Ein großes Fest für die Trentiner

Vorarlberg / 18.08.2014 • 20:03 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Arbeiter an der Arlbergbahn. Foto: Museumsverein
Arbeiter an der Arlbergbahn. Foto: Museumsverein

Mit dem Bau der
Arlbergbahn vor
130 Jahren begann Zuwanderung – Harder Unternehmer lädt zum Erinnerungsabend.

Hard. (VN-tm) Würde man den Unternehmer Joe Armellini fragen, ob er sich als Harder fühlt, käme das Ja wohl ohne Umschweife. Und doch hat der Designer, der sich vor Jahrzehnten schon auf Bau und Gestaltung von Geschäften spezialisiert hat, seine Trentiner Wurzeln nicht vergessen. So präsent sind ihm seine Vorfahren, dass er für den Abend des 5. September 2014 im Bregenzer Festspielhaus ein kulturell-kulinarisches Fest in Szene setzt: „Trentino – Voradelbergo“ erzählt in Musik, Theater und historischer Betrachtung, garniert mit Valsuganer Kost, von einem ganz besonderen Kapitel der Vorarlberger Landesgeschichte.

Der Bregenzer Historiker Meinrad Pichler hat sich wiederholt mit der Geschichte der Trentiner Zuwanderung befasst. Den unmittelbaren Anlass bot der Bau der Arlbergbahn. Ein ungeheures Unterfangen – zeitweilig tummelten sich 11.000 Arbeiter auf offener Strecke. Man hielt das Bauvorhaben ja lange für unmöglich. Britische Ingenieure hatten die Idee als Erste aufgebracht, auf der Suche nach einer Bahnverbindung ans Mittelmeer. Der Bau der Semmeringbahn 1854 gab schließlich Hoffnung, dass auch der Arlberg zu bezwingen sein würde.

Ausfuhrverbot

Durch den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 und das damit verhängte Handelsembargo erhielt das Projekt der Arlbergbahn dramatische Dringlichkeit: Vorarlberg musste Ausfuhrverbote nach drei Seiten hin erleiden, gegen Osten stand der Arlberg im Weg. Astronomische 42 Millionen Gulden sollte das Projekt kosten. Erst im dritten Anlauf waren die Pro­tagonisten der Arlbergbahn 1879 mit dem beabsichtigten 10.270 m langen Scheiteltunnel erfolgreich. Am 10. Mai 1880 brannten nachts Freudenfeuer auf den Bergen Tirols und Vorarlbergs, erzählt eine Festschrift der ÖBB. Am 20. Juni 1880 wurde auf der Ostseite und vier Tage später auf der Westseite mit dem Vortrieb für den Arlbergtunnel begonnen. Dass Tausende Arbeiter aus dem Trentino Hand anlegten, kam nicht von ungefähr.

Billige Arbeitskräfte

Die heutige italienische Provinz Trient gehörte auch nach dem Krieg von 1866, als die Habsburger ihre letzten Besitzungen in Italien räumen mussten, weiterhin zu Österreich. Ein bitterarmer Landstrich. Nur kleingliedrige Landwirtschaft, die bis dahin profitable Seidenraupenzucht lag darnieder. Trentiner verdingten sich seit jeher als Wanderarbeiter auf den Großbaustellen Europas. Auch die rasch wachsende Industrie Vorarlbergs förderte die Zuwanderung. Wie stark, darüber gibt ein Blick ins Harder Gemeindearchiv Auskunft: In Hard war 1910 jeder fünfte Gemeindebürger Trentiner Abstammung. Die meisten kamen aus Borgo an den Bodensee, um in der Fabrik von Samuel Jenny und in der 1896 eröffneten Kammgarnspinnerei Offermann zu arbeiten. Arbeitskräfte aus dem Trentino waren billig. Auch die Rheinbauregulierung, die mit dem Staatsvertrag von 1892 begann, bot Lohn und Brot. Noch heute erzählen alte Begriffe beredt von den Neuankömmlingen: Arbeiterhäuser direkt am See nannten die Harder „Borgoland“, an der Landstraße standen einfach die „Italienarhüsr“. Die damals fremden Familiennamen kommen heute ganz selbstverständlich über die Lippen: Debortoli, Girardelli oder eben Armellini. All das ist Joe Armellini (75) kostbar. Seine Urgroßmutter kam 1884 als Witwe mit drei kleinen Kindern nach Hard. Mitte der 1980er- Jahre fuhr er selber mit ein paar Verwandten nach Borgo. Auf Spurensuche.

Am 5. September setzt er nun den Zigtausenden Zuwanderern aus dem Trentino ein eigenes, festliches Denkmal: 130 Jahre nachdem der Arlberg-Bahntunnel am 20. September 1884 durch Kaiser Franz Joseph I. feierlich eröffnet wurde, lädt Joe Armellini zum Abend „Trentino – Voradelbergo“ ins Festspielhaus.

Joe Armellini hält das Andenken an die Trentiner Vorfahren hoch.
Joe Armellini hält das Andenken an die Trentiner Vorfahren hoch.

Programm

Freitag, 5. September 2014,
19 Uhr im Festspielhaus

U. a. mit Vortrag Meinrad Pichler über die Einwanderung aus dem Trentino, Theaterstück „Wie ein Fluss. Reisende im Kaiserreich“, vereinigte Trentinerchöre aus Valsella, Val Bronzale und Lagorai, Anschließend original Valsuganer Kost, Eintritt 11 Euro