„So rentabel wie ein Kleinkraftwerk“

Vorarlberg / 17.08.2014 • 19:23 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Thema Bürgermeistergehalt: „Wenn jemand gute Arbeit leistet, soll er auch fair bezahlt werden.“ Fotos: MK
Thema Bürgermeistergehalt: „Wenn jemand gute Arbeit leistet, soll er auch fair bezahlt werden.“ Fotos: MK

Alfons Rädler gehört zu den Verfechtern eines Windkraftwerks am Pfänderhang.

eichenberg. Seit 2010 ist Rädler Bürgermeister der Gemeinde Eichenberg. 2015 will er erneut kandidieren – und danach seinem Lieblingsprojekt zum Durchbruch verhelfen.

Was würde der zehnjährige Alfons Rädler dem Alfons Rädler von heute sagen?

rädler: Wichtig ist, dass die politischen Entscheidungsträger die Zeichen der Zeit erkennen. Diese Marktsituation, sprich: Immer schneller, immer höher, immer weiter, das wird nicht mehr gehen.    

Ein sehr nachdenklicher Zehnjähriger also. Und was sagt der erwachsene Alfons Rädler über unsere Bundesregierung?

rädler: Vieles ist nicht nachvollziehbar. Da sind Minister, die mit der Justiz zu kämpfen haben nach ihrem Austritt. Oder auch die Causa Hypo Alpe Adria. Mir geht es nicht darum, dass man Leute verurteilt, sondern dass man das System aufdeckt, damit das nicht noch einmal passieren kann.

Eichenberg hat eine Bürgerliste, die zuletzt 100 Prozent bei den Wahlen erzielt hat. Erleichtert Ihnen das Ihr Leben als Bürgermeister?

rädler: Ich denke, die Gemeindebürger sind alle mündig, und sie sind alle aufrecht. Ich sehe, wie in anderen Gremien die Parteipolitik Dinge verhindert. Bei uns geht es um die Sache. Alle denken mit zum Wohl der Gemeinde. Darum haben wir auch sehr viele einstimmige Beschlüsse.

Suchen Sie den Konsens?

Rädler: Ich suche den Konsens. Und ich bin ja nur der „Minister“, der „Diener“, der Geschäftsführer eigentlich. Ich bereite die Dinge zur Entscheidung vor.

Gibt es die Liste nächstes Jahr wieder, und stehen Sie drauf?

rädler: Bei uns ist es so, dass die Liste herausgegeben wird und jeder Gemeindebürger namentlich genannt werden kann. Dann muss man die Gereihten fragen, ob sie das tun möchten, ob sie sich auf die Liste setzen lassen. Und dann kommt es zur Wahl. Die Liste wird es wieder geben, und ich stehe zur Verfügung.

Sie zählen zu den lautesten Befürwortern einer Windkraftanlage am Pfänderhang. Warum?

rädler: Vielleicht liegt es in den Genen. Mein direkter Verwandter, mein Großvater, geboren 1871, hat 1912 bis 1928 ein kleines Wasserkraftwerk betrieben am Pfänder. Und wenn man heute mit Wärmepumpen beispielsweise das zukünftige Seestadtareal in Bregenz beheizen kann, indem man dem Bodenseewasser vielleicht zwei Grad entzieht, dann hat das Potenzial. Und das sehe ich auch beim Wind. Wenn eine Windmessung nachweist, dass wir 6 Millionen Kilowatt Strom erzeugen können, dann ist es die Aufgabe der politischen Vertreter, das Für und Wider zu überlegen.

Würde es sich rentieren?

rädler: Wir wissen, dass wir so wirtschaftlich sind wie die Kleinwasserkraftwerke der vkw, ein Illspitzkraftwerk oder ein Mengkraftwerk etwa. Eine Windkraftanlage kostet ca. fünf Millionen Euro und versorgt 1200 Haushalte. Drei versorgen 3600 und kosten 15 Millionen. Ein Illspitzkraftwerk kostet 34 Millionen und versorgt 6000 Haushalte.

Ein Wasserversorgungsprojekt für die Fürbergparzellen ist ebenfalls in den Startlöchern.

rädler: Da geht es darum, eine gesetzeskonforme Wasserversorgung, Versorgung mit Löschwasser und eine Wasserentsorgung zu machen. Wir haben ein Vorprojekt gemacht, und die Ausschreibung für die technische Ingenieursleistung steht zur Vergabe. Wenn es optimal läuft, werden wir nächstes Jahr den ersten Bauabschnitt beginnen.     

Wie steht es um die Gemeindefinanzen?

rädler: Wir hatten heuer unser zweites Gespräch mit dem Land. Es kann nicht sein, dass du ein Jahr nicht mehr bewältigst, ohne ein neues Darlehen aufzunehmen. Da kommst du in eine Spirale hinein, und die wird immer schneller und geht immer tiefer. Die Empfehlung war: Projekte priorisieren. Also: Trinkwasser, Löschwasser, Kanal. Und das haben wir getan.

Eichenberg ist eine der kleinsten Gemeinden im Land. Was sagen Sie zur Thematik der Bürgermeistergehälter in Kleingemeinden?

rädler: Zu Beginn hat man mir mitgeteilt, dass ich der zweitschlechtest bezahlte Bürgermeister des Landes bin. Man hat mir gesagt: Das musst du einstellen, sonst hast du in drei Wochen oder zwei Monaten keinen Bock mehr. Und das stimmt auch. Wenn jemand gute Arbeit leistet, soll er auch fair bezahlt werden. 

Wie viel verdienen Sie monatlich netto – und was müssen Sie leisten?

Rädler: Ich verdiene 1850 Euro netto. Stunden schreibe ich keine. Aber ich würde sagen, das ist auch ein Stück weit Berufung.

Ich bin ja nur der ,Minister‘, der Geschäftsführer.

Eichenberg - Bürgermeister Alfons Rädler
Eichenberg – Bürgermeister Alfons Rädler
Eichenberg - Bürgermeister Alfons Rädler
Eichenberg – Bürgermeister Alfons Rädler
Eichenberg - Bürgermeister Alfons Rädler
Eichenberg – Bürgermeister Alfons Rädler
Eichenberg - Bürgermeister Alfons Rädler
Eichenberg – Bürgermeister Alfons Rädler
Eichenberg - Bürgermeister Alfons Rädler
Eichenberg – Bürgermeister Alfons Rädler
Eichenberg - Bürgermeister Alfons Rädler
Eichenberg – Bürgermeister Alfons Rädler
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Eichenberg – Bürgermeister Alfons Rädler
Thema Bürgermeistergehalt: „Wenn jemand gute Arbeit leistet, soll er auch fair bezahlt werden.“ Fotos: MK
Thema Bürgermeistergehalt: „Wenn jemand gute Arbeit leistet, soll er auch fair bezahlt werden.“ Fotos: MK
Eichenberg - Bürgermeister Alfons Rädler
Eichenberg – Bürgermeister Alfons Rädler

Kurz gesagt . . .

Absolute Mehrheit: In der Gemeinde nicht notwendig.

Freunderlwirtschaft: Kenne ich nicht.

Lebensglück: Familie
Politikverdrossenheit: Irgendwo verständlich.

Parteifreund: Ich gehöre keiner Partei an.
Freizeit: Der Musikverein und die Imkerei.

Erstwähler: Sehr wichtig, dass sie das Verständnis für Politik bekommen.
Lebensqualität: Wenn man einen tollen Beruf hat und genügend Freizeit.       
Netzwerke: Sehr wichtig, Kooperation ist das Um und Auf.
Lebensabend: In Eichenberg, mit Blick auf den Bodensee.

Zahlen zu Eichenberg

» Einwohnerzahl: 400

» Gemeindefläche: 12 km²

» Jahresbudget: 1,515 Mill. Euro

» Pro-Kopf-Verschuldung: 2616 Euro 

» Betriebe: Hotel Schönblick, Hotel Sonnenhof, Gasthaus Krone, Gasthof Paradies

» Arbeitsplätze: 30

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