Nach OP war ein Bein kürzer

Vorarlberg / 26.08.2014 • 20:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Operationen sind nie risikolos. Passiert ein Fehler, müssen Betroffene oft lange um Schadenersatz kämpfen. Symbolfoto: VN/Steurer
Operationen sind nie risikolos. Passiert ein Fehler, müssen Betroffene oft lange um Schadenersatz kämpfen. Symbolfoto: VN/Steurer

FPÖ-Gesundheitssprecher beklagt jahrelange Prozessführung für Betroffene.

Bregenz. (VN-mm) Seit bald sechs Jahren soll ein Patient nach einem Behandlungsfehler schon um Schadenersatz kämpfen. Bei dem Mann ist offenbar eine im Landeskrankenhaus Bregenz durchgeführte Beinoperation fehlgeschlagen. Der Chirurg selbst stellte nach dem Eingriff unterschiedliche Beinlängen fest, tatsächlich war das operierte Bein einen Zentimeter kürzer.

Verhandlungsbasis

Weitere Komplikationen kamen dazu, ehe in einem Tiroler Spital das Problem durch Einsatz einer Prothese behoben wurde. FPÖ-Gesundheitssprecher Dr. Hubert Kinz nimmt den ihm persönlich bekannten Fall nun zum Anlass einer Anfrage an Gesundheitslandesrat Dr. Christian Bernhard. Der Umgang der Landeskrankenhäuser mit gutachterlich belegten Behandlungsfehlern scheine angesichts jahrelanger Prozesse hinterfragenswert, so Kinz.

Der stellvertretende Patientenanwalt, Mag. Christoph Grager, zeigt sich weniger überrascht von solchen Zeiträumen. „Diese Prozessdauer ist nicht kurz, aber auch nicht unüblich“, so Grager. Durchschnittlich würden betroffene Patienten fünf bis sechs Jahre auf Schadenersatz warten. Gleichzeitig berichtet Christoph Grager von einer intakten Verhandlungsbasis mit den Haftpflichtversicherungen der Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG).

Nach wie vor Probleme mache jedoch die Versicherung des Krankenhauses Dornbirn. „Wir haben das mit den Verantwortlichen des Spitals und der Stadt besprochen. Es besteht aber keine Bereitschaft, die Versicherung zu wechseln“, so Grager.

Anerkennung verweigert

Im vorliegenden Fall weigert sich die Krankenhausbetriebsgesellschaft laut Hubert Kinz bis heute, einen Behandlungsfehler anzuerkennen. Nun befindet sich die Causa bereits im zweiten Rechtsgang. „Und das, obwohl die vom Gericht bestellten Gutachter klare Worte zum Behandlungsfehler fanden“, beklagt Hubert Kinz. Im Verfahren seien auch Unstimmigkeiten hinsichtlich der Dokumentation der Behandlung aufgetaucht. Zudem würden von Seiten des Bregenzer Krankenhauses immer neue Einwände vorgebracht, die in keinem Zusammenhang mit der Sache stünden. Auch moniert der Freiheitliche, dass es keinen Kontakt zwischen dem Betroffenen und den Ärzten gegeben habe, was der Aufarbeitung durch den Patienten wohl auch nicht dienlich gewesen sei.

Komplikationen

Das Ungemach selbst begann am 5. September 2008. Nach einem Unfall wurde der Mann ins LKH Bregenz eingeliefert und mehrere Stunden am gebrochenen Oberschenkelhals operiert. Bereits kurz darauf stellte der behandelnde Arzt unterschiedliche Längen bei den Beinen fest. Wie sich der Fallbeschreibung zufolge nachträglich zeigte, erfolgte die Operation nicht „lege artis“, also nicht nach den Regeln der ärztlichen Kunst.

Weiters sei bei der Nachbehandlung die Thrombosegefahr falsch therapiert worden, was zu einem Lungeninfarkt geführt habe. Aufgrund anhaltender Schmerzen erfolgte schließlich im Landeskrankenhaus Feldkirch eine neuerliche Untersuchung. Dabei kam zutage, dass der operierte Fuß einen Zentimeter kürzer war. „Dem Patienten wurde aber nur erklärt, er solle zuwarten“, berichtet Kinz. Der Mann zog es jedoch vor, die Folgen der Operation in einem Tiroler Krankenhaus beheben zu lassen. Dies geschah durch eine Prothese. Laut Hubert Kinz bestätigen auch mehrere Gutachten die gesundheitlichen Malaisen.

Konfliktmanagement

Angesichts einer offenkundig tragenden Beweislast und der trotzdem schleppenden Schadenersatzabwicklung will der FPÖ-Gesundheitssprecher von Gesundheitslandesrat Christian Bernhard wissen, in welcher Form die Dokumentation vor und bei Operationen erfolgt und ob es Verhaltensregeln für die Ärzte im Falle von Komplikationen gibt. Außerdem möchte Kinz über die Leitlinien für das Konfliktmanagement im Falle behaupteter Fehlbehandlungen informiert werden, und darüber, ob das medizinische Personal diesbezüglich geschult wird.

Es besteht keine Bereitschaft, die Versicherung zu wechseln.

Christoph Grager

Fakten 2013

» 371 Fälle der Patientenanwaltschaft betreffen Krankenhäuser

» 926 Fälle bearbeitete die PA insgesamt

» 508 Fälle konnten erledigt werden
1,5 Millionen Euro wurden an Schadenersatz bzw. Entschädigungen ausverhandelt

» 20.884 Zugriffe verzeichnete die Homepage der PA im vergangenen Jahr

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