Teilkrankenstand wird nun endlich verhandelt

Vorarlberg / 19.08.2014 • 18:34 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Russ-Preis-Träger Dr. Gebhard Mathis.
Russ-Preis-Träger Dr. Gebhard Mathis.

Der tragische Krebstod von Barbara Prammer brachte Bewegung in die Thematik.

Schwarzach. Seit Jahren kämpft die Krebshilfe für einen Teilzeit- bzw. Teilkrankenstand. Bislang jedoch mit wenig Erfolg. Nur in Vorarlberg sind sich Sozialpartner und Krebshilfe über die Notwendigkeit einer solchen Maßnahme einig. Nun scheint der tragische Tod von Nationalratspräsidentin Barbara Prammer ein Umdenken bewirkt zu haben.

Ein großes Anliegen

Jedenfalls sollen im Herbst auf Bundesebene konkrete Verhandlungen über die Einführung eines Teilkrankenstands beginnen. „Wir freuen uns. Es ist jedoch traurig, dass es erst einen Anlassfall braucht, damit sich die Politik bewegt“, sagt der Präsident der Vorarlberger Krebshilfe und Russ-Preis-Träger Prof. Gebhard Mathis.

Prammer sei dieses Thema sehr wichtig gewesen. „Mit der Bekanntmachung ihrer Krebserkrankung wollte sie auch auf dieses Anliegen hinweisen“, so der Präsident der Österreichischen Krebshilfe, Paul Sevelda, der seinerseits Sozialminister Rudolf Hundstorfer und den Zweiten Nationalratspräsidenten Karlheinz Kopf erst jüngst wieder an Prammers Wunsch erinnerte. Nun scheint mit der Zusage für Verhandlungen ein Durchbruch gelungen zu sein. Wiewohl Gebhard Mathis die Sache noch mit Vorsicht betrachtet. Denn: „Arbeiterkammern und Gewerkschaften sind harte Verhandlungspartner.“ Er selbst ist in dieser Sache an allen nur möglichen Fronten aktiv. Aus gutem Grund, wie die Krankenstandstatistik belegt. Denn mit durchschnittlich 34,7 Tagen stehen Krebskranke deutlich an der Spitze. „Krebs wird heutzutage wesentlich öfter geheilt als noch vor 20 Jahren. Der Preis dafür sind allerdings aufwendige und teils sehr belastende Behandlungen“, erklärt Mathis. „Viele dieser Patienten wollen arbeiten, weil es ablenkt und den Selbstwert erhöht“, verdeutlicht er den Wert von Beschäftigung. Doch nicht jeder Betroffene kann die volle Leistung erbringen. Eine Folge davon ist, dass Krebskranke häufig in die Pension gedrängt werden. Der Krebshilfe-Präsident weiß dies von Vertragslehrern, kennt das Phänomen aber auch aus der Wirtschaft. Es müsse daher etwas geschehen.

Bei Arbeiterkammer und Gebietskrankenkasse in Vorarlberg rannte er mit seinem Appell, im Sinne einer schrittweisen Rehabilitation für Patienten während und nach einer Krebsbehandlung ein Teilzeitarbeitsmodell zu entwickeln, offene Türen ein. Wo es hakte, das war auf Bundesebene. Zwar schaffte es die Österreichische Krebshilfe, dass die Forderung nach Teilkrankenstand in das Regierungsprogramm aufgenommen wurde, dort blieb es allerdings in der Warteschleife hängen. „Es war daher sehr wertvoll, dass Barbara Prammer diese wichtige Sache zum Thema machte. Wir werden in ihrem Sinne auf der Umsetzung beharren“, verspricht Paul Sevelda.

Eine Beschäftigung lenkt ab und stärkt den Selbstwert.

Gebhard Mathis

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