Täglich zehn Geburten, vier Hochzeiten, zwei Scheidungen

Vorarlberg / 22.08.2014 • 19:34 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Täglich zehn Geburten, vier Hochzeiten, zwei Scheidungen

Großer VN-Datenreport zur Bevölkerungsentwicklung: So liebt und stirbt Vorarlberg.

Schwarzach. Es sind nur Zahlen, doch dahinter stecken unvergessliche Glücksmomente und auch eine Vielzahl an Schicksalsschlägen. Wenn sich fast alle zwei Stunden irgendwo im Land ein Paar über Nachwuchs freut oder wenn alle drei Stunden eine Familie den Verlust eines Angehörigen betrauert. In Zahlentabellen zusammengefasst als „Natürliche Bevölkerungsbewegung 2013“ hat die Landesstatistik jetzt die jüngsten Daten zum „Leben und Sterben“ in Vorarlberg veröffentlicht. Demnach ist die Bevölkerung im Vorjahr um 2498 Personen auf 373.849 Bewohner angewachsen. Der größte Teil des Anstiegs geht auf das Konto der Zuwanderung (62 Prozent), gut ein Drittel des Bevölkerungswachstums (38 Prozent) resultiert aus dem Geburtenüberschuss. Mehr Babys (3749) als Todesfälle (2801) führen zu einem Wachstum von 948 Personen. Der Geburtenüberschuss wird allerdings von Jahr zu Jahr kleiner. Vor 20 Jahren wurden in Vorarlberg 4785 Baby geboren, um fast ein Drittel mehr als heute. Die Folge des Geburtenrückgangs: Die Alterung der Bevölkerung schreitet voran. So ist die Bevölkerung in den letzten zehn Jahren zwar um 20.000 Personen angewachsen, gleichzeitig gibt es aber 7000 Kinder weniger. Der Anteil der über 65-Jährigen hat im gleichen Zeitraum um ein Drittel zugelegt.

Drastischer Geburtenrückgang

2013 war kein geburtenstarkes Jahr im westlichsten Bundesland. 3749 Kinder bedeuten ein Minus von 2,3 Prozent zum Jahr davor. Bei der Geburtenziffer (Anm.: Babys pro 1000 Bewohner) liegt Vorarlberg mit 10,0 allerdings noch immer an zweiter Stelle hinter Wien. Innerhalb Vorarlbergs ist der Bregenzerwald die „fruchtbarste“ Region (Geburtenziffer 12,0), gefolgt vom Großen Walsertal (10,3) dem Rheintal und dem Walgau (10,1). Mit Rückstand folgen Montafon, Brandnertal, Leiblachtal und Arlberggebiet (8,3 bis 8,8). Im Kleinwalsertal kam gar nur ein Kind zur Welt. Die Statistiken zeigen auch, dass die Mütter im Land immer älter werden. Lag der Anteil der ab 30-jährigen 1998 noch bei 39 Prozent, sind es heute bereits 57 Prozent. Das hat auch Auswirkungen auf die Arbeit der heimischen Hebammen. „Spätgebärende sind gut strukturiert. Sie kommen bestens vorbereitet und informiert“, sagt Helga Hartmann, Geschäftsstellenleiterin des Hebammengremiums in Vorarlberg. Und immer häufiger entscheiden sich die werdenden Mütter für einen Kaiserschnitt. 1091 der 3749 Babys kamen 2013 auf diese Weise zur Welt (29,1 Prozent). 1995 lag der Kaiserschnittanteil noch bei 8,8 Prozent. Helga Hartmann würde sich wieder eine Trendumkehr wünschen. „Unsere Aufgabe ist es, gut aufzuklären und die Mütter auf die Geburt vorzubereiten.“ Man müsse das Ganze auch aus Sicht des Kindes betrachten. Ein Kaiserschnitt sei nicht der normale Start ins Leben. So würden die Kinder bei einer Spontangeburt mit der Atmung darauf vorbereitet. „Beim Kaiserschnitt fehlt das alles“, sagt Hartmann.

765 Krebserkrankungen

Täglich zehn Geburten, aber auch statistisch berechnete 7,67 Todesfälle gab es 2013 in Vorarlberg. Hinter den nackten Zahlen verbergen sich oft schlimme Schicksalsschläge. So zählten Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems mit 1109 Verstorbenen zu den häufigsten Todesursachen. Bei fast einem Drittel aller Todesfälle (765) war eine Krebserkrankung (bösartige Neubildung) für den Tod verantwortlich. Aufgelistet sind unter anderem 67 Fälle von Brustkrebs und 46 Prostata-krebs-Erkrankte. 96 Menschen verstarben im Vorjahr an den Folgen eines Schlaganfalls.

„Heiratsmuffel“

Zurück zu statistischen Daten, die den Glücksgefühlen auf den Grund gehen: etwa der Zahl der Eheschließungen. Laut VN-Datenreport gaben sich im Vorjahr 1522 Paare vor einem Standesbeamten das Jawort. Alleine zum Jahr davor ein Rückgang um 6,9 Prozent. Blickt man in den Statistiken noch weiter zurück, etwa in die 90er-Jahre, so sind die Vorarlberger mittlerweile richtige „Heiratsmuffel“ geworden. Damals gab es jedes Jahr um rund ein Drittel mehr Hochzeiten. Ein Trend, den auch der erfahrende Dornbirner Standesbeamte Hubert Winsauer bestätigen kann. Alleine in Dornbirn waren es demnach zu den besten Zeiten gut 50 Paar mehr als heute. Wenn sich Winsauer an seine Anfangszeiten vor 30 Jahren zurückerinnert, fällt ihm zudem auf, dass die Heiratswilligen reifer geworden sind. „Heute sind viele über 30 Jahre. Das war damals eher selten“, so der Standesbeamte im VN-Gespräch. Die Statistiken untermauern den Eindruck mit Zahlen. So liegt das mittlere Heiratsalter beim Bräutigam heute bei 34,4 Jahren und bei der Braut bei 31,4 Jahren. 1978 heiratete man im Schnitt noch mit 25,2 Jahren (Bräutigam) und 22,1 Jahren (Braut).

Und noch etwas hat sich geändert: Viele der Heiratswilligen bringen bereits Erfahrung beim Gang zum Standesamt mit. Die Routine in Zahlen: Bei jeder dritten Eheschließung war zumindest einer der beiden schon einmal verheiratet. Da könne es schon passieren, dass man den ein oder anderen zweimal trifft, so Winsauer.

Wie lange die Ehe hält, steht in den Sternen. In 13 Fällen war 2013 bereits innerhalb der ersten zwölf Monate Schluss. Und immerhin jede fünfte Ehe scheitert noch in den ersten fünf Jahren. Und auch zum Alter der Scheidungskandidaten gibt die Statistik Aufschlüsse. So sind Männer durchschnittlich 44,3 Jahre alt, Frauen 41,3 Jahre.

Oft sind Kinder von der Scheidung betroffen. Alleine 146 Kinder waren im Vorjahr sechs Jahre und jünger, als sich ihre Eltern entschieden, getrennte Wege zu gehen.

Die Brautleute sind in den letzten Jahren deutlich älter geworden.

Hubert Winsauer

Kaiserschnitt ist eine freie Entscheidung der Mutter. Unsere Aufgabe ist aufklären und vorbereiten.

Helga Hartmann