Familie und Kuriositäten

Vorarlberg / 24.08.2014 • 18:01 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Ich stamme aus einer großen Familie. Neben Mama und Papa gibt es einen großen Bruder, drei kleine Schwestern und, dank Patchwork, fünfzehn Neffen und Nichten. Meine Familie sieht sich selten. Sie lebt über den ganzen Globus verteilt. Diesen Sommer aber wollten alle zu einem Familienurlaub an der Nordsee zusammenkommen. Endlich.

Letzten Montag war es so weit. Voller Vorfreude machte ich mich frühmorgens gemeinsam mit einer meiner Schwestern und deren Kindern auf den Weg. Die Anfahrt war mühsam. Es gab einige Unfälle, viele Baustellen und noch mehr tränenreiche kindliche Wutausbrüche. Endlich angekommen, hatten sich die Kinder beruhigt. Unsere dort seit Stunden wartende Schwester jedoch nicht. „Warum, verflixt, kommt Ihr jetzt erst?“ Ein Wort ergab das andere und – schwupps – waren wir mitten im ersten Teilfamilienurlaubsstreit. Nach einem lauten Wortgefecht beschlossen wir, dieses kuriose Intermezzo zu beenden. Schließlich sind wir erwachsen. Und wir waren hier, um gemeinsam Zeit zu genießen.

Abends waren dann auch endlich alle anderen angekommen. Wir freuten uns, zusammen zu sein, redeten und lachten viel. Danach besprachen wir Organisatorisches und machten Pläne für die nächsten Tage. Bei uns allen sprudelten die Ideen. Vom Baden im Meer über Radeln durch die Dörfer, Wandern in den Dünen, Shoppen in den Städten, Wasserspielen im örtlichen Bad, einem Besuch des famosen Aquariums und Fischen in der Bucht war alles mit dabei. Und alles hörte sich toll an. Wir waren begeistert und öffneten – die Kinder endlich schlafend im Bett – zufrieden ein, zwei Flaschen Wein. Dann kam es, wie es kommen musste. Papa wollte nun doch nicht shoppen und Mama nicht Rad fahren. Einer meiner Schwestern war das Aquarium zu teuer, der anderen das Bad zu laut, mir selbst das Fischen zu doof. Und meinem Bruder war das Wandern zu langweilig. Prompt war er da, der zweite Streit. Diesmal mit der gesamten Familie.

Nun, was soll ich sagen? In unserer kurzen Urlaubswoche haben wir dieses bizarre Familienritual perfektioniert. Morgens gab es einen kurzen und abends einen längeren Streit, fast immer lauthals. Und in den Stunden dazwischen hatten wir unglaublich viel Spaß miteinander. Schon seltsam. Familie eben. Ich kann es wirklich kaum erwarten, alle wiederzusehen.

amanda.ruf@vorarlbergernachrichten.at
Amanda Ruf ist Geschäftsführerin des Vereins Amazone, derzeit in Bildungskarenz.
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