Pizzaköche, Mafiosi, Blutdurst und Attacken mit zerbrochenem Stuhl

Vorarlberg / 12.08.2014 • 22:29 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Zu unklarer Verletzungsgrad: Richter Martin Mitteregger musste die Verhandlung am Landesgericht vertagen.  Foto: VN/HB
Zu unklarer Verletzungsgrad: Richter Martin Mitteregger musste die Verhandlung am Landesgericht vertagen. Foto: VN/HB

„Pizzaioli“ sind so gar nicht nach dem Geschmack eines serbischen Untermieters.

Feldkirch. Es war im vergangenen April, als die Situation im Hof eines Vorarlberger Mehrparteienhauses eskalierte. Ein 51-jähriger serbischer Bewohner schleuderte von seinem Balkon aus einen Stuhl in Richtung eines 31-jährigen portugiesischen Nachbarn. Der Stuhl verfehlte sein Ziel und zerbarst in mehrere Teile. Flugs lief der Serbe nach unten, griff zu einem der herumliegenden Stuhlbeine und schmetterte dieses auf den Kopf eines 38-jährigen Italieners.

„Sein Blut trinken“

Was war geschehen? Um diese Frage zu klären, lud Richter Martin Mitteregger die drei Männer gestern zur Verhandlung ins Landesgericht Feldkirch. Erstangeklagter war der Serbe. Er gab zu, das Stuhlbein auf dem Kopf des Italieners zertrümmert zu haben. Doch warum? „Er hat mich zuvor bedroht! Er sagte, sein Onkel sei Italiener und ein Mafiosi. Und der würde kommen und meine Familie töten“, behauptete er. Doch damit nicht genug der Drohungen. Der Italiener und der Portugiese, die Freunde und Pizzaköche seien, hätten angekündigt, sie würden „ihm seinen Kopf ganz langsam abschneiden und sein Blut trinken“.

Empört wies der italienische Angeklagte diese Beschuldigungen von sich. Er war außer sich. „Alles Lügen! Eine Unverschämtheit, dass er so etwas behauptet. Und hätte ich solche Verwandte, würde ich das sicher nicht ihm sagen.“ Die Aggression sei einzig und allein von dem Serben ausgegangen. Ein Charakterzug, der zu seinem Wesen passen würde. „Oder habe ich meine Frau vor zehn Jahren vom Balkon geschmissen?“, schien der Italiener seinen Kontrahenten an etwas erinnern zu wollen. „Bist du deppert?“, kam als Antwort.

„Fliegender Wechsel!“ warf der Richter rasch ein und vernahm den Portugiesen.

„Falsche Gerüchte“

Laut diesem sei es zu dem Disput gekommen, weil der Erstangeklagte falsche Gerüchte über ihn unter den Nachbarn ausgestreut hätte. Gerüchte, die besagten, dass er Marihuana in seiner Wohnung anbauen würde. „Wegen dem Schimmel, der dort wächst“, meinte der Serbe.

Das wiederum ließ der Portugiese nicht auf sich sitzen. „Ich forderte eine Entschuldigung von ihm“, sagte er gegenüber dem Richter, „und dann warf er schon den Stuhl nach mir.“ Der Italiener sei im Übrigen erst später zu dieser Auseinandersetzung gestoßen. „Ich wusste eigentlich gar nicht, um was es geht, und schon hat mir der Serbe mit dem Stuhlbein eins über die Rübe gezogen, um es auf Deutsch zu sagen . . .“

Der Italiener erlitt Rissquetschwunden und Prellungen am Kopf. „Sie mussten genäht werden. 27 Stiche am Kopf und sieben am Ohr. Ich war eineinhalb Monate arbeitsunfähig.“ Diese Schilderung machte Richter Mitteregger stutzig. Denn wäre es so, würde es sich um eine schwere Körperverletzung handeln. Die Anklage müsste entsprechend modifiziert werden. Mitteregger vertagte den Prozess, bis entsprechende ärztliche Gutachten vorliegen.

Landesgericht Richter Martin Mitteregger
Landesgericht Richter Martin Mitteregger

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