Drum prüfe man, was sich im Wald so findet

Vorarlberg / 09.09.2014 • 20:48 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Dr. Klaus Zimmermann aus Dornbirn reinigt einen Steinpilz. Der studierte Biologe weiß genau, was er auf dem Waldboden findet.
Dr. Klaus Zimmermann aus Dornbirn reinigt einen Steinpilz. Der studierte Biologe weiß genau, was er auf dem Waldboden findet.

Ist Pilze sammeln ein Hobby für jedermann oder eher etwas für Experten? Ein Versuch.

ÜBERSAXEN. Herbst ist Pilz-Zeit. Pilze wachsen reichlich, sind für alle da, und das mit dem Auseinanderklauben von essbaren und giftigen Pilzen kann so schwer nicht sein, auch wenn man kein Naturbursche ist. Oder? Zur Not nimmt man eben ein Pilz-Buch mit in den Wald – oder gleich einen Experten. Dr. Klaus Zimmermann von der inatura ist Pilzberater. Gemeinsam gehen wir also in die Pilze. Doch irgendwie ist das doch viel schwieriger als gedacht.

Wir laufen über weichen Waldboden nahe Übersaxen. Es dauert nicht lange, bis wir fündig werden. Klaus Zimmermann kratzt mit dem Fingernagel an der Unterseite eines Pilzhutes. Die Lamellen fallen spröde ab. „Das ist ein Sprödling“, erklärt der Pilzberater. Als er mit dem Taschenmesser den Hut einschneidet, rinnt ein milchiger Saft heraus – genauer gesagt ein Milchling ist dieser Pilz.

So weit, so verständlich. Von diesen, so lerne ich, sollte man die Finger lassen, denn nur wenn der milchige Saft orangefarben ist, handelt es sich um einen Fichten-Reizker, ein essbares Exemplar dieser Gattung. Umso mehr staune ich, als er wenig später einen weiteren Pilz anschneidet, und diesen wieder als Milchling identifiziert. Nur wo ist die Milch? „Ja, der ist völlig ausgetrocknet“, sagt der Experte. Ach, das gibt’s?

Auf das Wann kommt es an

Ich lerne: Bei Pilzen kommt es auch sehr darauf an, wann man sie sammelt. Pilzberater Zimmermann weiß von Menschen, die nach dem Genuss kleiner weißer Pilze detailliert von ihren Halluzinationen erzählten. Die hatten Fliegenpilze gegessen.
Aber sind die nicht groß und rot statt klein und weiß? „Nicht bevor sie sich öffnen“, erklärt Zimmermann, denn erst dann entfaltet sich der rote Hut. Nach unzähligen Korallenpilzen, deren essbare Arten auch der Experte kaum erkennen kann, giftigen Täublingen und ungenießbaren Porlingen finden wir tatsächlich einen dickstieligen Pilz ohne Lamellen mit braunem Hut – ganz klar ein Steinpilz. Zimmermann nimmt ihn aus der Erde und schneidet die schmutzigen Stellen einfach ab. Und schneidet weiter. Und schneidet. „Der ist voller Madengänge“, erklärt er. Die sind winzig, kaum sichtbar. Am Ende ist nichts mehr übrig von unserem Fund, weiße Schnipsel liegen auf dem Moos. Wir suchen weiter.

„Den hier solltest du nicht mitnehmen“, rät Zimmermann mir wenig später und deutet auf einen kleinen grauen Pilz, von Tannennadeln und Reisig bedeckt. Der ist also nicht essbar? „Doch, doch“, sagt er, pflückt ihn, riecht daran. Es ist ein Parasol, ein sehr beliebter Speisepilz. Aber er ist noch klein und für den Laien kaum zu unterscheiden von verschiedenen kleinen, giftigen Gattungen. Lieber warten bis er groß ist.

Die magere Ausbeute des Tages: Doch noch ein schöner Parasol und doch ein dicker Steinpilz. Doch auch jetzt, erläutert mir der Fachmann auf der Rückfahrt, kann man noch viel falsch machen. Werden Pilze feucht, verderben sie innerhalb weniger Stunden. „Die meisten vermeintlichen Pilzvergiftungen sind Lebensmittelvergiftungen“, sagt Zimmermann.

Gelernt habe ich zwar viel an diesem Tag im Wald, aber werde ich mir fortan im Herbst meine Pilze fürs Abendessen aus dem Wald holen? Lieber noch ein Buch darüber lesen. Oder zwei.

Die meisten vermeintlichen Pilzvergiftungen sind Lebensmittelvergiftungen.

Dr. Klaus Zimmermann

Tipps für Pilzsammler

» In Vorarlberg ist das Sammeln von Pilzen in der Zeit von 8 bis 17 Uhr täglich gestattet.

» Pro Person und Tag dürfen maximal zwei Kilogramm Pilze gesammelt werden.

» Es dürfen ausschließlich Exemplare entnommen werden, die eindeutig als Speisepilze erkannt wurden.

» Die meisten Pilze sind roh giftig, also niemals roh verzehren. Am besten 15 Minuten lang bei über 18 Grad garen.

» Nicht Unmengen von Pilzen auf einmal essen, denn sie sind schwer verdaulich. Dieselbe Pilzart nicht kurz hintereinander essen.

» Pilze nur in luftigen Körben transportieren. In Plastiktaschen unter Luftverschluss werden die besten Speisepilze ungenießbar.

» Pilze, die man nicht genau bestimmen kann, getrennt von Speisepilzen aufbewahren. Befindet sich ein stark giftiger Pilz im selben Behälter wie gute Pilze, muss der ganze Korb entsorgt werden.

inatura bietet kostelose Pilzberatung an. Terminvereinbarung unter der Nummer 0676/833064760.