Es lebt sich gut mit Schutzgebiet

Vorarlberg / 04.11.2014 • 18:18 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Begehung im herbstlichen Masonerwald: Behördenvertreter und Waldbesitzer sind zufrieden.  VN/Hofmeister
Begehung im herbstlichen Masonerwald: Behördenvertreter und Waldbesitzer sind zufrieden. VN/Hofmeister

Masonerwald ist gelungenes Beispiel für Vereinbarkeit von Nutzung und Vogelschutz.

dalaas. (VN-mm) Naturschutz und Waldnutzung: Geht das zusammen? Die Antwort auf diese häufig immer noch emotional diskutierte Frage liefert jetzt ein Sanierungsprojekt im Masonerwald oberhalb von Dalaas, der aufgrund seiner vielfältigen Vogelwelt Teil eines Natura-2000-Gebietes ist. Dank dosierter waldbaulicher Maßnahmen sind die dort vorkommenden Eulen und Spechte nicht nur geblieben, eine Spechtart, nämlich der Schwarzspecht, ist sogar wieder zurückgekehrt. Das haben Untersuchungen bestätigt, die vorher und nachher erfolgten. Fazit aller Beteiligten nach zwei Jahren: „Miteinander kann es funktionieren.“

Konflikte sondiert

Doch so einfach, wie sich die Sache heute darstellt, war es nicht. „Es gab sehr viele Interessen zu berücksichtigen“, erzählt Cornelia Peter, im Auftrag des Landes gebietsverantwortlich für die Klostertaler Bergwälder. Eine Arbeitsgruppe sollte deshalb vorab sondieren, wo Konflikte zu erwarten sind. Schließlich wurde ein Waldfachplan erstellt, das Gebiet in Flächen aufgeteilt und mit Nutzungsgrundsätzen versehen. Insgesamt sollte das Projekt rund 100 Hektar umfassen. Letztlich ließ sich aber nur die Agrargemeinschaft Mason auf den Versuch ein, Waldnutzung und Vogelschutz auf ihren 30 Hektar in Einklang zu bringen. „Wir haben uns zuerst auch überfahren gefühlt“, schildert Hermann Loretz, Obmann der Agrargemeinschaft, die holprigen Anfänge. Selbst von „kalter Enteignung“ war die Rede.

Das gegenseitige Verständnis wuchs erst in vielen Gesprächen. Aber dann wollten alle etwas tun. Gemeinsam mit Ornithologen erfolgte die Begehung jener Waldtrassen, die ausgeholzt werden sollten. Bäume, die Specht & Co. nützlich sein konnten, blieben stehen, andere wurden fachkundig gefällt und mit Hilfe von speziellen Liften schonend abtransportiert. „Es wurde gut und sauber gearbeitet“, attestiert auch Waldaufseher Florian Morscher der Umsetzung Qualität. Da gibt es keine großen Schneisen, sondern nur kleinflächige Öffnungen, die Licht ins Unterholz bringen und damit die Voraussetzungen für eine dringend notwendige Verjüngung des Schutzwaldes schaffen.

Lebensraum geschaffen

Auch Alt- und Totholz bleibt liegen, denn es dient vielen Vögeln als Lebensraum. Hermann Loretz zeigt auf eine riesige abgestorbene Buche, an der Spechte unübersehbare Spuren hinterlassen haben. „Es ist ja nicht so, dass wir früher nichts für die Vögel getan hätten“, merkt er mit einem vielsagenden Augenaufschlag an. Jetzt gehören sie jedoch wirklich dazu. Die Ängste, in einem Schutzgebiet nichts mehr tun zu dürfen, sind bei den Mitgliedern der Agrargemeinschaft Mason verflogen. Ein Grundbesitzer hat inzwischen sogar freiwillig eine Naturwaldzelle in der Größenordnung von zehn Hektar zur Verfügung gestellt, in der natürliche Entwicklungen beobachtet werden können.

Zufrieden mit der Entwicklung ist auch Herbert Erhart von der Umweltabteilung des Landes. „Ich denke, das ist für Waldbewirtschaftung und Vogelschutz in Natura-2000-Gebieten ein erfolgversprechender Weg“, hofft er auf Beispielwirkung. Denn nun gilt es, die privaten Waldbesitzer in das Projekt zu holen, um den gefiederten Schützlingen weiterhin optimale Bedingungen bieten zu können. Sorgen bereitet noch die Wildsituation. Das räumt auch Karl Studer, Leiter der Forstabteilung in der BH Bludenz, ein. Derzeit weisen mehr als 80 Prozent der Bergwälder im Klostertal schutzgefährdende Wildschäden auf. Einen guten Ausgleich zwischen Wald und Wild zu finden, ist die nächste He­rausforderung. 

Der Schwarzspecht, übrigens der größte Specht Europas, klopft auch wieder im Klostertal auf Holz.  Foto: Max Granitza  
Der Schwarzspecht, übrigens der größte Specht Europas, klopft auch wieder im Klostertal auf Holz. Foto: Max Granitza  
Begehung im herbstlichen Masonerwald: Behördenvertreter und Waldbesitzer sind zufrieden.  VN/Hofmeister
Begehung im herbstlichen Masonerwald: Behördenvertreter und Waldbesitzer sind zufrieden. VN/Hofmeister
Der Schwarzspecht, übrigens der größte Specht Europas, klopft auch wieder im Klostertal auf Holz.  Foto: Max Granitza  
Der Schwarzspecht, übrigens der größte Specht Europas, klopft auch wieder im Klostertal auf Holz. Foto: Max Granitza