Rundum gesund in die Schule starten

Vorarlberg / 26.08.2014 • 20:49 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Stimmt das Sehvermögen, macht Kindern und Jugendlichen das Lesen gleich noch mehr Spaß. Foto: Ludwig Berchtold
Stimmt das Sehvermögen, macht Kindern und Jugendlichen das Lesen gleich noch mehr Spaß. Foto: Ludwig Berchtold

Ein dichtes Netz an Untersuchungen ermöglicht eine gute Kontrolle.

schwarzach. (VN-mm) Gesund lernt es sich besser. Diese Tatsache sollten Eltern immer vor Augen haben. Denn sowohl körperliche wie seelische Defizite können Kindern das Lernen sehr erschweren, wenn nicht gar vermiesen. „Würden die im Mutter-Kind-Pass bis zum fünften Lebensjahr vorgesehenen Untersuchungen durchgeführt, wäre das Kind für den Schuleintritt gesundheitlich gut gerüstet“, sagt Dr. Guntram Hinteregger, Leiter der Schuluntersuchungen im aks. Allerdings lässt die Konzentration auf diese Kontrollen mit dem Alter der Kinder nach. Aber: „Mindestens ein halbes Jahr vor Schulbeginn sollte das Kind untersucht sein“, betont Hinteregger. Das könne ihm unter Umständen viele Probleme ersparen. Speziell Seh- und Hörschwierigkeiten gilt es laut dem Allgemeinmediziner abzuklären. Während der Schulzeit können die jährlich verpflichtend an den Schulen vorgeschriebenen Untersuchungen helfen, eventuelle gesundheitliche Schäden aufzudecken. Über die Schuluntersuchungen werden, so Guntram Hinteregger, fast alle Kinder erfasst. Im vergangenen Schuljahr waren es 26.564 Mädchen und Buben, das entspricht einer Quote von 98,3 Prozent. Nach der Pflichtschule sieht die Sache wieder weniger günstig aus, wiewohl es gerade dann wieder Sinn machen würde, da zuzuschauen, wie Hinteregger meint. Gerade in der Pubertät vollziehen sich zahlreiche körperliche Veränderungen. „Durch das Schädelwachstum können Sehschwierigkeiten auftreten“, nennt der Arzt ein Beispiel.

Das Hör- und Sehscreening wird seit zwei Jahren nicht mehr über die Schuluntersuchungen abgewickelt. Stattdessen ist es Teil der Kindergartenvorsorge. „Je früher Defizite in diesen Bereichen erkannt werden, umso besser lässt sich etwas dagegen unternehmen“, erklärt Dr. Harald Geiger, ärztlicher Leiter der Kinder- und Jugendprävention im aks, die Umleitung der Maßnahme in das erste Kindergartenjahr. Die flächendeckende Durchführung macht das Angebot österreichweit einzigartig.

Infrarotvermessung

Auch die zur Verfügung stehenden Gerätschaften sind von modernster Bauart. So erfolgt die Kontrolle der Augen berührungslos mittels Infrarotvermessung. Zwischenzeitlich wurden zwei Jahrgänge untersucht. Derzeit erfolgt die Auswertung der Daten. Es gibt in diesem Zusammenhang auch eine Kooperation mit der Sehschule und den niedergelassenen Augenärzten. „Decken wir Sehprobleme bei einem Kind auf, werden sie beim Augenarzt korrigiert“, erläutert Geiger.

Ziel des Sehscreenings ist es, Ungleichsichtigkeiten oder Schielen so rechtzeitig festzustellen, dass der Sehverlust des kranken Auges aufgehalten werden kann. Derzeit sind Überlegungen im Gange, diese Untersuchung altersmäßig noch weiter nach vorne zu verlegen, um im Bedarfsfall noch früher reagieren zu können.

Gleiches gilt für das Hörscreening, das gemeinsam mit dem Sehscreening ebenfalls zu Beginn des ersten Kindergartenjahrs auf dem Untersuchungsprogramm für die Kleinen steht. Ein gutes Gehör ist deshalb von enormer Bedeutung, weil es großen Einfluss auf die Sprachentwicklung hat. Kinder, die schlecht hören, tun sich mit dem Erlernen der Sprache entsprechend schwer. „Es geht bei diesen Untersuchungen also immer um Vorbeugung und Prävention“, betont der Kinderarzt.

Keine Verpflichtung

Im Gegensatz zur Pflichtschule beruhen die Untersuchungen im Kindergarten auf freiwilliger Basis. Dennoch erhalten Eltern, deren Kinder am Untersuchungstag nicht in der Betreuungseinrichtung waren, einen Brief mit dem Ersuchen, das Kind beim Haus- oder Kinderarzt vorzustellen.

Eltern können durch Beobachtungen ebenfalls einen Beitrag zur Gesundheit ihres Nachwuchses leisten. „Sehen und Hören lassen sich spielerisch testen“, weiß Dr. Guntram Hinteregger. Etwa beim Wandern: „Fragen Sie das Kind, ob es das Gipfelkreuz sieht“, lautet ein guter Rat. Dreht der Sprössling das Radio- oder Fernsehgerät ständig lauter, sollten die Eltern hellhörig werden.

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