Einen arglosen Bargast vom Hocker gestoßen

Vorarlberg / 25.08.2014 • 22:16 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Wegen nichts und wieder nichts verprügelte Landesbediensteter einen Unschuldigen.

Bregenz. Es war kurz nach Mitternacht, als der 55-jährige Pensionist in ein Bregenzer Lokal schlenderte. Er hatte zuvor im Metrokino gesessen, friedlich Zeitung gelesen und wechselte dann in die Kneipe in der Nähe. Auch dort setzte er sich ruhig an einen kleinen Tisch, bestellte sich ein Cola-Bier-Mischgetränk und las weiter. Eine Bekannte an der Bar erkannte ihn und rief: „Komm doch zu uns rüber!“

Der Rentner fragte höflich, ob er nicht bei einem Flirt störe, da er sah, dass sich die Frau mit einem Mann unterhielt. „Nein, nein, komm nur!“ meinte der weibliche Gast, und so setzte sich der Bregenzer auf einen freien Barhocker. „Ich sagte noch ganz vorsichtig ein kurzes ‚Hallo‘ zu dem Mann, sonst haben wir nicht miteinander gesprochen“, erinnert sich der Bregenzer.

Plötzlicher Schlag

Dann war der alkoholisierte Landesbedienstete aufs WC gegangen. Als er zurückkam, schlug er den Frührentner, ohne ein Wort zu sagen, vom Barhocker. „Ich wurde von hinten mit eminenter Gewalt erfasst und mit voller Wucht zu Boden geschlagen“, berichtet der Pensionist, der bereits vor dem Vorfall wegen eines schweren Wirbelsäulenleidens in Behandlung war. Seine Rückenprobleme wurden sogar als Behinderung eingestuft, zusätzlich hat der Mann mit anderen Beschwerden zu kämpfen. Auf den Schlag des Beamten konnte das Opfer nicht reagieren und fiel unvorbereitet auf den Steinboden. Neben einer blutenden Kopfwunde zog er sich eine schmerzhafte Steißbeinprellung zu. Schmerzmittel darf es wegen gesundheitlicher Probleme nur im Notfall nehmen. Warum ihn der Beamte, den er zuvor nie sah und mit dem er keinen Zwist hatte, niederschlug, weiß er nicht.

Wenig Betroffenheit

Reue zeigt der Angeklagte im Prozess kaum, Entschuldigung gibt es keine. Zu seiner Verantwortung erzählt der Landesbedienstete nur etwas von „irgendwie mit ausgestrecktem Arm“. Mit einem Nettoeinkommen von über 3000 Euro ist er bereit, dem Verletzten 500 Euro Teilschmerzensgeld zu bezahlen. „Ich glaube, dass Sie normalerweise kein gewalttätiger Mensch sind“, meint Richter Christian Röthlin und bietet dem Mann 1000 Euro Buße gegen Verfahrenseinstellung an.

Der Landesbedienstete nimmt an, damit ist die Sache für ihn erledigt. Vorausgesetzt, die Staatsanwaltschaft akzeptiert diese Lösung. Der unschuldig Niedergeschlagene hat jedenfalls jetzt noch die Beule am Kopf und muss versuchen, mit Physiotherapie seine gesundheitlichen Probleme in den Griff zu bekommen.

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