Die Epoche des Teamteachings

Vorarlberg / 29.08.2014 • 21:14 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Lehrer und seine Klasse. In den Mittelschulen heißt es nun oft: zwei Lehrer und ihre Klasse.  Foto: VN/Hartinger
Der Lehrer und seine Klasse. In den Mittelschulen heißt es nun oft: zwei Lehrer und ihre Klasse. Foto: VN/Hartinger

Eine neue Unterrichtsform erobert die Klassenzimmer: eine Klasse, zwei Lehrer.

Schwarzach. (VN-hk) In der Schule ist wenig so, wie es immer war. Schon gar nicht die klassische Unterrichtssituation: Da der Lehrer, dort die Schüler als ein Verband, der ohne Außenstörung seinem Tagwerk nachgeht. Die moderne Schule von heute – vor allem die Pflichtschulen – steckt in einem revolutionären Umbruch. Eine Schulklasse gehört nicht mehr einem Lehrer allein; abgesehen davon, dass es auch die klassische Schulklasse nicht mehr gibt. „Ohne Zusammenarbeit und Teams geht nichts mehr“, sagt Bezirksschulinspektor und Schulentwickler Christian Kompatscher (48) und ergänzt: „Das Teamteaching hat die Schule sicher so verändert, wie das Frauenpriestertum die Kirche verändern würde.“

Rahmenbedingungen

Bei dieser modernen Unterrichtsform stehen zwei Lehrpersonen in einer Klasse. Sie planen und gestalten den Unterricht gemeinsam. Sie tragen gemeinsam Verantwortung, übernehmen flexibel verschiedene Rollen und bemühen sich um bestmögliche Förderung durch Differenzierung und Individualisierung. Was in der theoretischen Beschreibung so perfekt klingt, ist in der Praxis jedoch nicht immer so einfach. „Natürlich müssen die Rahmenbedingungen passen. Sowohl von der räumlichen Situation in der Schule her als auch von der Besetzung des Lehrerteams. Die müssen schon miteinander können“, meint der Experte.

Die Bedürfnisse der Kinder

Klar ist: Der Lehrplan schreibt Teamteaching zwar nicht zwingend vor, „aber die Ziele, die der Lehrplan vorgibt, lassen sich ohne Teamteaching praktisch nicht erreichen“, erklärt der Bezirksschulinspektor. Die Vorläufer des Teamteachings gehen auf die Einführung der Integrationsklassen zurück. Dort brauchte es ja auch zwei Lehrer in der Klasse.

Mit Beginn des Modellversuchs „Neue Mittelschule“ vor sieben Jahren wurde Teamteaching als neue Unterrichtsform auf breiter Front eingeführt. Dass Unterrichten künftig nur noch aus Teamteaching besteht, ist allerdings nicht vorgesehen. „Wichtig und ausschlaggebend sind die Bedürfnisse der Schüler“, macht Kompatscher deutlich.

Nicht alle mögen es

Wo sich Teamteaching allerdings ausweiten sollte, ist für das Schulaufsichtsorgan offensichtlich: „An den Schnittstellen von einer Schultype zur nächsten kann eine verstärkte Zusammenarbeit nur nützlich sein. Ich denke da zum Beispiel an den Übergang vom Kindergarten in die Schule oder an den Übergang von der Grundstufe zur Mittelstufe. Da kann eine Zusammenarbeit zwischen den Pädagogen der einzelnen Bereiche nur von Nutzen sein“, ist Kompatscher überzeugt. Dass sich die Unterrichtsmethode des Teamteachings weiterentwickeln muss, ist klar. Dass nicht alle Lehrer davon begeistert sind, ebenso. „Da gibt es solche, die das sehr gerne tun. Andere wiederum möchten das nicht mehr“, zeichnet der Bezirksschulinspektor ein Bild der Realität.

Ohne Zusammenarbeit und Teams geht nichts mehr.

Christian Kompatscher
Der Lehrer und seine Klasse. In den Mittelschulen heißt es nun oft: Zwei Lehrer und ihre Klasse.  Foto: VN/Hartinger
Der Lehrer und seine Klasse. In den Mittelschulen heißt es nun oft: Zwei Lehrer und ihre Klasse. Foto: VN/Hartinger

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