„Kenne keinen, der’s nicht will“

Vorarlberg / 18.08.2014 • 20:42 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Auch Gemeindehistoriker Wolfgang Scheffknecht hat sich schon mit der Geschichte des Lustenauer Adressbuches befasst.  Foto: VN/Hartinger

Auch Gemeindehistoriker Wolfgang Scheffknecht hat sich schon mit der Geschichte des Lustenauer Adressbuches befasst.  Foto: VN/Hartinger

Lustenauer Adressbuch im Bürgerforum. Die Zahl der Pro-Aktivisten steigt. 

Lustenau. Das Lustenauer Adressbuch, im Ort gerne als „Bibel“ bezeichnet, wird auch im VN-Bürgerforum diskutiert. „Wird das Adressbuch tatsächlich neu aufgelegt, oder ist es nur ein Scherz?“ , fragt Bürgerforum-Schreiber Rudi Petnig zum Auftakt eines anregenden Dialogs mit dem Ehepaar Petras in der Reichsstraße. Er wisse nur, dass sich der Autor des letzten Adressbuches 2002, Albert Hofer, nicht bereit erklärt habe, die Genehmigungen einzuholen. Im Übrigen könne man den Inhalt des Buches vom Internet herunterladen.

Rege Diskussion

„Warum sollte es ‚mit Sicherheit‘ nicht zu einer Neuauflage des Adressbuchs kommen?“, antwortet Gerdi Petras dem fleißigen Bürgerforum-Schreiber. „Auch wenn es diesmal mit größeren Schwierigkeiten verbunden ist. Was im Adressbuch steht, ist nicht aus dem Internet herunterzuladen“, ist Frau Petras überzeugt. Eine Neuauflage der „Lustenauer Bibel“ würde Gerdi Petras begrüßen, auch wenn sie andererseits für die Bedenken von Adressbuch-Gegnerin Maria Sandtner Verständnis aufbringt. „Ich möchte den Namen eines einzigen älteren Lustenauers erfahren, der im Adressbuch nicht mehr aufscheinen will. Ich kenne niemanden“, bemerkt Rudi Petnig in einem weiteren Eintrag. Auch er würde ein neues Adressbuch begrüßen.

Willige Sammler

Die Chancen, dass es nach zwölf Jahren zu einer Wiedergeburt des Lustenauer Buches mit den Angaben darüber, wie alt die Mitbewohner sind und wo sie in welchem Familienverband wohnen, kommen wird, steigen. Seit dem VN-Bericht am 6. August sind mehrere Lustenauer auf den Herausgeber der letzten fünf Adressbücher, Albert Hofer (57), zugekommen. Sie wollen ihn beim Sammeln von Unterschriften für die Genehmigung der Veröffentlichung ihrer persönlichen Daten unterstützen. Aus Datenschutzgründen – die VN berichteten – wurde eine weitere Herausgabe des Adressbuches vor zwölf Jahren verboten. Es genüge nicht, dass sich Bürger aktiv von einer Nennung im Buch abmelden müssen. Der Herausgeber müsse von sich aus die Genehmigung zur Veröffentlichung von Namen und Adressen bei den betroffenen Personen einholen, stellte der Gesetzgeber fest.

90 Prozent

Diese Erkenntnis schien das endgültige Aus für die „Lustenauer Bibel“ zu bedeuten. Erst als sich in den letzten Wochen Lustenauer spontan zum Thema Adressbuch äußerten und ihre Bereitschaft bekundeten, Unterschriften zu sammeln, roch Hofer wieder Lunte. Auch wenn die Aufgabe kaum bewältigbar erscheint. So müssten die Unterschriftensammler nicht weniger als 180 Staßen durchkämmen und 15.000 Gemeindebürger kontaktieren. Was den Herausgeber des 2002 zum letzten Mal erschienenen Adressbuches dennoch optimistisch stimmt, ist seine Einschätzung über die Akzeptanz des Werkes. „Ich gehe davon aus, dass das Adressbuch rund 75 Prozent Befürworter hat, 20 bis 25 Prozent stehen dem Projekt offen gegenüber, rund drei Prozent sind strikt gegen eine Preisgabe ihrer persönlichen Daten.” Hofer will das Buch nur dann in Angriff nehmen, wenn er 90 Prozent der Gemeindebürger erreicht. „Alles andere macht keinen Sinn.“

Veranstaltung im Oktober

Seit dem VN-Bericht vom 6. August habe sich die Zahl der Pro-Aktivisten für das Adressbuch deutlich erhöht. „Ich durfte das eindeutig feststellen, obwohl ich mich derzeit kaum mit dem Thema befasse”, so Hofer. Anfang Oktober will der 57-Jährige im Reichshofsaal die Lustenauer im Rahmen einer Bürgerbeteiligung zu einer Informationsveranstaltung laden. „Vom dort bekundeten Interesse wird abhängig, ob wir das Projekt tatsächlich in Angriff nehmen werden.“ Hofer will dort Listen auflegen, in die sich Unterschriftensammler eintragen können. Das Lustenauer Adressbuch erschien insgesamt 13 Mal. Zum ersten Mal im Jahre 1921.

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.