutes Zeugnis aus. Die anreizorientierte Förderung des Tierwohles sei beispielhaft in Österreich. Die Betäubungsquote von mittlerweile 83 Prozent ein einmaliger Wert.

Die gute Nachricht also: 83 Prozent der Ländle-Ferkel müssen bei der Kastration keine unnötigen Qualen erleiden. Die schlechte: Weniger als zehn Prozent des Schweinefleisch-Konsums in Vorarlberg wird durch heimische Tiere abgedeckt. Auf den Tisch kommt vorwiegend Schweinefleisch aus anderen Bundesländern. Und da wird auf Betäubung größtenteils verzichtet. Dafür werden zu 80 bis 90 Prozent Schmerzmittel verabreicht, wie Branchen-Vertreter sagen. Besser als nichts? Nein, das sei zu wenig, sagt Pius Fink. Da würde nur der Schmerz nach der Operation bekämpft. Gegen die Höllenqualen während der OP richten die Mittel nichts aus.

Konsument entscheidet

Vorarlberg kann sich das Tierwohl leisten. Auch weil nur wenige Schweine gezüchtet werden. 20.533 Euro hat das Land die Betäubungsunterstützung gekostet, lässt Landesrat Schwärzler auf VN-Anfrage wissen. Gut investiertes Geld, das unnötiges Tierleid verhindert hat.

Am Ende entscheide aber der Konsument mit seiner Kaufentscheidung über das Tierwohl, so Ombudsmann Fink. Indem er sich für Ländle-Schweine entscheidet. Im Land bereitet man sich jedenfalls darauf vor und will den Selbstversorgungsgrad bis 2020 deutlich erhöhen, erklärt Landesrat Schwärzler zu den VN.

Wir wollen den Selbstversorgungsgrad deutlich erhöhen.

Erich Schwärzler
Tierschutzombudsmann Pius Fink.
Tierschutzombudsmann Pius Fink.