Wenn bei Radfahrern der Führerschein locker sitzt

Vorarlberg / 18.08.2014 • 22:14 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Wer als Pedalritter auffällt, muss mit eventuell folgenschweren Polizeikontrollen rechnen.
Wer als Pedalritter auffällt, muss mit eventuell folgenschweren Polizeikontrollen rechnen.

Pedalritter mit Promille im Blut werden nicht gezielt kontrolliert. Es sei denn, sie fallen auf.

Schwarzach. (VN-gs) In Österreich ist das Lenken von Kraftfahrzeugen bei einem Blutalkoholgehalt ab 0,5 Promille nicht mehr zulässig. Doch ein Fahrrad ist kein Kraftfahrzeug. So manche nehmen es hier deshalb etwas „lockerer“. Ohne sich bewusst zu sein, dass es sich auch beim beliebten „Drahtesel“ um ein Fahrzeug im Sinne der Straßenverkehrsordnung (STVO) handelt. Und in dieser gilt laut § Abs. 1 die gesetzliche Regel: „Wer sich in einem durch Alkohol beeinträchtigten Zustand befindet, darf ein Fahrzeug weder lenken noch in Betrieb nehmen. Bei einem Alkoholgehalt des Blutes von 0,8 g/l (0,8 Promille oder darüber oder bei einem Alkoholgehalt der Atemluft von 0,4 mg/l oder darüber) gilt der Zustand einer Person jedenfalls als von Alkohol beeinträchtigt.“ So gilt nach der STVO auch für Radfahrer die Grenze von 0,8 Promille. Was grundsätzlich den Verlust des Führerscheins bedeutet. Sofern der oder die Betroffene überhaupt einen besitzt.

„Blöde Bemerkungen“

Laut Peter Rüscher von der Vorarlberger Verkehrspolizei werden bei Radfahrern keine gezielten Alkoholkontrollen durchgeführt. Und dennoch kommen Anhaltungen vor. „Wenn jemand durch Schlangenlinien auffällt oder etwa einen Verkehrsunfall verursacht“, nennt Rüscher als Beispiele, oder aber auch: „Es kommt schon vor, dass vorbeifahrende Radler Polizeibeamte mit blöden Bemerkungen anflegeln. Dann wird er auch kontrolliert.“

Ergibt der Alkoholtest mehr als 0,8 Promille, erfolgt eine Anzeige bei der zuständigen Bezirkshauptmannschaft. Das kann teuer für den Betroffenen werden. Der Gesetzgeber ahndet diese Übertretung mit Geldstrafen in der Höhe von 800 bis 3700 Euro.

Potenzielle Alkoholiker

Das muss jedoch keine gleichzeitige Führerscheinabnahme zur Folge haben. Es sei denn, es handelt sich um potenzielle Alkoholiker. Diese Bestimmung fasst der Gesetzgeber wie folgt zusammen: „Der alkoholisierte Radfahrer hat als Reaktion auf sein Fehlverhalten Zwangsmaßnahmen und eine Geldstrafe zu erwarten. In Fällen besonderer Deliktschwere oder –anhäufung sowie wiederholter Setzung gravierender Verkehrsverstöße kann es auch zum Lenkverbot, zum Entzug der Lenkberechtigung oder zum Verlust ähnlicher Rechte kommen.“ In dieselbe Kerbe stößt auch Martin Pfanner vom Kuratorium für Verkehrssicherheit: „Solche Maßnahmen sind auch für Radfahrer keine exotischen Konsequenzen.“ Auch wenn sie grundsätzlich nicht gleichzusetzen sind mit denen alkoholisierter Kraftfahrer. Behördliche angeordnete Nachschulungen von Radfahrern sind Pfanner jedenfalls nicht bekannt.