“Tue dem Wald Gutes”

Vorarlberg / 20.08.2014 • 18:48 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Bernd Leitner hat heute schon viel geleistet. Er hat einen Weg angelegt, eine Terrasse ausgehoben und setzt jetzt Bäume. Foto: Oliver Lerch

Bernd Leitner hat heute schon viel geleistet. Er hat einen Weg angelegt, eine Terrasse ausgehoben und setzt jetzt Bäume. Foto: Oliver Lerch

Das internationale Bergwaldprojekt feiert in Österreich sein zwanzigjähriges Jubiläum.

silbertal. (VN-kum) Es ist eine schwierige Arbeit, die die 15 ehrenamtlichen Teilnehmer des Bergwaldprojekts machen. Denn das Gelände oberhalb vom Stöcker-Maisäß im Silbertal ist steil, der Boden nass und rutschig.

Bernd Junge (41) aus Deutschland setzt auf zuvor ausgehobenen Terrassen (Bermen) Bäume. „Allein gestern haben wir 700 Fichten gepflanzt.“  Projektleiter Michael Denfeld (46) aus der Schweiz schneidet unterdessen kleine Bäumchen frei, die wild umwuchert sind. Ein paar Meter weiter legt Bernd Leitner (45) aus Deutschland einen Weg an. „Die Begehungssteige im steilen Gelände sind extrem wichtig. So machen wir es den Forstarbeitern leichter“, ist der Deutsche von der Wichtigkeit seiner Arbeit überzeugt.

Seine Kollegin Agnes Molnar (35) aus Ungarn kümmert sich unterdessen ums Mittagessen. Die Vorstandsassistentin einer großen Firma in der Steiermark hat im unwegsamen Gelände ein Feuer entfacht und kocht eine Suppe, „eine Bergwaldsuppe“, wie sie lächelnd sagt. Agnes’ Freunde verstehen nicht, dass sie im Urlaub arbeitet. „Aber mir macht es Spaß, im Wald zu arbeiten. Das ist ein toller Ausgleich zu meinem Bürojob.“ Außerdem tue sie mit ihrem Engagement dem Wald etwas Gutes. „Er kommt durch unsere Arbeit schneller auf.“

Das einfache Leben

Agnes schätzt auch das einfache Leben, das sie in dieser Woche führt. Sie schläft im Zelt und wäscht sich im Bach. „Zu Hause habe ich das nicht.“ Diese Einfachheit fasziniert auch Bernd Leitner. Denn sonst hat er es mehr mit Schickimickis zu tun. „Ich richte Galas und Events aus.“ Er brauche die Arbeit im Wald, „als Kontrast zu meinem Beruf“, sagt er. Der 45-Jährige ist ein „Wiederholungstäter“. Er nimmt schon zum neunten Mal am Bergwaldprojekt Montafon teil.

Inzwischen ist er Gruppenleiter. „Ich achte auf die Sicherheit meiner Leute.“ Der Kulturmanager baut am liebsten Wege. „Das ist erfüllend. Am Abend sieht man, was man gemacht hat.“ Seit nunmehr 20 Jahren, seit 1994, verbringen Freiwillige ihren Urlaub in den Wäldern des Montafons und helfen, den Wald fit für die Zukunft zu machen. Rund 20.000 Arbeitsstunden wurden in diesen zwei Jahrzehnten von den 550 ehrenamtlichen Helfern in den Montafoner Waldungen geleistet.

Bilanz ist positiv

„Es wurden rund 15.000 Jungpflanzen im Schutzwald gepflanzt, circa 400 Festmeter Käferholz entrindet und 7000 Laufmeter Begehungssteige errichtet“, zieht Forstfonds-Betriebsleiter Hubert Malin eine positive Bilanz. Es freut ihn gewaltig, „dass die Projektteilnehmer immer sehr engagiert bei der Sache sind und einen tatkräftigen Dienst für einen intakten Schutzwald leisten“. Malin brachte das Bergwaldprojekt vor zwei Jahrzehnten zum ersten Mal nach Österreich. Seinen Ausgang nahm es in der Schweiz im Jahre 1987. Greenpeace initiierte es in einer Zeit, in der das Waldsterben für Schlagzeilen sorgte und das ökologische Bewusstsein erwachte. Mit dem Projekt sollten die Erhaltung, die Pflege und der Schutz des Waldes im Berggebiet gefördert werden. Es ermöglicht Frauen und Männern (ab 18 Jahren) einen einwöchigen Arbeitseinsatz unter professioneller Leitung. Seit Beginn haben rund 37.500 Freiwillige in den Bergwäldern der Schweiz, der Ukraine, Deutschlands, Österreichs, Kataloniens und des Fürstentums Liechtenstein gearbeitet.

Der Wald kommt durch unsere Arbeit schneller auf. Agnes Molnar

Der Wald kommt durch unsere Arbeit schneller auf.

Agnes Molnar

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