Flucht der “Fressmaschinen”

Vorarlberg / 08.08.2014 • 21:53 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
 An Vereinsamung leiden die Kormorane am See nicht. Sie haben dort viele „Kollegen“. Foto: Grabher  
 An Vereinsamung leiden die Kormorane am See nicht. Sie haben dort viele „Kollegen“. Foto: Grabher  

Um die Kormorane ist es still geworden. Doch diese ist Stille immer noch gefräßig .

Fußach. (VN-hk) Allerdings: Es gibt deutlich weniger, als es noch vor sechs Jahren gab. Bis zu 1000 Vögel sollen sich damals alleine in der Fußacher Bucht, dem Paradies für Kormorane, im Sommer aufgehalten haben, in über 100 Nestern wurde gebrütet. Nach Angaben lokaler Fischer fraßen die Vögel damals eine Tonne Fisch am Tag. Nach einem Aufschrei der professionellen Petri-Jünger wurde Ende 2008 von der BH Bregenz eine Verordnung erlassen, die auch Abschussmaßnahmen nach genau festgesetzten Regeln vorsah.

Die Maßnahmen

Die Situation hat sich zwischenzeitlich gebessert, der offene Streit zwischen Vogelschützern und Fischern konnte auf eine gesittete, den polarisierenden Grundhaltungen geschuldete Gegnerschaft reduziert werden. Mittendrin steht wie damals Walter Niederer (43), Geschäftsführer des Naturschutzvereins Rheindelta und Leiter der immer noch existierenden Arbeitsgruppe Kormoran. Ihm obliegt die Aufgabe, die von der Bezirkshauptmannschaft verordneten Maßnahmen zu überwachen und dafür zu sorgen, dass sie möglichst schonend durchgeführt werden. Jahr für Jahr werden diese Verordnungen gegen eine überproportionale Verbreitung des Kormorans neu adaptiert. Es hat gewirkt. „Wir zählen derzeit zwischen 30 und 60 Brutpaare und insgesamt 200 bis 250 Vögel in der Fußacher Bucht“, wird Niederer konkret.

400 vertrieben

Dass man in der Fußacher Bucht im Frühjahr immer wieder Kormorane abschießt, gefällt dem Ornithologen Alwin Schönenberger (62) gar nicht. „Als Vogelschutz-Vertreter in der Arbeitsgruppe Kormoran kann ich das natürlich nicht gutheißen. Aber es ist nun mal ein Kompromiss, dem wir uns halt beugen“, kommentiert der Vogelliebhaber die Verordnung. Dass die Zahl der Kormorane in der Fußacher Bucht reduziert werden konnte, akzeptiert Schönenberger als Tatsache. „Durch die Vergrämungsmaßnahmen bei uns ist das Problem jedoch nicht verschwunden. Wir haben es exportiert. Circa 400 vertriebene Kormorane sind jetzt ans deutsche Seeufer geflüchtet“, berichtet der Ornithologe.
Bei Weitem nicht weit genug gehen die Maßnahmen den Fischern. „Wir haben den Fuß in der Tür. Mehr nicht. Es muss noch viel mehr gegen diese Fressmaschinen getan werden“, drückt sich Fischer Franz Blum senior aus Fußach aus. Franz Blum junior teilt die Meinung seines Vaters voll und ganz. In der Kormoran-Gruppe ist er der Sprecher der Fischer. „Die Vergrämungsmaßnahmen wurden leider nicht dem Rückgang der Fangquoten angepasst“, mahnt Blum eine Verschärfung der Verordnung ein – und verweist in diesem Zusammenhang auf die aktuellsten Zahlen des Fisch-Monitorings in der Fußacher Bucht.

Die Zahlen

Diese präsentiert Nikolaus Schotzko, Sprecher des Fachbereiches Fischerei und Gewässerökologie im Land. Demnach haben sich die Schäden vor dem Hintergrund des kleiner gewordenen Fischbestands dramatisch erhöht. „Wir mussten im Jahr 2013 in der Fußacher Bucht Verletzungen bei Fischen quer durch alle Fischarten von durchschnittlich 20 Prozent registrieren. Vor einigen Jahren waren es noch drei Prozent“, präzisiert der Fischerei-Sprecher.
Laut Schotzko beträgt der Fangertrag des Bodensees aktuell 500 Tonnen Fisch. „150 Tonnen davon frisst der Kormoran.“

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 150 Tonnen Fisch fressen laut Fischereistudie die Kormorane jährlich am Bodensee. Hollenstein  
 150 Tonnen Fisch fressen laut Fischereistudie die Kormorane jährlich am Bodensee. Hollenstein  

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