“Geht nur gemeinsam”

Vorarlberg / 15.08.2014 • 17:58 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Überlastete Ambulanzen. Ärztevertreter pariert Kritik an niedergelassenen Kollegen.

Schwarzach. (VN-mm) „Unsere 318 Kassenvertragsärzte haben im vergangenen Jahr gut drei Millionen Patientenkontakte gehabt, was einer Steigerung von knapp drei Prozent gegenüber 2012 entspricht.“ Mit Zahlen pariert Burkhard Walla, stellvertretender Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte, den Hinweis von Kranken­hausdirektor Gerald Fleisch, wonach sich diese ruhig ein bisschen mehr anstrengen könnten, um die Spitalsambulanzen zu entlasten (die VN berichteten).

„Die Verantwortung für Systemschwächen übernehmen wir nicht“, setzt Walla nach. Es bestehe jedoch Bereitschaft, diese zu analysieren und Ideen im Sinne einer bestmöglichen Patientenversorgung einzubringen. Leider seien solche bislang immer wieder an den politisch verantwortlichen Kräften gescheitert. Klar ist für den Ärztevertreter, dass es nur gemeinsam geht.

Arbeiten weit über Limit

Die niedergelassenen Ärzte würden das Thema Überlastung genauso kennen wie die Spitalsärzte. „Viele arbeiten bereits weit über ihrem persönlichen Limit“, berichtet Burkhard Walla. Er verweist auf die Honorarverhandlungen mit der Gebietskrankenkasse, deren Abschluss unter dem Aspekt der Schaffung von Leistungsanreizen stand. Ob die Ziele erreicht werden, soll eine Evaluierung nach diesem Jahr zeigen. „Falls nicht, wurden bereits Überlegungen getätigt, wie man dem steigenden Bedarf an ärztlicher Hilfe im niedergelassenen Bereich sonst noch begegnen kann“, kündigt Walla im VN-Gespräch an.

Initiativen durchzusetzen scheint allerdings nicht ganz einfach, wie er am Beispiel des Terminpoolsystems erläutert. Es wurde entwickelt, um für Notfälle elektronische Terminvereinbarungen durch den Hausarzt zu ermöglichen. „Das Anreizsystem, das geschaffen werden müsste, um diesen Terminpool zu beleben, haben Vertreter der Wirtschaft in der GKK aber nicht bewilligt“, sagt Burkhard Walla. Ebenso habe der niedergelassene Bereich die Diskussion um eine Lenkung der Patientenströme zur Ambulanzentlastung eröffnet. „Wir mussten zur Kenntnis nehmen, dass es vonseiten der Financiers im Gesundheitssystem kein Interesse gab.“

Gemeinsame Ordinationen

Das Zuweisungssystem hält Walla für eine „einfache Geschichte“. Die niedergelassenen Strukturen dafür wären seiner Ansicht nach am sinnvollsten in der Nähe der Krankenhäuser aufzubauen, wie es in Dornbirn schon einmal geplant war. Die Stadt ließ das Projekt aber kurz vor der Realisierung platzen. Es wird seiner Ansicht nach auch gemeinsame Ordinationen geben müssen, um längere Öffnungszeiten abdecken zu können. Den im Rahmen der Gesundheitsreform geplanten Ausbau der Telefon- und webbasierten Patientenberatungsdienste bewertet Walla vorsichtig als zusätzliche Möglichkeit, für die er durchaus einen Markt sieht. Ob sie eine Entlastung der Ambulanzen bringe, wisse niemand.

Ganz oben auf der Liste

Laut Bundeszielsteuerungsvertrag sind ab 2016 drei Prozent der Bevölkerung über solche Strukturen zu versorgen. „Das heißt, es muss bald etwas geschehen. Wir werden unseren Beitrag leisten“, verspricht Burkhard Walla. Auch Gesundheitslandesrat Christian Bernhard will die Angelegenheit schnell vorantreiben. Die Ambulanzentlastung als große Herausforderung stehe dabei ganz oben auf der Liste. „Es ist mir wichtig, dass alle konstruktiv und rasch die Ausgestaltung der Gesundheitsreform mittragen und Verzögerungen der Vergangenheit angehören“, formuliert Bernhard diplomatisch.

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