Aus Liebeskummer: Die Freundin täuschte das Verbrechen nur vor

Vorarlberg / 19.08.2014 • 22:19 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Seelische Not trieb die junge Frau zu Straftaten.  Foto: VN/HB
Seelische Not trieb die junge Frau zu Straftaten. Foto: VN/HB

26-Jährige wollte Zuneigung des Freundes zurückgewinnen, stattdessen gab es eine Vorstrafe.

Feldkirch. (VN-ec) Sie ist 26 und sie arbeitete gerne mit Kindern. Dann ergaben sich organisatorische Änderungen an ihrem Arbeitsplatz, und sie konnte nicht länger bleiben. In ihrer Familie empfand die Frau laut Verteidiger Manfred Lenz keine Geborgenheit mehr, und als ihre große Liebe zu zerbrechen drohte, wollte sie mit einem letzten Versuch ihren Geliebten an sich binden. Doch dieser Versuch brachte der jungen, hübschen Dame nun 3000 Euro Geldstrafe, dazu 200 Euro Verfahrenskosten und drei Monate bedingte Haft. Den Freund in Angst und Schrecken zu versetzen, zu versuchen, ihn zu Sorge und Mitgefühl zu zwingen, war doch keine so gute Idee.

In Birkenwiese gelegt

Zum einen beschuldigte die Unterländerin einen völlig Unbeteiligten verschiedener Straftaten. Sie behauptete, der in Wirklichkeit Unschuldige habe sie via SMS bedroht, Vergewaltigung und Entführung angekündigt. Dann legte sich die junge Frau selbst in die Birkenwiese, mimte die Orientierungslose und telefonierte ihrem Freund durch, sie sei betäubt und an einem unbekannten Ort im Gras abgelegt worden. Der Freund setzte alles in Bewegung, um seine Freundin zu finden. Vor einer Beamtin erzählte die angeblich Entführte, dass sie wohl narkotisiert worden sei.

Zu guter Letzt verfasste die 26-Jährige noch ein Bekennerschreiben, in dem ein Unbekannter als Täter der Narkotisierung und Entführung auftrat. Sogar ein Foto klebte die Dame in das Schreiben. „Ich tat das alles, um von mir abzulenken“, gesteht sie vor Gericht. „Sie haben wohl zu viele Krimis im Fernsehen gesehen“, kann der erfahrene Anwalt Manfred Lenz da nur schmunzeln. Er versucht eine Diversion, also eine Erledigung ohne Vorstrafe, zu erreichen. Doch bei vier Delikten ist dies so gut wie aussichtslos. Was wie eine Dummheit anmutet, sind vor dem Staatsanwalt Verleumdung, Vortäuschen einer mit Strafe bedrohten Handlung, falsche Beweisaussage und Urkundenfälschung.

Schuldspruch unumgänglich

Richterin Judith Oberauer erklärt der Angeklagten, dass ihr Verhalten mit sechs Monaten bis fünf Jahren Haft bedroht ist. Mildernd sind das Geständnis, die bisherige Unbescholtenheit und die psychische Ausnahmesituation, in der sich die junge Frau wohl befand. Dennoch, drei Monate Bewährungsstrafe plus 3000 Euro Geldstrafe werden es dennoch. Das größte Problem wird sein, dass die junge Dame, die zurzeit einen Übergangsjob als Angestellte hat, wieder in ihren Sozialberuf zurück will. Eine Vorstrafe macht sich da äußerst schlecht. Dennoch nimmt sie das Urteil an, stottert die Strafe ab und versucht, in ihren alten Job zurückzukehren. Der Freund hat sich übrigens mittlerweile von der jungen Dame getrennt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

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