Flachwurzler und Käsknöpfle

Vorarlberg / 08.08.2014 • 21:05 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Modisch im Landtag und im Wahlkampf mit ähnlichen Events am Sammeln von Wählerstimmen: LH Wallner (l.) und Klubchef Egger.  Foto: MK
Modisch im Landtag und im Wahlkampf mit ähnlichen Events am Sammeln von Wählerstimmen: LH Wallner (l.) und Klubchef Egger. Foto: MK

Häme. Mit besonderer Häme scheint FP-Bundesparteichef Hans-Christian Strache (45) ins Ländle zu blicken. Über Facebook gratuliert Strache VP-Bundesparteichef Michael Spindelegger (54) „zum Einreiseverbot“ im Westen. Strache meint damit den von Vorarlbergs VP gestarteten Wahlkampf in Andelsbuch, zu dem „Spindelegger & Co.“ nicht geladen waren.

 

Gegenwind. „Wir sind eine Partei aus der gesellschaftlichen Mitte. Und keine Flachwurzler, die beim ersten Gegenwind umfallen.“ Das sagte VP-Parteichef Markus Wallner (47) beim Auftakt des Landtagswahlkampfes in Andelsbuch. Der klassische „Flachwurzler“ in der Forstwirtschaft ist die Fichte, die von starken Winden gerne umgeblasen wird. Im Februar 2003, als der Haussegen in der schwarz-blauen Regierungskoalition schief hing, sagte Jörg Haider über den aus der FP ausgetretenen Finanzminister Karlheinz Grasser (45), dieser sei ein „moralischer Flachwurzler“, der mit seiner neoliberalen Politik die FP bekämpfe. Grasser, derzeit in eine Steueraffäre verstrickt, trat nicht der VP bei, wofür die Gesinnungsgemeinschaft ihm wohl heute noch dankbar sein dürfte. Der Lustenauer VP-Abgeordnete Albert Hofer (57) hatte vor elf Jahren Grasser als Zugpferd gewinnen wollen.

 

Slogans. Wahlgänge erfordern eine „generalstabsmäßig“ organisierte Strategie und einen „Fahrplan“. Auch im Ländle haben die Parteien aller Coleurs längst Strategien erarbeitet, um die wahlberechtigten Bürger von ihren jeweiligen Zielen überzeugen zu können. VP-Chef und LH Markus Wallner (47) und FP-Klubchef Dieter Egger (45) als Mitbewerber, befahren dabei ähnliche Schienen: während Egger bei Festabenden in den Talschaften bei Gratis-Käsknöpfle das Gespräch mit Bürgern sucht und dabei den Begriff „Heimat“ strapaziert, kurvt Wallner im Rahmen seiner „Vor allem Vorarlberg“-Tour durchs Land.

 

Abrechnung. Der einst von den Neos groß gefeierte und wieder vor die Tür gesetzte Landessprecher Chris Alge (50) kann sich Seitenhiebe auf die Pinken nicht verkneifen. In einem Newsletter teilt der Outdoor-Anbieter mit: „Ich habe mich 180 Tage in der Politik engagiert. Was ich da erlebt habe, sprengt jeglichen Rahmen. War cool zu sehen, wie das funktioniert. Und ein Irrsinn, wie manche Typen ticken – und das in einer neuen Partei.“

Modisch in Landtag und im Wahlkampf mit ähnlichen Events am Sammeln von Wählerstimmen: LH Wallner (l.) und Klubchef Egger.  Foto: MK
Modisch in Landtag und im Wahlkampf mit ähnlichen Events am Sammeln von Wählerstimmen: LH Wallner (l.) und Klubchef Egger. Foto: MK

Zitate der Woche

Hinter den Neos steht eine eiskalte neoliberale Politik. Eine solche Geisteshaltung teile ich nicht.

Michael Ritsch, Parteichef, SP, im VN-Sommergespräch

 

Natürlich habe ich mich entwickelt seit 2005. Ich bin auch abgeklärter, gescheiter geworden.

Hans-Christian Strache, Parteichef, FP, Selbsteinschätzung

Es ist ein cooles Gefühl, wenn man da oben in der Lok sitzt und Gas gibt.

Johanna Brunnhofer, Lehre als Lokführerin, im VN-Gespräch

Wir wollen nach den Wahlen im Landtag vertreten sein und mehr Wählerstimmen als die Neos bekommen.

Erwin Dünser, Spitzenmann der Christlichen Partei im Ländle

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