Grobes Foul von hinten gegen die Bahnfahrer

21.10.2014 • 16:17 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ein Fahrkarten-Wirrwarr sorgt dafür, dass Bahnkunden trotz gültiger Tickets große Probleme bekommen können. Foto: APA
Ein Fahrkarten-Wirrwarr sorgt dafür, dass Bahnkunden trotz gültiger Tickets große Probleme bekommen können. Foto: APA

Wie man trotz einer gültigen Fahrkarte schnell zum Schwarzfahrer wird.

Bregenz. Ein gültiges Ticket für den Verkehrsverbund Tirol und ein im selben Zeitraum gültiges Ticket für den Verkehrsverbund Vorarlberg: Damit sollte man problemlos von Tirol nach Vorarlberg reisen können oder umgekehrt. Weit gefehlt! Wer etwa als Besitzer von Karten für beide Verbünde im Zug die Tiroler Grenze nach Vorarlberg passiert, ist ein Schwarzfahrer. Wer andererseits in St. Anton am Arlberg brav aussteigt und zwei Stunden später auf den nächsten Zug Richtung Vorarlberg wartet, ist ein korrekt Reisender.

Die Schikane

„Das ist ein Schildbürgerstreich sondergleichen“, findet etwa Karl Studer (59), Verwaltungschef des Bildungshauses St. Arbogast. „Für die Sendung ‚Mit versteckter Kamera‘ wäre das ein lustiger Beitrag. Doch leider gibt es für uns nichts zu lachen.“ Studer weiß, wovon er redet. Kursteilnehmern, die von Tirol nach St. Arbogast zu Veranstaltungen reisen, sind permanent mit diesem Ärgernis konfrontiert. „Die haben ein gültiges Tiroler Ticket und von uns vor dem Kurs als besondere Serviceleistung eine VVV-Karte zugesandt bekommen. Und dann gibt es diese Schikane am Arlberg, weil das Tiroler Ticket und die Vorarlberger Karte auf einer Fahrt nicht gemeinsam gelten. Verständlich, dass sich da die Leute mächtig darüber aufregen.“ Man zahle für diese Karten jedes Jahr viel Geld an den Vorarlberger Verkehrsverbund, will Studer noch erwähnt haben.

Beschwerden

Betroffen sind von dieser wenig kundenfreundlichen Regel auch viele Vorarlberger Studenten. Die Beschwerden von empörten Bahnbenutzern häufen sich. Dabei ist der im ÖBB-Handbuch für Reisen in Österreich festgehaltene allgemeine Hinweis unter Punkt B.3.1.1.3 ganz klar. Dort heißt es: „Wichtig: Sie können zwei Fahrkarten unterschiedlicher Verkehrsverbünde nicht kombinieren. Für Fahrten zwischen zwei Verkehrsverbünden können Sie nur unsere Fahrkarten nützen.“ Hintergrund der Regelung: Die ÖBB befürchten durch die „Aneinanderreihung vom Verbundtickets“ (offizieller Begriff) Einnahmenverluste. Das gibt Gerhard Mayer (58), in Vorarlberg für den ÖBB-Personenverkehr zuständig, auch offen zu. „Von den Verbundtickets sehen wir kein Geld. Es kann nicht sein, dass wir bei Fahrten durch zwei Verbundregionen in unseren Zügen einnahmenmäßig durch die Finger schauen. Das muss der Kunde vielleicht auch verstehen“, argumentiert der ÖBB-Mitarbeiter. „Verstehen tut das der Kunde natürlich nicht“, sagt allerdings auch Christian Hillbrand (39), Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Vorarlberg. „Es gehört eine kundenfreundliche Regelung her“, verlangt Hillbrand eine Fortsetzung der Verhandlungen, die durch den Wahlkampf zuletzt verschleppt worden seien. Das will der für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zuständige neue Landesrat Johannes Rauch (55) schnell. „Es kann doch nicht sein, dass wir den Öffentlichen Verkehr bewerben und eine derartige Service-Qualität anbieten“, will sich Rauch des Themas so schnell wie möglich annehmen. Bis dahin sind Bahnkunden bei „aneinandergereihter Nutzung von Verbundtickets verschiedener Regionen“ Opfer der negativen Version einer Quadratur des Kreises: Sie haben zwar gültige Bahnkarten und sind trotzdem Schwarzfahrer.

Für ,Versteckte Kamera’ wäre das ein guter Beitrag.

Karl Studer
Ein Fahrkarten-Wirrwarr sorgt dafür, dass Bahnkunden trotz gültiger Tickets große Probleme bekommen können.  Foto: APA
Ein Fahrkarten-Wirrwarr sorgt dafür, dass Bahnkunden trotz gültiger Tickets große Probleme bekommen können. Foto: APA