Raub, Schlägerei, Drohung: Familientreffen vor Gericht

Vorarlberg / 29.08.2014 • 21:57 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Bruder und Schwester auf der Anklagebank. Unter anderem wegen Raub und Körperververletzung.  VN/Sohm  
Bruder und Schwester auf der Anklagebank. Unter anderem wegen Raub und Körperververletzung. VN/Sohm  

Vater (44) saß gemeinsam mit Tochter (19) und Sohn (21) auf der Anklagebank.

Feldkirch. (VN) Dieser Vater hat wahrlich ein schweres Los zu tragen: Selbst wegen tätlichem Angriff auf einen Beamten angeklagt, musste er sich gestern am Landesgericht Feldkirch die Beschuldigungen gegen seinen Sohn anhören: Dem 21-jährigen Unterländer werden das Verbrechen des versuchten schweren Raubes und Körperverletzung angelastet. Unter anderem.

Erster Tatort: Ein Lokal, wo die Fäuste flogen. Der junge Mann soll dort gemeinsam mit einem Freund mehrere Männer verprügelt haben. Als Erstangeklagter soll er außerdem einen der Kontrahenten mit einem Messer bedroht und Geld verlangt haben.

Letztere Beschuldigung verwies der 21-Jährige allerdings ins Reich der Fantasie: „Es war nie ein Messer im Spiel. Auch habe ich kein Geld verlangt. Es wurde nur blöd geredet, was dann in eine Schlägerei ausartete. Und besoffen waren wir auch.“

Der Grund: Die Burschen im Lokal hätten seinen Freund mit einem Revolver bedroht. „Dafür bekamen sie Hämmer“, so der Beschuldigte. Angeklagt war auch der besagte Freund, ein 19-jähriger Unterländer. Diesem wurde vorgeworfen, die vernehmende Polizeibeamtin mit den Worten „Ich schlitz’ dich von unten bis zum Hals auf, ich schlitz’ dich auf!“ bedroht zu haben.

Vorübergehend enthaftet

Die Auseinandersetzung fand bereits im vergangenen Jahr statt. Beide Burschen wurden in Untersuchungshaft genommen. Mit der Weisung, keinen Alkohol zu konsumieren, allerdings schon bald wieder auf freien Fuß gesetzt. Kein Grund für den Erstangeklagten, nicht wieder zur Flasche zu greifen. Und wieder zuzuschlagen. Diesmal in einem Lokal in Dornbirn. Mit Stahlkappenschuhen schlug er einen jungen Mann krankenhausreif. Seine mitangeklagte 19-jährige Schwester sah dabei nicht nur zu. Auch sie trat mit den Füßen gegen das bereits am Boden liegende Opfer und brach ihm dabei eine Rippe. Die junge Frau gab sich gegenüber Richterin Angelika Prechtl-Marte zwar durchaus geständig, jedoch alles andere als reumütig. „Der hat mir vorher ein Messer an den Hals gehalten.“ Dies sei auch der Grund für den „Racheakt“ gemeinsam mit dem Bruder gewesen – eben das brutale Zusammenschlagen des Widersachers. Dessen angebliches Messer wurde allerdings nie sichergestellt, sondern nur eine Leuchtklemme. „Das war aber ganz sicher ein Messer“, beteuerte die Angeklagte, „er hat es wahrscheinlich nur weggeworfen. Ich habe auch schon viel angestellt und Sachen weggeworfen, die man nicht gefunden hat.“
Auf die Frage der Richterin an Staatsanwalt Markus Fussenegger, ob er denn von der Angeklagten noch etwas wissen wolle, antwortete dieser: „Ich habe aufgrund meiner Sprachlosigkeit ob dieser Dinge keine weiteren Fragen.“

Weisung missachtet

Der Bruder wanderte sofort wieder ins Gefängnis. Bis heute. Er hatte die Weisung des Alkoholverbots missachtet und war trotz vorhergehender Anti-Aggressionstrainings-Sitzungen während der Haft wieder gewalttätig geworden. Aufgrund ihres Geständnisses und ihres Alters wurde die 19-Jährige wegen schwerer Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu vier Euro verurteilt. Gegen ihren Bruder und dessen Freund wird weiter verhandelt. Opfer und weitere Zeugen müssen noch befragt werden. Der Vater, der in einem Unterländer Lokal schwer betrunken einen Rabatz veranstaltet hatte, wurde zu einer teilbedingten Strafe von 90 Tagessätzen zu je 20 Euro verurteilt. Die Urteile sind rechtskräftig.

Ich habe aufgrund meiner Sprachlosigkeit ob dieser Dinge keine weiteren Fragen.

Staatsanwalt Markus Fussenegger
Richterin Prechtl-Marte: „Sprachlos wie der Staatsanwalt.“  VN/HB
Richterin Prechtl-Marte: „Sprachlos wie der Staatsanwalt.“ VN/HB