Druck auf Spitalsambulanzen

Vorarlberg / 13.08.2014 • 21:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
In den Ambulanzen der Spitäler herrscht nach wie vor Hochbetrieb. Entlastung ist gefordert. Foto: VN/Hartinger
In den Ambulanzen der Spitäler herrscht nach wie vor Hochbetrieb. Entlastung ist gefordert. Foto: VN/Hartinger

Wieder steigende Patientenzahlen treiben das System an den Rand des Kollapses.

Feldkirch. (VN-mm) Die Ruhe war trügerisch. Zwei Jahre konnte der Andrang in die Spitalsambulanzen zumindest eingebremst werden. Jetzt stehen die Zeichen wieder auf Sturm. Allein die Landeskrankenhäuser rechnen für heuer mit 380.000 Frequenzen. Das wären deutlich mehr als zuletzt. Lösungen tun not, denn vor allem die Selbstzuweiser, also jene Patienten, die auch von niedergelassenen Ärzten behandelt werden könnten, belasten das ohnehin schon arg strapazierte Kranken­haussystem.

Notfälle ausgenommen

Eine Zugangsbeschränkung mittels Überweisung, Notfälle ausgenommen, könnte nach Ansicht der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) Abhilfe schaffen. „In der Schweiz funktioniert diese Maßnahme gut“, hakt Hermann Blassnig, Sprecher der Vorarlberger Spitalsärzte, ein. Jedenfalls sei es nötig, bei der Eingangstür der Krankenhäuser zu beginnen und nicht anderswo. Für Blassnig heißt das, den Patienten draußen Anlaufmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen. Auch Ärztekammerpräsident Michael Jonas hält es für angeraten, die Frage der überlaufenen Ambulanzen zu klären. Für ihn wäre es sogar denkbar, Internisten in das Grundversorgermodell einzubeziehen, um den niedergelassenen Bereich zu stärken.

Nur wenig Effekt

In Spitälern gesetzlich geforderte Arbeits- und Ruhezeiten sind vor allem am Abend und in der Nacht nur schwer einzuhalten. Auch während des Tages blockieren Ambulanzpatienten personelle Ressourcen, die in den Abteilungen gebraucht würden. Entlastungsprojekte bringen, den steigenden Zahlen nach zu urteilen, kaum den erhofften Effekt.

Die Wurzeln dieses Übels sieht Hermann Blassnig vorrangig in unzureichenden Öffnungszeiten bei Haus- und Fachärzten sowie im Umstand, dass es Regionen gibt, in denen niedergelassene Ärzte während der Woche keine Nachtdienste mehr leisten. „Die Patienten wurden über einen langen Zeitraum dazu erzogen, bei Beschwerden das Spital aufzusuchen“, meint er. Diese Einstellung lasse sich auch nicht von heute auf morgen ändern. Nur: „In den Ambulanzen geht nichts mehr“, stellt er ebenso deutlich fest.

Gesetzliche Grundlage

Laut Blassnig liegt es jetzt an der Politik zu prüfen, was machbar ist und wohin sich Patienten anstelle der Ambulanzen wenden können. Seiner Ansicht nach wäre auch niedergelassenen Fachärzten eine Beteiligung an Diensträdern zuzumuten. Ähnlich äußert sich der Geschäftsführer der Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG), Gerald Fleisch. „Der niedergelassene Bereich könnte sich ruhig ein bisschen mehr anstrengen“, lautet die unverblümte Ansage. Fleisch verweist auch auf das Spitalgesetz, das bezüglich Ambulanzen eigentlich Klartext spricht. „Hier ist restriktiv abgebildet, wer die Ambulanz aufsuchen darf“, sagt Fleisch. Die gesetzliche Grundlage bestünde also. Auch er hält ein massives Angehen der Thematik für erforderlich. Es dürfe jedoch kein Patient durch den Rost fallen.

Für den Ärztekammerpräsidenten ist klar, dass der niedergelassene Bereich attraktiver werden muss. „Wir haben viele Wahlärzte, weil sich das Arbeiten so flexibler gestalten lässt“, erklärt Michael Jonas. Die von der ÖÄK geäußerte Forderung nach einer Zuweisung für Ambulanzen sei übrigens auch ein altes Anliegen der Vorarlberger Ärztekammer.

Fakten

Ambulanz-Frequenzen in den LKH

2011: 380.316

2012: 368.464

2013: 369.375

2014, 1. Halbjahr: 191.461;
Hochrechnung bis Jahresende: 380.000

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