Mehr Ärzte und Dienstmodelle

Vorarlberg / 12.08.2014 • 19:10 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Radiologie von Primar Michael Küfner hat bereits personelle Verstärkung erhalten.  Foto: VN/Hofmeister
Die Radiologie von Primar Michael Küfner hat bereits personelle Verstärkung erhalten. Foto: VN/Hofmeister

Krankenhaus Dornbirn reagiert nun auf Kritik des Arbeitsinspektorats an Arbeitszeiten.

dornbirn. (VN-mm) Die zweite Aufsichtsbeschwerde scheint nun endlich zu fruchten. Das Krankenhaus Dornbirn, dem das Arbeitsinspektorat, wie mehrfach berichtet, immer wieder massive Arbeitszeitüberschreitungen zur Last gelegt hat, wird zusätzliche Ärzte einstellen und neue Dienstzeitmodelle erarbeiten lassen. „Wir haben das Problem erkannt und Maßnahmen ergriffen“, bestätigt Chefarzt Primar Guntram Winder. So sei man etwa im Herbst hinsichtlich des Stellenplans mit Turnusärzten überbesetzt, was eine Entlastung bringe. Auch die Mitarbeiter sollen in die Planung einbezogen werden.

Eine „grobe Missachtung“

Die letzte Überprüfung der Arbeitsinspektoren mit dem Ergebnis, dass die Spitalsarbeitszeiten trotz mehrmaliger Aufforderung, dies zu ändern, weiterhin „grob missachtet“ werden, wie es im Schreiben des Arbeitsinspektorats an die Stadt Dornbirn heißt, fand im Juli statt. Kritik hagelte es vornehmlich für Überschreitungen der höchstzulässigen Wochenarbeitszeit, die statt 72 bei manchen Ärzten über 80 Stunden betrug, sowie die durchgehende Inanspruchnahme während verlängerter Dienste. Hier gilt eine ununterbrochene Mindestruhezeit von elf Stunden. Tatsächlich lag diese teilweise bei nur sechs Stunden, mitunter gab es gar keine Pause. Eine derartige Arbeitsbelastung sei untragbar, stellte das Arbeitsinspektorat fest und verlangte neuerlich eine Verbesserung der Situation.

Dieser Forderung scheint das Stadtspital diesmal nachkommen zu wollen. „Unser Ziel ist eine Lösung mit Langzeitwirkung“, sagte Guntram Winder auf VN-Anfrage. Und: „Wir wollten bereits im Jänner einen Berater ins Boot holen. Das gewünschte Unternehmen hatte jedoch erst im Juli freie Kapazitäten“, erklärt er die Verzögerung. Aber: „Seitdem analysieren wir gemeinsam die Abteilungsstrukturen sowie den Personalbedarf tiefgreifend, um dann Arbeitszeitmodelle zu entwickeln.“

Lösung gewünscht

Ein nach wie vor ungelöstes, jedoch entscheidendes Problem im Zusammenhang mit der Einhaltung von Ruhezeiten sind laut Winder die hohen Ambulanzfrequenzen. Speziell am Abend und in der Nacht stelle der Zustrom an Patienten eine enorme Herausforderung dar. Er würde sich in dieser Frage, ähnlich wie bei der Gehaltsreform, eine landesweite Lösung wünschen.

Personell aufgestockt wurde schon die Radiologie. Dort tut ein zusätzlicher Facharzt Dienst. Weiters hat das Krankenhaus seine Suche nach Turnusärzten verstärkt. Die Rekrutierung zusätzlicher Ärzte bezeichnet Winder als wesentlich. „Neue Arbeitszeitmodelle und notwendige Personalaufstockungen werden bei uns jedoch Hand in Hand geplant“, sagt er. Derzeit können Mitarbeiter anonymisierte Fragebögen ausfüllen, die in die Umsetzung einfließen. Im September startet dann die zweite Projektphase. Auf Grundlage der gesammelten Ideen werden individuelle Lösungen für jede Abteilung entwickelt. In der dritten Phase folgen Test und Analyse der Arbeitszeit-Pilotprojekte. Ob das die Arbeitsinspektoren zufriedenstellt? Das KH Dornbirn hat jedenfalls mit weiteren Kontrollen zu rechnen. 

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