“Wir prüfen mit sozialem Augenmaß”

Vorarlberg / 21.08.2014 • 20:03 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Lebenshilfe GmbH veröffentlicht Bilanz. Weitere Suche nach Sparpotenzialen.

Götzis. Den Vorwurf der Intransparenz will die Lebenshilfe Vorarlberg nicht auf sich sitzen lassen. Wie berichtet, wurden bislang auch auf Anfragen keine Budgetzahlen genannt. Das Land monierte, dass es keine Einsicht in die Gebarung des Vereins Lebenshilfe, der „Mutter“ der drei GmbHs (Lebenshilfe Vorarlberg, Ausbildungszentrum Vorarlberg, Sunnahof) habe. Gestern legte die Einrichtung nun die Bilanz der GmbH offen. „Dienstleistungen wie Arbeit in einer Werkstätte oder das Wohnen in einer Kleinwohnanlage werden vom Land für jede Person einzeln bewilligt und verrechnet. Es kennt auch unsere Bilanz, denn wir sind gemeinsam in einem stetigen Prozess, was die Genehmigung der Dienstleistungen betrifft“, stellt Lebenshilfe-Geschäftsführerin Mag. Michaela Wagner ihre Sicht der Dinge klar. Und: „Die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut, selbst in Zeiten knapper Finanzmittel.“

Entgelte und Eigenerlöse

Im Geschäftsjahr 2013 betrugen die Gesamteinnahmen der Lebenshilfe Vorarlberg GmbH demnach 32,5 Millionen Euro. „Den Großteil davon machen mit rund 26 Millionen Euro die Leistungsentgelte aus. Dabei handelt es sich um Entgelte für die vom Land bewilligten Dienstleistungen für Menschen mit Behinderungen“, erklärt Wagner. Der restliche Teil sind Eigenerlöse, die unter anderem in den Fachwerkstätten, Gastronomiebetrieben oder Geschäften erwirtschaftet wurden. Diesen Einnahmen standen Gesamtausgaben von 33 Millionen Euro gegenüber, wobei die Personalkosten den größten Brocken darstellten. „Die kürzlich erfolgte Anpassung der Kollektivverträge im Sozialbereich macht uns natürlich zu schaffen“, räumt Michaela Wagner ein. Um Menschen mit Behinderungen bestmöglich zu unterstützen, brauche es jedoch viel Personal, sowohl im hauptberuflichen wie im ehrenamtlichen Bereich. Derzeit beschäftigt die Lebenshilfe GmbH 979 hauptberufliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, was 754 Vollzeitstellen entspricht. Weiters würden Betreuungs-, Material- und Instandhaltungskosten ins Gewicht fallen. „Unter dem Strich blieb der Lebenshilfe Vorarlberg GmbH im vergangenen Jahr ein Minus von rund 500.000 Euro“, rechnet die Geschäftsführerin vor.

„Gemeinnütziger Auftrag“

„Auch wenn wir eine GmbH mit einem gemeinnützigen Auftrag sind, haben wir eine unternehmerische Verantwortung“, begründet Michaela Wagner die eingeleiteten Sparmaßnahmen (die VN berichteten). Und diese müssten rechtzeitig gesetzt werden. Im Vordergrund stehe nämlich immer die Lebensqualität der Menschen mit Behinderungen auf dem Weg zur Inklusion, Diese war in den nun geschlossenen lebens.ART-Geschäften in Bregenz und Feldkirch aufgrund geringer Kundenfrequenzen nicht mehr gewährleistet. „Wir prüfen derzeit unsere Angebote auf mögliche Synergien und Sparpotenziale, dies aber immer mit einem sozialen Augenmaß. Dass wir in Zusammenhang mit dieser Vorarlberger Tugend kritisiert werden, hat mich ziemlich verwundert“, so Wagner.

Die kürzlich erfolgte Anpassung der Kollektivverträge macht uns natürlich auch zu schaffen.

Michaela Wagner

Fakten

» 32,5 Millionen Euro nahm die Lebenshilfe GmbH 2013 ein

» 33,0 Millionen wurden ausgegeben

» 26 Millionen Euro kamen vom Land
» 1220 Menschen mit Behinderung werden betreut 

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.