Direkt vom Hof ist eine Antwort

Vorarlberg / 29.08.2014 • 19:57 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Jede Woche einen Apfel mehr aus heimischer Produktion zu kaufen und zu essen, empfiehlt Landwirtschaftsminister Rupprechter plakativ, um die Verluste der österreichischen Landwirtschaft durch das russische Importverbot bestimmter Agrarprodukten aus der EU, und damit auch aus Österreich, zu verringern. Der Präsident der Landwirtschaftskammern Österreich, Schultes, legt einen Zahn zu: Er rät zu einem zusätzlichen Apfel pro Tag. Die Aufregung der Interessensvertreter auf Bundesebene ist nur teilweise nachvollziehbar. Befürchtet wird, dass andere EU-Länder, wie etwa Deutschland, mit Dumpingpreisen für die Dauer von Putins Embargo in den heimischen Lebensmittelhandel drängen. Die Verlierer sind – wie immer – die Produzenten. Der Druck dürfte sich in Grenzen halten: Selbst nach Einschätzung des Deutschen Bauernverbands wird Putins Boykott nur geringe Verluste zur Folge haben.

Ein Blick auf den Selbstversorgungsgrad in Vorarlberg und Österreich macht deutlich, dass eigentlich überhaupt kein Export in entfernte Länder notwendig wäre: Bei Käse hat das Ländle einen Überschuss, der sich innerhalb der rot-weiß-roten Gemarkungen ausgleichen ließe. An Rind-, Kalb- und Schweinefleisch, Obst, Gemüse und Getreide fehlt es hierzulande, in Ostösterreich wird wesentlich mehr davon erzeugt. Warum dieser Binnenhandel nicht funktioniert? Es gebe zwischen „Himmel und Erde Dinge, die man nicht kennt“, sagt Vorarlbergs Umwelt- und Agrarlandesrat Schwärzler dazu. Die Wege des „täglichen Brots“ sind weltweit verschlungen und undurchsichtig. Nur eines ist sicher: Putin und seine Partner in der eurasischen Wirtschaftsunion, Weißrussland und Kasachstan, wissen sich selbst zu helfen. Weißrusslands Präsident Lukaschenko hat nach dem jüngsten Vermittlertreffen in Minsk angekündigt, sowohl nach Russland als auch in die Ukraine Fleisch- und Milchprodukte zu liefern. Während innerhalb der EU demnächst „Entschädigungen“ ausgezahlt werden.

Die Antwort auf Import-Sperren ist in Vorarlberg besonders einfach: In zahlreichen regionalen Partnerschaften laufen zwischen bäuerlichen Familienbetrieben und Abnehmern in der Nähe faire Partnerschaften. Eine funktionierende Lebensmittelgrundversorgung nutzt Produzenten und Konsumenten, hilft im Notfall. Selbst der Lebensmittelhandel mit seinen hohen Spannen kann ausgeschaltet werden, wenn direkt am Bauernhof eingekauft wird. Hohe Qualitätsstandards werden erfüllt und kontrolliert. Das macht in Krisen-Fällen von sich häufenden Umweltkatastrophen und auch Importstopps sicher. Ein „Sturm in der Milchkanne oder im Stall“ wird zum Lüftchen – soweit sich die Kundschaft an saisonal Verfügbarem orientiert, im Frühling keine Bio-Frühkartoffeln aus Ägypten im Supermarkt einkauft und nicht zwölf Monate im Jahr Rispentomaten auf dem Teller will.

marianne.mathis@vorarlbergernachrichten.at
Marianne Mathis ist freie Journalistin.
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