“Der Sport bedeutet mir alles”

Vorarlberg / 13.08.2014 • 19:17 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ernst Meier auf dem Gipfel des Piz Buin. Er war schon viele Male auf dem höchsten Berg Vorarlbergs.  Foto: Privat
Ernst Meier auf dem Gipfel des Piz Buin. Er war schon viele Male auf dem höchsten Berg Vorarlbergs. Foto: Privat

Vor 20 Jahren entdeckte der Göfner Ernst Meier die Bergwelt des Montafons für sich.

Montafon. (VN) Schon früh zog es Ernst Meier (60) in die Berge. Bereits als junger Mann wanderte er gerne. „1975 habe ich auch mit Skitouren angefangen.“ Seiner Sportlichkeit verdankt er viel. Der Werkzeugmacher hatte im Jahre 1979 einen Arbeitsunfall. „Ich griff in eine eingeschaltete Leitung und geriet so in den Stromkreis.“ Die Folgen waren verheerend: Der ÖBB-Angestellte erlitt einen Herzstillstand und schwere Verbrennungen. 75 Prozent seiner Hautoberfläche waren betroffen. Die Ärzte sagten ihm später, dass er nur aufgrund seiner guten Kondition den Stromunfall überlebt hat.

Körper war eine Baustelle

Seine erste Tour nach dem Unfall machte er wenige Monate danach. „Wir gingen auf die Schneeglocke. Ich war nicht einmal der Langsamste. Meine Füße waren blutig. Aber ich hab’s geschafft“, erinnert er sich lächelnd. Sein Körper war nach dem Unfall eine Baustelle: „Ich wurde 30 Mal operiert.“ Trotzdem frönte er weiterhin seiner Leidenschaft. Die Kondition für seine Berg- und Skitouren holte er sich beim Holzfällen.

Bis heute bevorzugt Meier Touren in einsame Gegenden. „Nicht dort gehen, wo alle gehen. Das ist mein Motto.“ Als er zum Beispiel um die Silvretta wanderte, sah er fünf Tage lang keinen einzigen Menschen. Meier bezwang neben bekannten Bergen wie etwa Piz Buin oder Zimba viele Gipfel, die unbekannt sind und keinen Namen haben. Er liebt es, unbekanntes Terrain zu erobern und neue Wege auszukundschaften. „Ich mache öfters etwas Neues.“ Oft ist er in den Bergen allein unterwegs. Der fitte 60-Jährige ist sich dessen bewusst, dass das riskant ist. „Aber ich habe keine Angst. Sonst könnte ich gleich daheim bleiben.“

Der Göfner kam in den Bergen schon öfter in brenzlige Situationen. „Einmal wurde ich von einer Lawine bis zum Bauch verschüttet.“ Ein andermal stürzte er beim Klettern auf dem Saulakopf zehn Meter in die Tiefe, weil zwei Haken gerissen waren. „Der Hubschrauber brachte mich ins Tal. Ich hatte mich am Fuß verletzt.“

Ein Vater-Unser betete er, als sich vor ihm eine Gletscherspalte auftat und er nicht mehr weiterkam. „Ich sprang in die Spalte und bin auf der anderen Seite hinaufgeklettert. Nach diesem Erlebnis wurde ich vorsichtiger.“ Heute macht er lieber einen Umweg auf dem sicheren Weg, als den riskanten, kurzen Weg zu nehmen. Oft verlässt er sich auch auf sein Gefühl. „Wenn das nicht passt, kehre ich um, auch kurz vor dem Gipfel.“ Skitouren begeistern ihn noch mehr als Bergtouren. „Es ist ein Hammer, auf einem unberührten Pulverschneehang abzufahren.“ Vergangenen Winter machte er nicht weniger als 80 Skitouren, die Saison fängt bei ihm im Oktober an und endet im Juli. Im Sommer kommt er auf etwa 65 Bergwanderungen (oft kombiniert mit dem Bike) und auf 30 Rennradtouren.

Mit Gips ins Fitnessstudio

Seine Touren haben es in sich. Kürzlich etwa legte der begeisterte Sportler mit dem Rennrad an einem Tag 205 Kilometer und 2700 Höhenmeter zurück. Er fuhr mit dem Rad von Göfis in die Silvretta. Von dort weiter ins Paznauntal nach Pians. Dann ging es weiter über den Arlberg und durchs Klostertal.

Wer so exzessiv Sport betreibt, muss damit rechnen, dass irgendwann der Körper streikt. Im Jahr 2011 musste der passionierte Berggeher verletzungsbedingt mehrere Monate pausieren. „Da ging es mir nicht gut. Denn der Sport bedeutet mir alles.“ Er nutzte die Zeit, indem er im Internet nach neuen Touren suchte und trotz Gips am Fuß im Fitnessstudio trainierte.

Im Sommer mache ich zirka 65 Berg- und 30 Rennradtouren. ernst meier

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.