Dem Genie auf der Spur

Vorarlberg / 22.08.2014 • 19:38 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
150 Besucher haben den Mozart-Abend im Festsaal der AK in vollen Zügen genossen.  Foto: VN/Stiplovsek
150 Besucher haben den Mozart-Abend im Festsaal der AK in vollen Zügen genossen. Foto: VN/Stiplovsek

Eineinhalb Stunden Mozart in Wort und Musik – ein Lesehof wie ein „Shot Klassik“.

Feldkirch. (VN-tm) Wer Mozart war? Das weiß ja jeder. Auf der Seebühne spielen sie ihn allabendlich. Im Handel ist er als Praline erhältlich. Die kleine Nachtmusik? Geschenkt. Und wer ist dieser Mozart? Ein Dirigent, ein Schauspieler und ein Musikwissenschaftler gaben beim Lesehof von AK und VN Antwort. Gökce Yalcın (Flöte) und Alesia Varapayeva (Oboe) legten wie einen fein gewobenen Teppich Musik aus der „Zauberflöte“ darunter.

Am 27. Jänner 1756 kommt in Salzburg Johannes Chrysostomus Wolfgangus Gottlieb Mozart zur Welt. Er soll nur 35 Jahre alt werden. Die Sammlung aller seiner überlieferten Werke – das berühmte „Köchelverzeichnis“ – umfasst 626 Nummern. Nr. 1 ist ein Menuett des 16-Jährigen, Nr. 626 sein Requiem. Amadeus – wörtlich übersetzt „der von Gott geliebte“ – starb am 5. Dezember 1791. Ziemlich mittellos. In von Kaiser Josef II. verordneten kargen Bestattungsriten wurde Mozart mit vier unbekannten Toten in einem Massengrab der Stadt Wien verscharrt.

Doch zurück an den Start. In die frühen Tage des Wunderkindes. „Eines Tages“, weiß der Pianist, Komponist und Wissenschaftler Hans Udo Kreuels zu erzählen, „kehrt der Vater Leopold Mozart von einem Spaziergang zurück und findet den Fünfjährigen am Boden schreibend vor“. Er liest die Noten. „Was ist das?“ „Eine Symphonie“, tönt die Antwort. „Aber die ist ja so kompliziert“, entgegnet der Vater. „Freilich“, antwortet der Sohn, „sie werden sich schon sehr bemühen müssen.“ Er war eben ein Wunderkind. An keinem Maßstab messbar. Mit acht Jahren weiß Wolfgang so viel wie sein vierzigjähriger Vater, schreibt Leopold in einem Brief. Mit acht notiert Wolfgang Amadeus Mozart 40 Kompositionen in sein Londoner Skizzenbuch. „Bis heute werden sie völlig unterschätzt.“ Kreuels hat sein eigenes Buch darüber im Ausland verlegen müssen, „weil hierzulande kein Interesse daran war“. Noch deutlicher tritt die facettenreiche Persönlichkeit Mozarts in seinen Briefen zutage. Ab seinem sechsten Lebensjahr ist die Familie immer unterwegs. Das Wunderkind wird an den Fürstenhöfen herumgereicht. Man muss ja Geld verdienen. So schreibt Mozart Hunderte Briefe von Kindesbeinen an. Kurt Sternik hat welche mitgebracht. Heiter bis derbe an das Bäsle, ehrerbietige an die Mama, gehorsame und doch vorwitzige an den Vater. Die Stadtregierung Wiens apostrophiert Mozart mit „Hochlöblich hochweiser Wiener Stadtmagistrat“. Das hat gewiss seine Wirkung nicht verfehlt.

Konzert angedacht

Aber weil man sich in der überaus amüsanten Brieflektüre allzu leicht verliert, ist es gut, dass Guntram Simma das Wort ergreift. Er lenkt den Blick der 150 Zuhörer noch einmal aufs Ganze. Unmöglich, das Wesen Mozarts in anderthalb Stunden auch nur anzutippen. Simma nimmt Zuflucht bei Erich Valentin. Aus seinem längst vergriffenen Buch „Wege zu Mozart“ liest er: „Man darf sich ihm nur lernend nähern.“ Mozarts Musik nennt Valentin „klingende Unsterblichkeit“.Und weil man die hören muss, denkt Simma laut darüber nach, gemeinsam mit Kreuels ein Klavierkonzert mit Orchester hier im Saal zu besprechen und zu spielen. Lang anhaltender Applaus antwortet der spontanen Idee.

150 Besucher haben den Mozart-Abend im Festsaal der AK in vollen Zügen genossen.  Foto: VN/Stiplovsek
150 Besucher haben den Mozart-Abend im Festsaal der AK in vollen Zügen genossen. Foto: VN/Stiplovsek