Kämpfe um Trinkwasser

Vorarlberg / 08.08.2014 • 20:43 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Konflikte um das wichtigste Lebensmittel Wasser nehmen weltweit zu. In Syrien spielte der Wassermangel beim Ausbruch des Bürgerkriegs eine Rolle. Laut WWF kam es allein seit 2000 im Streit um die Wassernutzung zu mehr als 50 gewaltsamen Auseinandersetzungen, in den Nahostländern ebenso wie im Sudan, Indien oder Bolivien. Für den Soziologen und Buchautor Harald Welzer ist die Problemlage klar: Klimabedingte Umweltveränderungen, darunter Wasserknappheit und Überflutungen, würden „in Zukunft noch viel häufiger zu erbitterten Gewaltkonflikten führen“. Kriege werden nicht mehr um Öl oder Gas geführt, sondern um das „weiße Gold“, bemerkt ein Weltbanker. Der mächtigste Lebensmittelkonzern Nestlé macht mit der Trinkwasserknappheit das große Geschäft. Erst kürzlich zeigte der TV-Sender Arte im Dokumentarfilm „Bottled Life“ erneut auf, wie ein solcher Konzern agiert, wenn man ihn lässt. Nestlé führt den globalen Markt für Flaschenwasser an und macht jetzt mehr als sieben Milliarden Euro Umsatz damit. 64 Getränkemarken gehören zu Nestlé Waters. Durch den Erwerb von Poland Spring, dem beliebtesten Mineralwasser der USA, kontrolliert Nestlé seit 1992 auch den amerikanischen Markt. Es gebe wenige Produkte, deren Gewinnspanne so enorm ist wie die von Mineralwasser. Was beinahe kostenlos aus der Erde kommt, erzielt später im Supermarkt einen höheren Verkaufspreis als Benzin an der Tankstelle. Flaschenwasser ist wohl der beste Marketingtrick der vergangenen 20 Jahre. Ein Lifestyle-Trend, dessen Grenzen sich längst von den Industriestaaten in Richtung Schwellen- und Entwicklungsländer ausgeweitet hat. Sauberes Trinkwasser in ausreichender Menge ist derzeit für über eine Milliarde Menschen auf dieser Erde unerreichbar. Sie sind damit zu Armut und häufigen Krankheiten verurteilt.

Wasser ist keine Ware. In Österreich wurde der Privatisierung der Wasserversorgung nach massivem zivilgesellschaftlichen Engagement ein gesetzlicher Riegel vorgeschoben. Die höchst umstrittenen Freihandelsabkommen zwischen den Machteliten der EU, den USA und Kanada könnten aber auch fürs Trinkwasser wieder ein Türchen öffnen.

Zu allen Gefahren kommen die Folgen des Klimawandels: Hohe Temperaturen lassen die Algen wuchern und ganze Gewässer kippen. Am Bodensee ist man aufmerksam: „Sowohl die Luft- als auch die Wassertemperaturen sind in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gestiegen“, so die Internationale Gewässerschutzkommission. Diese Entwicklung sei nicht ohne Folgen: Die stärkere Erwärmung des Wassers führe dazu, dass der interne Austausch nicht mehr so gut funktioniert wie früher. Damit könnte sich jedoch die heute noch hervorragende Versorgung der tieferen Schichten des Sees mit sauerstoffhaltigem Wasser verschlechtern.

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Marianne Mathis ist freie Journalistin .
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