“Sache muss ein Ende haben”

Vorarlberg / 11.08.2014 • 20:32 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Neuer Anlauf zum generellen Rauchverbot: Viele würden sich wünschen, dass er diesmal zum Ziel führt.  Foto: VN/Steurer
Neuer Anlauf zum generellen Rauchverbot: Viele würden sich wünschen, dass er diesmal zum Ziel führt. Foto: VN/Steurer

Generelles Rauchverbot wird auch von Wirten nicht mehr generell abgelehnt.

schwarzach. (VN-mm) Nur ein Sommerthema oder doch mehr? „Ich hoffe, jetzt wird die Chance genutzt und die unselige Raucherregelung geändert. Dieser Kompromiss zwischen gesetzlichem Verbot und doch nicht Verbot ist einfach lächerlich. Der einzig gangbare Weg ist ein generelles Rauchverbot.“ Als buchstäblich glühender Verfechter einer Lösung ohne Ausnahmen nimmt sich Vorsorgemediziner Dr. Günter Diem kein Blatt vor den Mund.

Unveränderte Raucherzahlen

Da kommt die jüngste Forderung von SPÖ-Gesundheitsminister Alois Stöger, der, wie berichtet, jetzt auf dunstfreie Gaststätten ab 2018 pocht, genau richtig. „Wir haben derzeit keine befriedigende Lösung“, wettert er. Denn die Raucherzahlen hätten sich in keiner Altersstufe grundlegend verändert. „Statt viel Geld in Aufklärungskampagnen zu stecken, soll die Politik gesetzliche Maßnahmen ergreifen“, wird Diem noch deutlicher. Laut übereinstimmenden Studien bringt nur eine rauchfreie Umgebung weniger Raucher. Dieses Ziel zu erreichen muss, so der Arzt, schon aus gesundheitlicher Sicht Vorrang haben.

Laut Günter Diem gibt es heutzutage keinen mehr, der nicht über die Schädlichkeit des Rauchens Bescheid weiß. Doch auch bei dieser Sucht schürt das Angebot die Lust. So lange es noch Rauchermöglichkeiten gebe, werde sich daran nichts ändern. „Der österreichische Weg zeigt keinen Effekt. Jetzt muss eben der nächste Schritt getan werden, und der heißt generelles Rauchverbot“, so Diem. Er verweist in diesem Zusammenhang auf den New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg, der das Nikotin kurzerhand aus seiner Stadt verbannte und damit eine messbare Verbesserung des Gesundheitszustands der Bevölkerung erreichte. Zudem würde ein generelles Rauchverbot auch Chancengleichheit für die Gastronomie bringen, meint Diem, der zudem von Gästen berichtet, die das Gefühl hätten, in Österreich dürfe immer noch überall geraucht werden.

Diese Erfahrung machte auch Andrew Nussbaumer, Fachgruppenobmann der Gastronomie. „Viele Touristen sind tatsächlich verwundert, dass hier geraucht werden darf“, erzählt er. Mit dem Vorstoß von Stöger, die Gastronomie bis in vier Jahren rauchfrei zu haben, könne er als Person durchaus leben. „Die Sache muss ein Ende haben“, befindet Nussbaumer.

Geteilte Stimmung

Die Stimmung in der Kollegenschaft zum heißen Thema beschreibt er als geteilt wie die aktuelle Regelung. Allerdings sieht der Fachgruppenobmann das Verständnis dafür auch bei den Wirten schwinden. Das Bewusstsein für den Nichtraucherschutz habe sich weiterentwickelt, und eine Umsetzung eines generellen Rauchverbots bis 2018 sei wohl auch wirtschaftlich nicht mehr so belastend. Vom Gesundheitsminister in Aussicht gestellte Abschlagszahlungen für jene Gastronomen, die finanziell viel in getrennte Bereiche investiert haben, lässt die Sache zusätzlich in einem freundlicheren Licht erscheinen.

Warten auf Gesetzesvorlage

Aus Sicht von Gesundheitslandesrat Christian Bernhard sollte über ein absolutes Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden und Lokalen eigentlich nicht diskutiert werden müssen. „Es wäre gescheiter gewesen, gleich etwas Richtiges zum Nichtraucherschutz zustande zu bringen. Stattdessen haben wir nicht einmal eine ordentliche Zwischenlösung hergebracht“, ärgert sich der Mediziner im Politiker. Auf halben Wege stehen zu bleiben, hält er ebenfalls für unsinnig. „Wir müssen endlich wissen, was wir wollen.“ Er selbst will ein klares Bekenntnis zu einem generellen Rauchverbot und hofft auf eine baldige Gesetzesvorlage dazu. „Meine Unterstützung hat der Gesundheitsminister jedenfalls“, so Bernhard. Dann gehe es auch noch um die Sicherung des Gesundheitssystems. Schließlich sei Rauchen der größte Killer.

Die Raucherzahlen haben sich nicht viel verändert.

Günter Diem

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.