Dieser ominöse Kopfstoß wird noch für Kopfzerbrechen sorgen

Vorarlberg / 27.08.2014 • 22:33 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Anklage Körperverletzung: Hat junger Vorarlberger Freunde zur falschen Beweisaus­sage verleitet?

Feldkirch. (VN-gs) Den Anstoß zu dem Verfahren am Landesgericht Feldkirch gab ein Kopfstoß in einer „Villa“ im Unterland. Der Angeklagte habe sein Opfer damit in einen wochenlangen Krankenstand befördert. „Die Behandlung der kaputten Nase hat mich zudem 450 Euro gekostet“, so der misshandelte Leasingarbeiter als Zeuge. Er erkannte den Gewalttäter gestern vor Gericht wieder. „Er ist es“, antwortete er auf eine entsprechende Frage von Richter Richard Gschwenter und zeigte auf den Burschen hinter ihm.

Der aber lachte. Nie und nimmer sei er zu jenem Zeitpunkt in jener Villa gewesen. Vielmehr hätte er die Nacht in einem bekannten Tanztempel verbracht. Sturzbetrunken habe er sich anschließend, gegen 4 Uhr morgens, von seiner Mutter vom Bahnhof abholen lassen. Seine Mutter bestätigte das als Zeugin. Zwar hätte sie ihren Junior nicht zu Hause schlafen lassen. „Der Draht zwischen uns war damals nicht so gut“, wie sie begründete. Aber abgeholt habe sie ihn trotzdem. „Wenn der Sohn so betrunken ins Handy trällert, sind das Muttersorgen.“ Während der Fahrt seien allerdings keine Worte gesprochen worden, außer: „Ich sagte ihm nur, er soll mir nicht ins Auto kotzen“. Angaben zum vorherigen Aufenthalt ihres Juniors konnte sie nicht machen.

„Alles abgesprochen“

Ein junger Freund des Angeklagten, der sich in jener Nacht in der besagten „Villa“ befand, nahm seinen beschuldigten Kumpan in Schutz. Er wollte ihn dort nicht gesehen haben, sagte er aus. Was wiederum das angebliche Opfer auf die Palme brachte. Der Leasingarbeiter fuhr entrüstet auf: „Alles abgesprochen. Er hat seine Freunde schon damals zu Falschaussagen bewegt. Ich weiß es!“, bezeugte er.

Sein jugendlicher Freund schlug als weiterer Zeuge in dieselbe Kerbe: Auch er erkannte den Beschuldigten als Täter wieder. Und auch er wollte von Absprachen wissen: „Einer Bekannten, der ich das Moped abgekauft habe, hat er gesagt, sie solle für ihn den Kopf hinhalten. Und auch meine Mutter hat von solchen Gerüchten gehört.“ Diese – ebenfalls als Zeugin geladen – war übrigens für die Dauer der Aussage ihres Sohnemanns aus dem Gerichtssaal gebeten worden.

Diese gesetzliche Vorgangsweise empfand sie als unverständlich. Sie wollte ihrem Junior beistehen, denn: „Er ist doch noch keine 18 Jahre alt.“ „Ich versichere Ihnen, ich werde Ihren Sohn weder foltern noch sonst grausam behandeln“, beruhigte sie Richter Gschwenter.

Verhandlung vertagt

Die Verhandlung wurde auf unbestimmte Zeit vertagt. Zum einen, weil der Angeklagte die erwähnte Mopedverkäuferin als Zeugin zum Beweis dafür vorladen wollte, dass er sie nicht zu einer falschen Aussage verleiten wollte. Und zum anderen, weil Staatsanwalt Manfred Melchhammer dasselbe zum Beweis des Gegenteils beantragte. Er dehnte nämlich die Anklage auf „Bestimmung zur falschen Beweisaussage aus“.

Und das könnte unter Umständen brenzlig werden für den Beschuldigten, dem der Richter noch die Worte mitgab: „Wenn ich dahinter- komme, dass Sie Ihre Zeugen zu Falschaussagen bewegt haben, wird es knüppeldick. Dann können Sie beim nächsten Mal gleich die Zahnbürste mitbringen . . .“

Ich versichere Ihnen, ich werde Ihren Sohn weder foltern noch sonst grausam behandeln.

Richter Richard Gschwenter

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