Mission All trifft Klärschlamm

Vorarlberg / 10.08.2014 • 19:49 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Jugendforscher Simon Moll (l.), Hanna Weiss und Dominik Dörler mit ihrem Lehrer Rudolf Sams und Merck-Österreich-Geschäftsführerin Elisabeth Prchla vor dem Merk’schen Kamille-Männchen.  Fotos: merck
Die Jugendforscher Simon Moll (l.), Hanna Weiss und Dominik Dörler mit ihrem Lehrer Rudolf Sams und Merck-Österreich-Geschäftsführerin Elisabeth Prchla vor dem Merk’schen Kamille-Männchen. Fotos: merck

Drei Schüler der HTL Dornbirn lassen bei der Firma Merck in Darmstadt aufhorchen.

Darmstadt, Dornbirn. (VN-ger) „Wir sind am Kometen“, verkündet „Rosetta“-Flugbetriebsleiter Sylvain Lodiot unter dem Jubel seiner Mitstreiter am Mittwochmittag im ESA-Kontrollzentrum in Darmstadt. „Wir fliegen nach Darmstadt“, lautet zur selben Zeit die Mission von Dominik Dörler (19), Simon Moll (18) und Hanna Weiss (18) in Vorarlberg.

Grund der Reise: Die drei Schüler der HTL Dornbirn – Abteilung Chemie entwickelten für den Schulwettbewerb „Jugend innovativ“ ein Verfahren zur Rückgewinnung von Phosphor auf Basis von Klärschlamm sowie ein photometrisches Messgerät zum Nachweis desselben. Damit räumten sie nicht nur den ersten Platz in der Kategorie „Science“ ab, sondern auch jede Menge Reisen. Die erste führte das Trio zum Pharma- und Chemieunternehmen Merck, einem Paten des Wettbewerbs, nach Darmstadt.

In 50 Jahren

Phosphor ist vor Millionen Jahren durch die Ablagerung von Tier- und Pflanzenresten am Meeresboden entstanden. Rund 80 Prozent der nutzbaren Phosphatvorräte lagern in Marokko, China, Südafrika und Jordanien. Experten gehen jedoch davon aus, dass die weltweiten Phosphatvorräte in etwa 50 Jahren aufgebraucht sind. Eine Tatsache, die die Preise für Phosphatdüngemittel immer weiter in die Höhe treibt. Dieser Knappheit entgegenwirken will unter anderem das EU-Forschungsprojekt RecoPhos. „Wir sind da über Harald Raupenstrauch von der Montanuniversität Leoben immer etwas integriert“, erläutert Rudolf Sams, Projektbetreuer an der Dornbirner Chemikerschmiede.

Viel Phosphor könnte es auch auf dem 1,2 Quadratkilometer großen Merck’schen Firmenareal zu holen geben. Die dortige Kläranlage ist auf 500.000 Einwohnergleichwerte ausgelegt, pro Jahr fallen rund 1000 Tonnen Klärschlamm an. „Die Idee ist toll. Phosphor ist weltweit einer der wichtigen Rohstoffe, der als erster zu Neige gehen wird. Das wird von vielen nicht gesehen“, lobt Manfred Szczesny von Merck die Jugendlichen nach ihrem Vortrag in den höchsten Tönen.

Weltweit die Ersten

Ideenbringer für das „Jugend innovativ“-Projekt war wie so oft Alfred Edlinger von M.I.T. in Bartholomäberg. Der Erfinder besitzt das Rahmenpatent für das InduCarb-Verfahren, die Phosphorgewinnung aus Klärschlamm ist eine Teilanwendung davon. An der HTL Dornbirn ist es weltweit zum ersten Mal gelungen den Phosphor in die Gasphase bringen. „Ein halbes Jahr später hat es die Montanuni auch hergebracht“, ist Sams zu Recht stolz auf seine Schüler. Der nächste Meilenstein von RecoPhos: Eine Versuchsanlage, die derzeit in Leoben gebaut wird.

„Es war cool“, zeigt sich nicht nur Dominik Dörler beindruckt von der Exkursion in die hessische Wissenschaftsstadt. Weiter geht es mit dem Reisereigen im September. In Warschau werden die „Jugend innovativ“-Gewinner ihr Projekt auf dem „European Union Contest for Young Scientists“ vorstellen, ehe es im Mai 2015 nach Pittsburgh/USA geht.

Merck stellt auch Flüssigkristalle her: Mit 100 Millilitern können rund 100 moderne Fernseher befüllt werden.
Merck stellt auch Flüssigkristalle her: Mit 100 Millilitern können rund 100 moderne Fernseher befüllt werden.
Im Museum warten Laborutensilien aus vergangener Zeit.
Im Museum warten Laborutensilien aus vergangener Zeit.

Firma Merck in Zahlen

» Gegründet: 1668 – die Gründerfamilie ist noch heute zu rund 70 Prozent Mehrheitseigentümerin des ältesten pharmazeutisch-chemischen Unternehmens der Welt.

» Umsatz 2013: 11,1 Mill. Euro

» Sitz: Darmstadt

» Mitarbeiter: 38.000 in 66 Ländern. In Österreich beschäftigt Merck an den Standorten Spittal/Drau und Wien über 400 Mitarbeiter.

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