„Illwerke-Aktien verkaufen wäre nicht liberal, sondern ganz einfach dumm“

Vorarlberg / 15.08.2014 • 18:03 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Setzt im Wahlkampf alle Hebel in Bewegung, um den eigenständigen Weg Vorarlbergs fortsetzen zu können: LH Markus Wallner.  Fotos: MK
Setzt im Wahlkampf alle Hebel in Bewegung, um den eigenständigen Weg Vorarlbergs fortsetzen zu können: LH Markus Wallner. Fotos: MK

Offen für Partner auf der Landesregierungsbank: LH Wallner ohne Wahlziel in Prozenten.

Frastanz. Der 7. Dezember 2014 ist für Markus Wallner ein denkwürdiges Datum. An diesem Tag kann der Frastanzer nämlich sein dreijähriges Jubiläum als Landeshauptmann feiern. Einzige Voraussetzung dafür ist allerdings ein gutes Abschneiden bei der Landtagswahl am 21. September. Ob Wallner, der einst als Wahlkampfmanager von Landeshauptmann Martin Purtscher den Grundstein für seine rasante parteipolitische Karriere legte, die Absolute im Landtag halten wird können, steht diesmal allerdings in den Sternen.

Herr Wallner, haben Sie das Gefühl, dass Ihnen inzwischen die Schuhe Ihres Vorgängers Herbert Sausgruber passen?

Wallner: Die Schuhe passen mir gut. Als passionierter Bergsteiger weiß ich, dass man nur mit den eigenen Schuhen ans Ziel kommt.

Warum sollen die Vorarlberger im Herbst bei der Volkspartei ein Kreuzchen machen?

Wallner: Wir können eine gute Bilanz vorlegen. Vorarlberg liegt im Vergleich zu anderen europäischen Regionen im Spitzenfeld. Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist noch wichtiger: Wir haben klare Vorstellungen davon, wie es weitergehen soll. Ich glaube, dass Vorarlberg die besten Möglichkeiten aller Bundesländer hat, um die Herausforderungen positiv bewältigen zu können. Wenn die Bevölkerung sich fragt, wer die richtigen Rezepte für Fragen der Zukunft hat, dann muss sie ihr Kreuzchen bei uns machen.

Auf welche Themen wird Ihre Partei im Wahlkampf setzen?

Wallner: Wir werden uns auf einige Schwerpunktthemen konzentrieren. Ganz im Vordergrund stehen dabei die Beschäftigungsentwicklung und Wirtschaft. Darüber hinaus geht es um Weichenstellungen für die Entwicklung der Wirtschaft. Als zweites Thema werden wir die Familien und deren Entlastung bringen. Wer uns die Stimme gibt, wird wissen, einen Anwalt für die Familie gewählt zu haben. Auch Zukunftsstrategien im Bereich Energie und Wasserkraft werden thematisiert. Besonders herausstreichen wollen wir die eigenständige Linie des Landes. Dort, wo wir eigenständig reagieren können, sind wir nämlich am erfolgreichsten. Das wollen wir den Bürgern klar machen. Wer eine eigenständige Landespolitik will, muss dem Landeshauptmann den Rücken stärken. Darum geht es.

Schenkt man Umfragewerten Glauben, so wird Ihre Partei die absolute Macht im Landtag verlieren. Was sagen Sie dazu?

Wallner: Umfragen vor Wahlen sind mit einer gewissen Vorsicht zu genießen. Solche Werte können sich rasch ändern. Generell sind heutzutage absolute Mehrheiten sehr schwer erreichbar. Das muss man erkennen. Um absolute Mehrheiten bekommen zu können, muss sehr vieles zusammenpassen an Grundstimmung in der Bevölkerung.

Sie haben bisher kein Wahlziel genannt. Ihr Landeshauptmann-Kollege Michael Häupl hat die Absolute als Ziel ausgerufen. Gibt es für Sie kein Ziel?

Wallner: Das halte ich für sehr überheblich. Man hat dem Wähler gegenüber eine gewisse Demut an den Tag zu legen. Ohne Prozentzahlen zu nennen: Ich will in Vorarlberg einen klaren Wählerauftrag zur Bildung einer neuen Landesregierung. Was mir ebenso wichtig erscheint: Wir sind offen für Partnerschaften. Inzwischen kandidieren neun Parteien, wenn es so weitergeht, gleicht dies eher chaotischen, italienischen Verhältnissen. Diese Entwicklung betrachte ich mit einer gewissen Sorge, eine Zersplitterung in Kleinparteien hilft dem Land Vorarlberg bestimmt nicht.

Stichwort Kleinparteien: Gehen Sie immer noch in unregelmäßigen Abständen mit Neos-Chef Mathias Strolz auf ein Bier?

Wallner: Ich kenne ihn aus der Studentenzeit und wir laufen uns in unregelmäßigen Abständen über den Weg. Strolz weiß mittlerweile, dass ich von einem Großteil seiner politischen Aussagen schwer enttäuscht bin. Mir ist schleierhaft, wie man auf die Idee kommen kann, die Wohnbauförderung abschaffen oder die Illwerke-Aktien verkaufen zu wollen. Das ist nicht liberal, sondern dumm. Da werde ich beinahe zornig. Bei solchen Aussagen drehen sich Vorfahren von Strolz im Bregenzerwald, wie Barnabas Fink, im Grab um.

Wie stehen Sie zu etwaigen Regierungspartnern von FPÖ, Grünen und SPÖ?

Wallner: Die Entscheidungen fallen nach der Wahl. Ich möchte damit Respekt vor dem Wählerwillen zum Ausdruck bringen. Sowohl mit Dieter Egger und Johannes Rauch oder auch Michael Ritsch pflegen wir eine vernünftige Zusammenarbeit und haben eine intakte Gesprächsbasis. Es gibt allerdings eine nach wie vor im Raum stehende Aussage von Egger gegenüber Hanno Loewy. Diese kann nur Egger selbst ausräumen. Wenn er glaubt, dass dies nach fünf Jahren keinen mehr interessierte, dann täuscht er sich. Vorarlberg hat in der Rechtsaußenecke nichts verloren.

Wie lautet Ihr Lebensmotto?

Wallner: Ich bin grenzenlos optimistisch. Ich versuche, den Dingen stets mit Humor zu begegnen und auf das Positive zu blicken. Meinen guten Humor wird mir auch die Landtagswahl nicht nehmen können.

„Absolute Mehrheiten sind Seltenheit“: LH Wallner im VN-Gespräch.
„Absolute Mehrheiten sind Seltenheit“: LH Wallner im VN-Gespräch.
„Illwerke-Aktien verkaufen wäre nicht liberal, sondern ganz einfach dumm“
„Absolute Mehrheiten sind Seltenheit“: LH Wallner im VN-Gespräch.
„Absolute Mehrheiten sind Seltenheit“: LH Wallner im VN-Gespräch.

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