Dem Sport immer treu geblieben

10.08.2014 • 16:14 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
VN-Bericht über Silvia Nussbaumer aus dem Jahr 1998.
VN-Bericht über Silvia Nussbaumer aus dem Jahr 1998.

Der Name Silvia Nussbaumer war und ist in Vorarlberg Inbegriff der Ultratriathlon-Szene.

Bregenz. (akp) 11,4 Kilometer Schwimmen, 540 Kilometer Radfahren und 126 Kilometer Laufen hintereinander – das ist die Distanz eines Dreifach-Ironman. Die Bregenzerin Silvia Nussbaumer bewältigte den Ultratriathlon vom 26. bis 28. Juni 1998 in 45:16,34 Stunden und belegte hinter der Siegerin Astrid Benöhr (Ger) den zweiten Rang. Die Führung hatte mehrmals gewechselt, am Ende musste Nussbaumer ihre Konkurrentin wegen Magenproblemen ziehen lassen.

„Man fragt sich während des Rennens schon, wozu man das macht. Ich musste richtig ‚beißen‘. Aber es gibt nichts Schöneres, als wenn man dann das Ziel erreicht“, blickt die gebürtige Großdorferin zurück. Die damals 40-Jährige gehörte in den Neunziger-Jahren zur Elite in der Ultratriathlon-Szene. Die Triathleten wurden in den Anfängen des Sports als „Verrückte“ bezeichnet, es dauerte aber nicht lange und sie wurden als Helden für ihre Leistungen gefeiert. „Ich war damals sehr gut in Form, aber für Ultra-Distanzen muss man es im Kopf haben“, beschreibt sie. Die Triathletin sicherte sich außerdem den Duathlon-Langdistanz-WM-Titel 1990 in Zofingen, wurde im selben Jahr Fünfte ihrer Altersklasse beim Ironman Hawaii in 11:15,44 Stunden und hielt von 1993 bis 2012 den Marathon-Landesrekord mit 2:52,10 Stunden. Nussbaumer kürte sich 1997 zur Vize-Weltmeisterin im Double-Ironman, ihre Bestzeit über die Ironman-Distanz verbuchte sie 1994 in 9:32,28 Stunden beim Ironman Europe in Roth (Ger).

Mama und Athletin

Angefangen hatte alles an einem Badetag in Neu-Amerika in Bregenz. „Mein Sohn war drei Monate alt und den ganzen Tag rannten Athleten vorbei. Ich habe mich erkundigt, was hier los ist und mir wurde gesagt – ein Triathlon. Ich wusste bis dahin nicht einmal, was das ist“, meint sie lachend. „An dem Tag habe ich beschlossen, da mache ich mit. Radfahren konnte ich, aber im Schwimmen und Laufen musste ich bei Null beginnen. Ich nahm mir einen Schwimmtrainer. Er hat gesagt, das lernst du nie. Ich habe mir zwei Jahre lang Zeit genommen, dann stand ich mit 28 Jahren erstmals am Wörthersee am Start eines Triathlons, mit viel Selbstvertrauen ganz vorne beim Schwimmen.“ Sie wurde von fast allen Teilnehmern überholt. „Ich hatte die totale Panik, die anderen überschwammen mich und nur zwei Rückenschwimmer waren am Ende hinter mir. Vor dem Radfahren musste ich Pause machen, denn mir war vom Seegang schwindlig.“ Nach dieser Erfahrung wollte sie es bleiben lassen, aber die Kollegen beim Triathlon-Club Bregenz planten schon die nächste Wettkampfteilnahme. Also lernte sie, im See zu schwimmen und gewann den nächsten Bewerb. „Wir trainierten ohne Plan, meistens viel zu schnell. Das würde ich heute sicher anders machen.“ Dennoch hatte sie das Glück, nie verletzt zu sein, sie war von robuster Natur. „Die langen Ausdauereinheiten verschob ich auf das Wochenende, ich hatte gewaltige Trainingsumfänge. Mindestens acht Stunden Radfahren waren jeweils angesagt. Mein Mann Pius hat auf unser Kind aufpasst und mich bei den Rennen betreut, anders wäre all das nie möglich gewesen“, sagt sie dankbar.

Unter der Woche lief die bei der Landespolizeidirektion Bregenz voll Berufstätige täglich mit ihrem kleinen Sohn in der Tragetasche am Rücken auf den Pfänder. „Das war das beste Krafttraining.“ Sie hatte einen unglaublichen Ehrgeiz und einen ungeheuerlichen Willen. „Ich konnte in meiner Sportkarriere viele Dinge, die ich mir in den Kopf gesetzt hatte, verwirklichen. Es war eine schöne Zeit, aber sie ist vorbei. Ich habe meine Karriere mit 42 Jahren beendet. Von heute auf morgen hatte ich keine Lust mehr, und es war gut so.“ Einen „Rückfall“ gab es 2003, als sie beim Dreiländer Marathon in Bregenz in 3:13,40 Stunden mit 45 Jahren den Sieg holte.

Leidenschaft Biken

Nach ihrer Sportkarriere absolvierte sie Ausbildungen zum Lehrwart, zum Nordic-Walking-Guide, zum Aqua-Fitness-Instructor und zur Aqua Therapeutin. Bis 2012 gab sie Aqua-Jogging-Kurse im Bregenzer Hallenbad. Sie betreibt fast täglich Sport, zudem ist sie Konditionstrainerin für die Masters der TS Lauterach. Kontakt zur Triathlon-Szene hat sie keinen mehr. Leidenschaftlich gerne absolviert sie mit ihrem Mann Biketouren. „Der Genuss steht im Vordergrund. Ich genieße die Natur, ein gutes Essen und ein Glas Wein. Meine Basis von früher ist immer noch sehr gut. Ich bin fit und dafür bin ich sehr dankbar. Ich habe ein wirklich schönes Leben“, meint sie abschließend.

Heute ist Mountainbiken ihre größte Leidenschaft.
Heute ist Mountainbiken ihre größte Leidenschaft.

Zur Person

Silvia Nussbaumer

Ex-Ultratriathletin und kaufmännische Angestellte bei der Landespolizeidirektion Bregenz

Geboren: 29. Mai 1958 in Egg-Großdorf

Familie: verheiratet mit Pius seit 1978, Sohn Benedikt (30)

Größte Erfolge: Duathlon: Langdistanz-Weltmeisterin Powerman Zofingen 1990; Triathlon: 5. Rang AK 30-35 Ironman Hawaii 1990 (11:15,44 Std.), Vize-Weltmeisterin Double-Ironman Litauen 1997, 2. Rang Triple-Ironman Grenoble 1998, 2-fache Staatsmeisterin Mitteldistanz, Persönliche Bestzeit über die Ironmandistanz beim Ironman Europe in Roth 1994 in 9:32:28 (6. Rang). Hielt bis 2012 die Marathon-Landesbestmarke in 2:52:10 Stunden, gelaufen 1993 in Kandel (Ger).