Investitionen in das Alter als rentable Aktie

Vorarlberg / 18.08.2014 • 20:03 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Birgit und Johannes Lampert haben sich dafür entschieden, die Wohnungen mit einer Küchenzeile auszustatten. Foto: VN/Hofmeister
Birgit und Johannes Lampert haben sich dafür entschieden, die Wohnungen mit einer Küchenzeile auszustatten. Foto: VN/Hofmeister

Das „Betreute Wohnen“ scheint auch für private Geldgeber interessant zu werden.

Feldkirch. (VN-mm) Wenn der Vater mit dem Sohne: Dieser Filmtitel könnte gut und gerne Pate für ein besonderes Projekt gestanden sein. Im September eröffnet in Feldkirch die erste gänzlich privat finanzierte Anlage für „Betreutes Wohnen“ im Alter. Bauherr ist Johannes Lampert, Ideengeber und Mitgestalter sein Vater, Russ-Preis-Träger Günter Lampert. Sechs Wohnungen stehen zur Verfügung, Küchen übrigens inklusive. Fünf davon sind bereits vermietet. Laut Lampert handelt es sich ausschließlich um Personen mit Betreuungsbedarf. Gedeckt wird dieser durch das Pflegeheim Antoniushaus, mit dem ein langfristiger Vertrag besteht. „Die Mieter können aber auch andere ambulante Dienste in Anspruch nehmen“, verweist er auf die diesbezüglich nach wie vor gegebene Wahlfreiheit.

Bewegungsfreiheit

Noch sind in der am ruhigen und von Hausgärten umsäumten Altenreuteweg in Feldkirch-Nofels gelegenen Anlage die Handwerker zugange. Vor allem die Fertigstellung der in gediegener Eierschalenfarbe gehaltenen Küchenzeilen und jene der Außenanlage nimmt Zeit in Anspruch. Ansonsten ist das Haus fast bezugsfertig. Die Eingangstüren sind in frischem Grün gehalten, „das wollte der Johannes so“, wie seine Frau Birgit lächelnd anmerkt, die Grundrisse der zwischen 40 und 55 Quadratmeter großen Wohnungen derart gestaltet, dass auch Rollstuhlfahrer genügend Bewegungsfreiheit haben. Weiters gibt es einen Gemeinschaftsraum und für alle eine Notrufverbindung zum Roten Kreuz. Die Mietpreise nennt Johannes Lampert einen „Mix aus wirtschaftlich und sozial“.

Anspruchsvolles Vermieten

Was dieses Objekt von Anlagen öffentlicher Wohnbauträger markant unterscheidet, ist, dass die Mieter nicht auf persönliches Eigentum verzichten müssen. „Es bleibt ihnen“, erklärt der im Hauptberuf im Bildungsbereich tätige Feldkircher. Was er im Zuge der Mieterrekrutierung aber auch erfahren hat: Betreutes Wohnen bedeutet anspruchsvolles Vermieten. „Wenn Menschen Gewohntes zurücklassen, muss wirklich alles passen“, weiß Johannes Lampert jetzt. Der Vater sei ihm auch da mit seiner reichen Erfahrung im Sozialbereich eine wertvolle Hilfe gewesen. So werden demnächst drei Paare und zwei Singles einziehen.

Von Nutzen für andere

Rund eine Million Euro lässt sich der Bauherr das durch und durch barrierefreie Projekt kosten. Öffentliche Mittel nahm er dafür nicht in Anspruch. Vielmehr ist Johannes Lampert überzeugt, dass er in eine zukunftsweisende Sache investiert. Das neue Haus könne, meint er, auch für die Stadt Feldkirch und die öffentliche Hand von großem Nutzen sein, weil es der steigenden Notwendigkeit an Pflegebetten in den Heimen entgegenwirke. Der Holzbau wurde von Rhomberg Bau in Bregenz nach  Plänen des Dornbirner Architekten Johannes Kaufmann errichtet. Die Einweihung findet am 20. September statt.

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