Leben auf zu großem Fuß

Vorarlberg / 22.08.2014 • 18:36 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Aus dem scheinbar Vollen schöpfen, ein bisschen verschwenden, das hat fatale Folgen für die Lebensgrundlagen und die Zukunft der Kinder. Ein Leben auf großem Fuß verursacht steigende Kosten: Das globale Netzwerk „Fußabdruck“ (Global Footprint Network) hat in diesen Tagen die Daten der bisherigen Öko-Schulden 2014 veröffentlicht. Jedes Jahr steigt der Verbrauch an Ressourcen immer noch. „Die Menschheit lebt jetzt auf ökologischen Pump.“ Berechnet wird die Inanspruchnahme des Planeten durch die Menschheit mit Biokapazität, also die Fähigkeit der Natur, Rohstoffe zu erzeugen und Schadstoffe wie CO2 abzubauen. Seit 2000 steigen diese Öko-Schulden permanent an. Dies sei eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, ein ökologisches und ökonomisches Problem gleichermaßen, warnt der Schweizer Mathis Wackernagel, Präsident des Netzwerks und Entwickler des Modells „Ökologischer Fußabdruck“. Heute bedarf es 1,5 Planeten, um die erneuerbaren Ressourcen zu produzieren. Nahrungsmittelprognosen deuten darauf hin, dass die Menschheit die Biokapazität von drei Planeten bereits vor 2050 erfordert. Die Extrakosten in Form von Klimawandel, Entwaldung, Trinkwassermangel, Erosion und der Verlust an Artenvielfalt sind unermesslich.

Laut Global2000 ist in Österreich dieser Fußabdruck dreimal so groß, wie er global betrachtet sein dürfte. Moderne Rechner – darunter www.footprintnetwork.org/calculator – ermöglichen, die persönliche Wirkung auf die Welt zu erfassen und geben wertvolle Hinweise auf die sehr unterschiedlichen und oft auch verblüffenden Zusammenhänge. „Wir können unsere Welt nicht unendlich ausbeuten. Die Verantwortung dafür tragen wir alle. Gerade im Westen verbrauchen wir viel zu viel – die Folgen tragen aber vor allem die armen Länder.“ Jeder Einzelne kann seinen Beitrag leisten, um den Planeten nicht weiter auszuplündern: Der Anteil der Nutzung erneuerbarer Energien muss weiter gesteigert, die Waldvernichtung gestoppt, der Artenschwund aufgehalten werden. Empfehlungen der großen Umweltschutzorganisationen: Eine der besten Möglichkeiten steckt im Geldbeutel. Kaufentscheidungen sind mächtig. Firmen werden so ermutigt, ihre Waren nachhaltiger zu gestalten und mehr umweltfreundliche Produkte anzubieten. Bei Lebensmitteln sollten Regionales und Saisonales bevorzugt werden. Und weniger ist mehr: Langlebige Güter können repariert, geteilt und getauscht werden. Gerade in Vorarlberg schießen Alternativen aus dem Boden. Man muss nicht alles besitzen. Die Wirtschaft des Teilens boomt, weiß Gernot Jochum-Müller, Vorstandsmitglied der Genossenschaft „Allmenda“ und Obmann des Vereins „Talente Vorarlberg“.

marianne.mathis@vorarlbergernachrichten.at
Marianne Mathis ist freie Journalistin.
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