Rabatz im Gerichtssaal

Vorarlberg / 22.08.2014 • 22:41 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Viel gereiste Trickganoven fanden Haftstrafen für zu hoch und taten Unmut lautstark kund.

Feldkirch. (ec) Sitzen Rumänen auf der Anklagebank des Landesgerichts Feldkirch, ähneln sich die Szenen des Prozessverlaufes häufig. Jammern, stöhnen, schluchzen vor dem Urteil. Fluchen, schimpfen und Tumult nach dem Schuldspruch. Auch gestern war dies so. Zwei Geschwister standen wegen unzähliger Trickdiebstähle vor Gericht.

Ein 36-jähriger mehrfach Vorbestrafter und seine 33-jährige, ebenfalls vorbestrafte Schwester hatten in ganz Österreich Verkäufer abgelenkt, immer wieder Ware retour gegeben und ihr Geld zurückverlangt, bis diese den Überblick verloren und draufzahlten. Die angeblich fünffache Mutter saß bereits in Deutschland eineinhalb Monate in Haft.

Querbeet

Einmal schlugen die Ganoven in einem Spital zu, wo sie eine Geldtasche mitgehen ließen. Dann waren ein Blumengeschäft, ein Hotel, ein Bregenzer Schuhhaus und ein Souvenirgeschäft Ziel der Trickganoven. Man ließ aber auch gerne mal eine Sammelbüchse mit Spendengeldern mitgehen oder ergaunerte in einem Handygeschäft oder einer Trafik ein paar Scheine. Auch ein Kellner fiel auf die Ablenkungsmanöver herein.

Interpol

Die Frau wurde von Interpol wegen weiterer Straftaten – darunter auch eine Körperverletzung – gesucht, ihr Bruder ist auch in seiner Heimat Rumänien massiv vorbestraft. „Wir sind so arm, deshalb müssen wir stehlen“, so die Rechtfertigung. Die Angeklagte spricht von einem schwer krebskranken Ehemann, der Beschuldigte von einer schwer krebskranken Mutter.

Große Entrüstung

„Die Polizei hat uns unser Geld weggenommen“, entrüstet sich der Mann. Es war die Diebsbeute, welche die Beamten in Sicherheit brachten. Rund 500 Euro festgestellter Schaden wird den Opfern zugesprochen, wiedersehen werden sie ihr Geld nie. Die beiden Rumänen werden wegen gewerbsmäßigen Diebstahls verurteilt. Die Frau zu zwölf Monaten, der Mann zu 15 Monaten unbedingt.

Situation eskaliert

Als sie begreifen, dass diese Strafe nicht auf Bewährung ausgesprochen wird und sie die Haft absitzen müssen, eskaliert die Situation beinahe und die Justizwachebeamten müssen sich anstrengen, den Rumänen sicher zurückzubringen. Unter Raunzen und Schimpfen lässt sich der Verurteilte widerwillig mit- zerren. Auch die Schwester – ebenfalls mächtig in Fahrt – muss wieder zurück in ihre Zelle. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Wir sind so arm, deshalb müssen wir stehlen. Die Polizei hat uns auch noch unser Geld weggenommen.

Angeklagter

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